Jagdfieber: Im Büechlihau bei Füllinsdorf BL fanden Wolfgang Niederberger (l.) und Jean-Luc Doppler über 300 antike Münzen.

Der Finder: Ein Bubentraum wird wahr

Wolfgang Niederberger ist Schatzsucher – in offizieller Mission und mit sensationellen Erfolgen.

Unsere Geschichte beginnt mit einem Prolog über den Schlagschwirl. Wenn Sie diesen Vogel nicht kennen, ist das keine Bildungslücke – er ist im Osten heimisch und selten in der Schweiz zu sehen. Ist aber ein Amateur-Vogelkundler hierzulande diesem Exoten auf der Spur, wird alles andere nebensächlich. Im Eifer verliert er gar sein Smartphone, mitten in der Wildnis und im tiefsten Gestrüpp. Mein Kollege, dem solches Missgeschick widerfahren war, hatte das Gelände bereits mehrfach abgesucht – inklusive GPS-Ortung – und keine Hoffnung, sein Handy jemals wiederzusehen.

«Kein Problem»

Nun kommt Wolfgang Niederberger (61) ins Spiel. Mit seinem Metalldetektor hatte der Baselbieter vor einigen Jahren einen keltischen Münzschatz entdeckt. Ob der Hobbyarchäologe das verlorene Handy eines Hobbyornithologen aufspüren könnte? Als ich ihn das am Telefon frage, lacht er: «Kein Problem, das haben wir in einer Viertelstunde!»

Tags darauf treffen wir uns am frühen Abend bei der alten Kiesgrube in der Nähe von Gunzgen SO, wo Schlagschwirl und Smartphone im Verborgenen auf uns warten. Niederberger ist dafür aus dem mehr als 50 Kilometer entfernten Laufental gekommen. Das sei doch nicht der Rede wert, meint er, als er seine Ausrüstung aus dem Kofferraum holt. Zuerst der grosse Metalldetektor mit der typischen runden Antenne. Dazu der Pointer – ein weiterer Detektor von der Grösse einer Taschenlampe, mit geringerer Reichweite, aber gut zum gezielten Anpeilen eines Objektes.

Schatzsucher-Ausrüstung: Sonde, Pointer, Pickel.

Schatzsucher-Ausrüstung: Sonde, Pointer, Pickel.
http://www.coopzeitung.ch/Der+Finder_+Ein+Bubentraum+wird+wahr Schatzsucher-Ausrüstung: Sonde, Pointer, Pickel.

Wie alles anfing

Schliesslich noch der Pickel, obgleich wir eigentlich nicht erwarten, das Handy ausgraben zu müssen. «Man weiss vorher nie, auf was man bei der Suche stösst», erklärt Niederberger.
Wir gehen los, und unterwegs erfahren wir, wie alles anfing. Als Bub träumte er davon, einen Schatz zu finden wie im Märchen, und verbuddelte dazu Teile des elterlichen Tafelsilbers. Er lernte das Bäckerhandwerk, schulte später um auf Chemikant und arbeitet seither bei Roche in Basel. Dort traf Niederberger Ende der 1980er-Jahre den drei Jahre jüngeren Elsässer Jean-Luc Doppler. Der erzählte von seinem Hobby als Schatzsucher und überliess Niederberger eine ältere Metallsonde. Die beiden wurden Freunde und gehen seither bei jeder Gelegenheit gemeinsam auf die Pirsch. Ihre Ehefrauen haben sich inzwischen – wohl oder übel – daran gewöhnt.

Der Ton macht die Musik

Nun ist unsere Expedition im Zielgebiet angelangt. Niederberger setzt die Kopfhörer auf und die Suche beginnt. Da, schon hat der Detektor gefiept! Aber kein Handy ist zu sehen. Die Kiesgrube wurde mit Bauschutt verfüllt, und darunter hat es offenbar auch Metallteile. Doch der erfahrene Schatzsucher lässt sich nicht irritieren: «Mit der Zeit lernt man, die unterschiedlichen Tonhöhen zuzuordnen. Eisen erzeugt ein dunkles Brummen, bei Edelmetallen sind es eher hohe Frequenzen», erläutert Niederberger und streift weiter mit der Sonde unter den Büschen umher.

Auch nach einer halben Stunde bleibt das Smartphone weiter verschollen. Der Hobby-Ornithologe widmet sich wieder vermehrt der Suche nach dem Schlagschwirl. Nun tut Niederberger das, was neben Geduld eine der wichtigsten Voraussetzungen der erfolgreichen Schatzsuche ist: Er studiert das Gelände und vergleicht unsere Position mit den letzten Fotos, die der Vogelfreund auf seiner Digitalkamera gespeichert hat. Wir verschieben 50 Meter nach Norden. Keine fünf Minuten später hält Niederberger das Handy lachend in die Höhe.

Eine der keltischen Silbermünzen aus dem Fund von Füllinsdorf.

Eine der keltischen Silbermünzen aus dem Fund von Füllinsdorf.
http://www.coopzeitung.ch/Der+Finder_+Ein+Bubentraum+wird+wahr Eine der keltischen Silbermünzen aus dem Fund von Füllinsdorf.

Als wir später auf den Erfolg anstossen, schwelgt Wolfgang – wir sind nun beim Du, gemeinsame Abenteuer schweissen zusammen – in Anekdoten aus dem Schatzsucherleben. So wurde er auch schon einmal aufgeboten, um einen im Garten verlorenen Diamantring wiederzufinden. Aber am liebsten erzählt er von den Streifzügen mit seinem Freund Jean-Luc, die sie heute in Absprache und mit dem Segen der Kantonsarchäologie unternehmen. Dabei haben die beiden schon so manche neue Fundstelle entdeckt und gemeldet. Ihr bedeutendster Fund bleibt jedoch der keltische Münzschatz von Füllinsdorf BL, durch den sie vor fünf Jahren in die Schlagzeilen kamen. An diesen Ort dürfen wir sie ein paar Tage später begleiten. «Hier bekomme ich heute noch Herzklopfen», bekennt Niederberger – wie vor 16 Jahren, als sie zum ersten Mal gemeinsam hier waren.

Höhepunkt im Leben der Schatzsucher

2001 Erster Münzfund bei Füllinsdorf BL. Heimlich geht die – illegale – Suche weiter.

2011 Sie melden ihren Fund dem Kantonsarchäologen und werden amtliche «Späher».

2017 Ende Jahr kommt die Frühpension – dann bleibt mehr Zeit für das Hobby.

Archäologie Baselland »
Download Infoblatt zum Keltenschatz »

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