Das zweite Programm

Sie: Wir sind bei Bekannten, die am Sihlsee wohnen, zum Essen eingeladen. Da es dort kulinarisch hochstehend zugeht und Schneider guten Wein mehr schätzt als ich, darf er trinken, ich zurückfahren. Nun sitzen wir im Auto, sind pappsatt und angeregt. Als ich den Motor starte, fragt Schneider: «Kannst du fahren?» «Bin topfit!» Wir lassen das Dorf hinter uns, ich gebe etwas Gas, aber nicht zu viel, denn es könnten Füchse oder Wildschweine über die Strasse rennen.

 
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«Mann, ist das dunkel», sagt Schneider. «Aber fahr ruhig etwas schneller.» «Will ich nicht.» «Zu langsam ist gefährlich.» «Für wen?» «Für die hinter uns.» «Da ist niemand.»
«Warum bist du so zickig?» «Weil du mir reinredest.» «Ich gebe nur Tipps. Und das regt dich auf?» «Ich rege mich nicht auf, ich konzentriere mich.» «Wenn du dich auf einer Landstrasse ohne Gegenverkehr konzentrieren musst, sollte dann nicht doch besser ich fahren?», fragt Schneider nun im Lehrerton. Uff!

«

Er redet mir ständig drein, uns das nervt!»

Als ich auf die Autobahn spure, meldet sich Schneider zurück: «Du musst den Blinker früher stellen, damit die anderen sehen, dass du rein willst.» Ich sehe weit und breit keine «anderen». Nur Schneider. Und der nervt!  Es bleibt nur eine Lösung: mein Handy.

Er: «Und es macht dir nichts aus, wenn ich einen Jass klopfe?», frage ich Schreiber. Sie hat mich nämlich aufgefordert, in ihrer Handtasche ihr Handy zu suchen, um damit zu spielen. Auf meinem eigenen Uralthandy gibts ja keine Spiele, keine Musik, kein gar nichts. Passt schon, ich habe ja tagsüber sowieso keine Zeit, um zu jassen. So leihe ich mir ab und an ihr Teil aus. Endlich finde ich es, schalte es ein und tippe die Jass-App an. Klasse, denke ich, erst ein sensationelles Dinner und jetzt eine Nachtfahrt mit Jassen. Ich stelle das Teil auf lautlos, damit Schreiber nicht gestört wird.

«

Besser, ich passe auf, sie fährt ja viel zu schnell.»

«Gehts für dich?», frage ich entspannt. «Immer besser!» Keine Ahnung, wie sie das meint. Egal. Zwar kann ich ihr jetzt nicht bei der Fahrt behilflich sein, andererseits kann sie nun so langsam kriechen, wie sie will. Zwischen unseren Fahrtempi liegen nämlich Welten. Das Spiel läuft zu meinen Gunsten und grad als ich meinen letzten Trumpf antippe, rutscht mir fast das Handy aus der Hand. Vollbremsung! «Was machst du?» «Rot», sagt sie. Ich blicke aus dem Auto. Wahnsinn, schon in Baden! Ich schalte das Handy aus und passe wieder auf, Schreiber fährt nämlich viel zu schnell!

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich. Dürfen Beifahrer im Auto mitreden? Oder sollte es der Beifahrer beim Schweigen bewenden. Wer hat recht? Stimmen Sie unter oben stehendem Link ab. Er redet mir ständig drein, und das nervt! Besser, ich passe auf, sie fährt ja viel zu schnell.

 (Coopzeitung Nr. 17/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 20.04.2015, 15:16 Uhr

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