Der Feind in meinem Bett

In der Familie gibts nun ein Handy mehr.

Steven Schneider: Ich will ins Bett, schlage die Decke zurück und sehe ein Telefon. Das neue Handy unserer Tochter. Ich war zwar dagegen und hart wie Granit, aber auch der kann brechen. Zum Beispiel unter dem Druck zweier charmanter Blondinen unterschiedlichen Alters. «Aha!»

«

Zugegeben, man soll auch mal was testen.»

«Was, aha?», fragt Schreiber, die sich schon unter ihrer Decke kuschelt. «Almas Handy liegt in meinem Bett.» «Ach, da ist es! Super! Hatte ich ganz vergessen. Du weisst ja, ich halte es ab und zu unter Verschluss, wenn sie lernen soll.» «Aber warum in meinem Bett?» «Ich hatte keine andere Idee. Ich musste es so weglegen, dass es wieder von selbst auftauchen würde – falls ich vergesse, wo ich es versteckt habe. Verstehst du?» «Nein.»

«Egal, auf jeden Fall freut es mich, dass du nicht stur gegen ein Handy geblieben bist», meint Schreiber freundlich. «Glaub’ bloss nicht, dass ich auf einmal finde, eine Dreizehneinhalbjährige brauche ein Smartphone», sage ich. «Aber zugegeben, man soll auch mal etwas testen, von dem man noch nicht weiss, ob was Gutes daraus wird.» «Stimmt», meint Schreiber, «damit habe ich in meinem Leben auch schon gute Erfahrungen gemacht.» «Ach, ja?» Sie lächelt. «Zum Beispiel mit dir.»

Sybil Schreiber: Das Handy unserer Tochter verändert uns alle ein bisschen. Schneider hat mir  bewiesen, dass er flexibel ist. Das gefällt mir, vor allem, weil er von seiner Meinung zu meiner gewechselt hat. Er ist ja bekennender Handy-Muffel und hat immer noch ein Nostalgie-Modell, das meistens gar nicht eingeschaltet ist. Wenn ich ihm ein SMS ins Büro schicke, muss ich zusätzlich ein Mail schreiben, er solle doch bitte mal aufs Handy schauen.

«

Er ist ja doch flexibel.»

Mit einer Antwort rechne ich schon gar nicht mehr, denn Schneider hasst Kurznachrichten. Bisher jedenfalls. Doch seit unsere Tochter ein eigenes Handy hat, und sie ihn mit Botschaften beglückt, ist er nicht mehr zu bremsen. Wenn sie simst: «Papi, du bisch cool», schreibt er ganze Romane zurück. Interessant, denn auf meine Liebessendungen antwortet er jeweils nur selten. Und wenn, dann äusserst wortkarg, manchmal sogar rätselhaft.  Ich beuge mich zu seiner Bettseite und gebe ihm einen Kuss, damit er weiss, dass mir trotz allem die direkte Kommunikation noch immer die liebste ist.

Dann sage ich zärtlich: «Übrigens: Deine Suppe liebt dich sehr.» «Suppe?» «So stand es in deinem letzten SMS an mich. Oder wolltest du etwa ‹Süsse› schreiben?»

 (Coopzeitung Nr. 26/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 23.06.2014, 00:00 Uhr

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