Armin Stalder als Volunteer in der Husky-Lodge in Muotathal: ein neues Ferienangebot von Schweiz Tourismus.

Der Helfer: Ferien machen und arbeiten

Nur am Strand liegen und faulenzen ist nicht jedermanns Sache. Deshalb boomt im Moment das Volunteering – Arbeitseinsätze in den Ferien. Etwa in der Husky-Lodge in Muotathal.

Hier finden Sie Angebote des Voluntourismus

Trotz ausgeprägtem Jagdinstinkt: Huskys sind den Menschen gegenüber sehr freundlich.

Trotz ausgeprägtem Jagdinstinkt: Huskys sind den Menschen gegenüber sehr freundlich.
http://www.coopzeitung.ch/Der+Helfer_+Ferien+machen+und+arbeiten Trotz ausgeprägtem Jagdinstinkt: Huskys sind den Menschen gegenüber sehr freundlich.

Es klingt ja so was von verführerisch: Mitarbeit auf der Husky-Lodge. Die süssen Huskys streicheln, mit ihnen spazieren, vielleicht mal füttern, und dann wieder knuddeln. «Ganz so ist es schon nicht», präzisiert Marco Imhof (34), Marketingmitarbeiter und Tourenleiter der Erlebniswelt Muotathal SZ. Zur Mitarbeit gehöre mehr, als nur die Hunde zu füttern und zu streicheln, denn auch beim süssesten Husky geht nicht nur vorne was rein, es kommt auch hinten was raus. Und das gehört weggeputzt. So geht Armin Stalder (27) also mit dem Kotkübel im Gehege herum und sucht Hundehaufen, derweil die Besucherinnen und Besucher die Tiere streicheln und ihnen beim Fressen zusehen. Stalder, von Beruf Journalist beim «Urner Wochenblatt», verbringt seine Ferienwoche als Hilfskraft in der Husky-Lodge in Muotathal.

Voluntourismus ist ein neues Angebot, das das «Switzerland Travel Centre» seit diesem Jahr anbietet. Interessierte können eine Woche lang in einem Hotel arbeiten, Wander- und Bikewege unterhalten oder eben in der Husky-Lodge mitarbeiten. Dazu gehören die Pflege und Fütterung der Tiere, aber auch Umgebungsarbeiten. Im Gegenzug erhalten sie Kost und Logis zu einem günstigen Preis. Vier Nächte in der Husky-Lodge in Muotathal zum Beispiel kosten 200 Franken im Mehrbettzimmer und 400 Franken im Einzelzimmer. An- und Abreise mit dem öffentlichen Verkehr sind im Preis ebenfalls inbegriffen.

Enge Bindung Mensch-Tier

Gehört auch dazu: Armin Stalder jätet Unkraut auf dem Dach eines Holzhäuschens.

Gehört auch dazu: Armin Stalder jätet Unkraut auf dem Dach eines Holzhäuschens.
http://www.coopzeitung.ch/Der+Helfer_+Ferien+machen+und+arbeiten Gehört auch dazu: Armin Stalder jätet Unkraut auf dem Dach eines Holzhäuschens.

Den Vormittag verbringt Hundefreund Armin mit den Huskys und mit Marco Imhof. Eine Gruppe Kinder besucht an diesem Tag die Lodge im Rahmen des Ferienpasses. Die Huskys seien den Menschen gegenüber ausgesprochen freundlich und zugänglich, erklärt Imhof und präzisiert: «unsere Huskys». In den 20 Jahren seit Bestehen der Husky-Lodge habe es noch nie einen Unfall gegeben. Während Imhof erzählt, leckt ihm Cholod überschwänglich das Gesicht. «Dieser Husky hat ein ganz besonderes Verhältnis zu mir», erklärt der Tourenleiter. Cholod sei als Welpe krank gewesen mit einer sehr geringen Überlebenschance. «Der erst drei Monate alte Hund lag tagelang nur auf meiner Brust und hat geschlafen. Er hat aber durchgehalten und überlebt.» Heute ist der Husky ins Rudel integriert und voll arbeitsfähig, aber die Bindung zu Imhof ist eng geblieben.

