Bio-Bauer Alfred Spaltenstein zeigt den indischen und thailändischen Gästen seinen Hof in Kloten ZH.

Der Besuch

Die Reismühle Brunnen hat indische und thailändische Bio-Reisbauern zum Austausch in die Schweiz eingeladen. Das sorgte für gegenseitige Aha-Erlebnisse.   

Es ist heiss in den letzten Augusttagen, glühend heiss fast. Und auf Alfred Spaltensteins Bio-Hof «Natur Ernteland» in Kloten ZH bietet sich ein ungewohntes Bild: Da steht der Bauer auf seinem Erdbeerfeld, auch Vertreter von Helvetas und der Reismühle Brunnen sind da. Dazu Frauen, Männer und Kinder aus Indien und Thailand. Sie begutachten Spaltensteins Arbeit und wollen viel von ihm wissen. Kein Wunder, die Gäste aus Indien und Thailand sind selbst vom Fach. Als Reisbauern und Verarbeiter sind sie einem von Helvetas betreuten Fairtrade- und Bio-Projekt angeschlossen; ihr Reis wird von der Reismühle Brunnen importiert und von Coop vertrieben. Eingeladen hat die Reismühle aufgrund ihres sechzigjährigen Bestehens. Aber anstatt auf ein grosses Fest, setzten die Verantwortlichen der Reismühle auf den interkulturellen Austausch.

Immer diese Mäuse

Alfred Spaltenstein hat das Erdbeerfeld mit einem Mulchvlies abgedeckt, um es gegen Schädlinge und Austrocknung zu schützen. Diese Methode ist den Gästen neu. Aber das Thema Schädlinge verbindet. «Wie schützen Sie sich denn vor Mäusen?», will einer der indischen Bauern wissen. Spaltenstein erklärt, dass er punktuell Mausefallen einsetzt, worauf sich der Dolmetscher der thailändischen Gruppe zu Wort meldet und augenzwinkernd erklärt: «Wir grillieren und essen die Mäuse; so haben wir das Problem ganz gut im Griff.» Die ganze Gruppe lacht schallend. So geht Völkerverständigung.
Doch die lockere Stimmung unter den Gästen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Realität eine andere ist. Wo der Schweizer Bauer in seinem «Natur Ernteland» auf rund 50 Hektaren von Bio-Beeren bis zu Bio-Weihnachtsbäumen so ziemlich alles anbaut, bewirtschaften die Inder im Schnitt einen Hektar, die Bauern in Thailand durchschnittlich 2,5 Hektaren.
Trotzdem sind die Gäste an vielen Details interessiert. Etwa an den abgeschnittenen PET-Flaschen, mit denen der hiesige Bauer seine Setzlinge gegen Schnecken schützt. Ein einfacher Trick, den die Bauern zu Hause auch ausprobieren wollen. Das wird aber nur ein kleiner Teil dessen sein, was die Gäste von ihrem Besuch in der Schweiz mitnehmen. Denn bei allen Gemeinsamkeiten, was das Bauernleben ausmacht, sind die Unterschiede deutlich. Die Reisbauern haben von allem wenig, vor allem vom Wasser. Wo hierzulande aus dem Vollen geschöpft werden kann, müssen sie sparsam mit den Ressourcen umgehen. Im von Helvetas betreuten Projekt werden ihnen Anbaumethoden nähergebracht, die sowohl den Wasserverbrauch senken als auch den Ertrag steigern.
Ausserdem sind sie seit 2011 dabei, mit Unterstützung von Helvetas faire und zukunftsgerichtete Vertriebswege für ihre Produkte aufzubauen. Der Besuch in der Schweiz hat ihnen aber auch gezeigt, was der biologische Landbau noch an Möglichkeiten bereithält. Und das ist mehr als nur eine kleine Motivationsspritze.

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 12.09.2016, 10:00 Uhr

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