Denk mal statt schenk mal!

Brennpunkt Geschenke: Sie hat eine Idee, die ihn begeistert. 

Steven Schneider: Jedes Jahr dieselbe Diskussion: Was schenken wir einander und wenn ja, warum? Ich bin von daher erleichtert, dass Schreiber dieses Jahr explizit keine Geschenke wünscht. 

«

Abgemacht ist abgemacht. Keine Geschenke.»

«Und das gilt!», bekräftige ich, denn Schreiber hat die Angewohnheit, in letzter Sekunde panisch Geschenke zu organisieren. Ich übrigens auch.
Sie nickt vage, als ob sie sich doch nicht so sicher wäre.
Aber abgemacht ist abgemacht! Keine Geschenke in den Läden im Ort, die ich abholen und bezahlen muss; kein Pulli, der mir viel zu klein ist, weil Schreiber ihn irgendwie für sich selber gekauft hat.
Nein.
Unter unserem Weihnachtsbaum wird befreiende Leere herrschen, in der wundervolle Sätze herumrauschen wie: «Du, mein Liebster, bist einfach der Grösste für mich.» Das sind Geschenke! Unvergesslich!
Oder wir machen es wie gewisse Nomaden: Da sie nicht mit einem Leiterwagen voller Unnötigkeiten durch die Steppe ziehen können, schenken sie sich gegenseitig Lieder. Sie tragen sie einander vor und der Beschenkte nimmt sie im Herzen mit, ohne dass sein Gepäck schwerer wird.
Das ist es! Wir singen ja sowieso vor dem Christbaum – ich kann mich also gaaanz entspannt auf Weihnachten freuen.

Sybil Schreiber: Dieses Jahr ist es uns wirklich ernst: Schneider und ich schenken uns nichts, jedenfalls nichts, was man kaufen kann. Wir haben das miteinander abgemacht. Denn auch bei uns hat der Satz «wir haben doch schon alles» seine übervolle Berechtigung.

«

‹Wir haben doch schon alles› gilt auch für uns.»

Wovon ich aber nicht genug bekommen kann, das sind gute Gedanken. Freundliche, schöne Sätze, liebevolle Anerkennung, wohl formulierte und nett vorgetragene Komplimente. Im Alltag sind sie so wertvoll – und genau dort kommen diese Sätze viel zu kurz.
«Wir könnten uns gute Gedanken schenken», schlage ich deshalb vor. «Zum Beispiel jeden Tag ein Kompliment.»
Schneider wiegt seinen Kopf hin und her: «So etwas wie: ‹Ich finde dich lustig›?»
Immerhin hat er nicht ulkig gesagt, denke ich und sage: «Ja, genau. Einander das sagen, was dem anderen guttut. Ich zum Beispiel bin wirklich beeindruckt, wie du alles schaffst. Das ist ein Satz, den ich auch gerne mal wieder hören würde», ergänze ich. Schneider findet meine Idee prima: «Und ich kann mich drauf verlassen? Keine teuren Geschenke?», fragt er kritisch.
Eigentlich schon, fast jedenfalls. Doch was soll ich jetzt mit all den Sachen machen, die ich seit Herbst für ihn gekauft habe?

(Coopzeitung Nr 52/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 23.12.2013, 11:00 Uhr

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