Der Höhepunkt des Besuches der Kinder – das Programm heisst «Husky-Traum» und kann bei der Erlebniswelt Muotathal auch gebucht werden – ist ein Spaziergang mit den Hunden, bei dem die Kinder erfahren, mit wie viel Kraft die Sibirischen Huskys ziehen können. Mitten drin im Pulk der rund 40 Kinder: Armin. «Bei einer solchen Gruppe muss man die Augen überall haben», lacht Marco Imhof und ist froh, mit Armin eine weitere Arbeitskraft zu haben, die mithilft, die Gruppe zu betreuen. Mal müssen zwei Leinen entwirrt werden, dann wieder hat sich ein Hundebein in einer Leine verfangen oder ein Kind muss sich den Schuh neu binden. Zu tun gibt es immer.

Hand in Hand arbeiten

Am Nachmittag wird Armins Arbeitskraft beim Ausbau des Zwingers gebraucht. Im Herbst erwarten die Züchter einen Wurf Welpen, die nicht verkauft, sondern ins Rudel integriert werden und später als Schlittenhunde mitarbeiten sollen. Und weil mehr Hunde mehr Platz brauchen, wird der Zwinger vergrössert. Armin demontiert den bestehenden Zaun, damit später das Fundament betoniert werden kann. 

Ist ein Volunteer für den Betrieb der Husky-Lodge letztlich eine Unterstützung oder ein zu betreuender Gast, der mehr Arbeitskraft bindet als bietet? Stefan Gwerder (31), stellvertretender Geschäftsführer der Erlebniswelt Muotathal, schmunzelt: «Das kommt ganz auf den Volunteer an.» Deshalb würden sie die Interessenten auch sorgfältig auswählen. «Bei uns muss man unkompliziert und flexibel sein.» Für Armin selber passt es: Er hat ein Ferienangebot gefunden, das ihm Spass macht und eine Abwechslung zu seinem Arbeitsalltag ist. Einen Tag in der Woche hat er ganz frei. Da kann er wandern, biken oder einfach nur faulenzen in der Anlage der Erlebniswelt. Und wenn er will, geht er zu den Hunden. Dann braucht er weder Hunde zu versorgen noch Zwinger zu bauen, sondern streichelt nur die Huskys. An seinem Frei-Tag darf er das.

Fabian Bryner ist Leiter Märkte bei Switzerland Travel Centre

Fabian Bryner (43), Leiter Märkte und Geschäftsentwicklung bei Switzerland Travel Centre (STC), über den Trend des Voluntourismus.

Welche Absicht steckt hinter dem Angebot Voluntourismus?
Ziel von STC ist es, mit solchen Projekten neue Zielgruppen zu erschliessen und mehr Übernachtungsgäste in die einzelnen Regionen zu bringen – vor allem abseits der touristischen Zentren. Deshalb arbeiten wir eng mit der Schweizer Berghilfe zusammen – der ideale Partner dafür.

Besteht eine grosse Nachfrage nach dieser Art von Ferien?
Voluntourismus entspricht dem globalen Trend zu Erlebnisreisen und erfüllt das Bedürfnis, in den Ferien nicht nur zu konsumieren, sondern Teil von etwas Sinnvollem zu sein. Eine deutsche Studie von 2015 hat festgestellt, dass in Deutschland viel mehr Gäste solche flexiblen, oft kurzzeitigen Angebote nutzen als staatlich geförderte Freiwilligenarbeit im Ausland zu suchen. Das dürfte in der Schweiz nicht anders sein. Auch global ist Voluntourismus oder Volunteering zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Man kann heute von einem Umsatz von mehreren Milliarden Franken jährlich ausgehen.

An wen richten sich die Angebote?
Vorerst konzentrieren wir uns auf Schweizer Individualgäste, die sich für die Menschen und das Leben in den Bergen interessieren.

Im Pilotprojekt sind derzeit nur drei Angebote bzw. Anbieter zu finden. Wird das noch ausgebaut?
Wir warten ab, wie sich das Pilotprojekt entwickelt. Aber wir können uns gut vorstellen, das Angebot zu erweitern und in Zukunft auch im Ausland aktiv anzubieten.

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Monique Wittwer, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 31.07.2017, 06:00 Uhr

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