Der Boss

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Schneider: Schreiber kommt wieder mal glücklich vom Reiterhof zurück. «Und, wie war das Reiten?»

«Ich bin nicht geritten, ich habe gearbeitet.»

«Ich dachte, du gehst jeweils reiten?»

«Dann komm mal mit hoch zum Hof und schau zu, was ich mache und was ich meine», sagt sie.

Beim nächsten Mal bin ich dabei. Ich beobachte Schreiber und ein rotbraunes Pferd, das sie mir zuvor als Parlando vorgestellt hat. Sie spaziert schweigend neben dem Pferd der Hallenwand entlang. Die beiden scheinen vertraut zu sein. Das Pferd trottet, da schwenkt Schreiber auf einmal das Seil in der Hand, das Pferd stoppt und trippelt dann rückwärts.

Interessant.

«

Reiten? Das hier ist Zirkus. Ich bin ratlos.»

Nun macht sie einige Schritte in die Hallenmitte und lässt Parlando an der Leine um sich herum traben. Ehrlich gesagt finde ich das nicht besonders spannend, erst, als sie sich auf einmal krümmt.

Bauchkrämpfe?

Das Pferd verlangsamt, blickt zu ihr und geht auf sie zu. Verrückt, der Gaul will sie trösten. «Was ist mit deinem Bauch?», rufe ich.

«Bauch? Das war das Zeichen für: anhalten und herkommen.»

Ich bin ratlos. Unter Reiten habe ich mir definitiv etwas anderes vorgestellt. Das hier ist Zirkus. Fehlt bloss noch das Paillettenkleidchen für Schreiber.

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Schreiber: Bin nervös, weil Schneider  zuschaut.  Ich  will  ihm  natürlich Eindruck machen. Damit er nicht denkt, dass ich mit Parlando nur herumspaziere, erkläre ich ihm die Sache mit dem Krümmen: «Chef ist, wer sich weniger bewegt.»

«Ach?»

«Wie wenn ich daheim vom Tisch aus sage: Bring doch die Butter aus dem Kühlschrank mit, du stehst grad ...»

«Dann bist du der Boss.»

Er kapiert es. «Ja. Das Pferd muss zu mir kommen, nicht ich zu ihm. So ist klar, wer das Sagen hat.»

«

Ich bin nervös. Ich will ihm Eindruck machen.»

Um Schneider zu demonstrieren, dass ich auch reiten kann, steige ich auf. Er schaut eine Weile zu, dann ruft er: «Der hat ja gar kein Teil zwischen den Zähnen!»

«Toll, gell? Ich zeige mit dem Zügel, wo ich hin will.» Ich schwenke den Zügel vorne an Parlandos Kopf vorbei auf die andere Seite. Dummerweise bleibt er an dessen Ohren hängen.

Aber Parlando ist Profi und weiss, was ich will, auch wenn ich mich unbeholfen ausdrücke. Er wendet brav nach rechts. Und als ich tief einatme, trabt er gemächlich los.

Ich hoffe, Schneider hat das gesehen. «Tief einatmen» bedeutet was. Nicht nur, wenn ich auf einem Pferd sitze. Tief Luft holen heisst zum Beispiel «mithelfen». Oder «mich in den Arm nehmen». Aber Schneider ist nun mal kein Pferd.

Lesungen mit den Kolumnisten und ihrem Programm «Mein Leben als Paar» im November 2017: 15. Thalwil ZH; 23. Willisau LU; 29. Benken SG; 30. Erlinsbach SO. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.11.2017, 15:47 Uhr

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