«Der Bart gehört zu mir, die längeren Haare zur Rolle»: Im Musical Alperose 2012 hat Marc Dietrich die Lust wiederentdeckt, auf der Bühne zu stehen.

Der Marc – und ewig lockt die Bühne

Marc Dietrich zieht es wieder ins Rampenlicht. Der Tenor des Trios Peter, Sue & Marc wird als Herr Lieberherr in der Neuauflage von «Ewigi Liebi» auftreten.

Er war «der Marc». Der von Peter, Sue & Marc. Marc Dietrich (68) gehört zu den erfolgreicheren Musikern der Schweiz. Rund eine Million Tonträger hat das Trio Peter, Sue & Marc verkauft und über 1000 Konzerte gegeben. 35 Jahre nach seinem letzten Bühnenauftritt kennt man Marc Dietrich noch immer – auch wenn ein paar Kilos und einiges an Lebenserfahrungen hinzugekommen sind. Man kennt noch seine freche Zahnlücke und vor allem: Man hat seine Stimme noch im Ohr. Vielleicht, weil das Gehirn dazu neigt, Gerüche und Töne besser zu speichern als Hochzeitstage und Französischvokabeln. Vielleicht aber auch, weil Marc Dietrichs Stimme so unverwechselbar war und – geben wir es zu – so schön.

Marc Dietrich, was motiviert Sie, mit bald 70 wieder aufzutreten?
Den Weg zurück auf die Bühne habe ich ja schon 2012 beim Musical «Alperose» gefunden. Da habe ich gemerkt, dass ich halt immer noch ein wenig eine Rampensau bin. Es zieht mich einfach auf die Bühne. Ich glaube, es ist vor allem die Freude, mich wieder in dieser Welt der Show zu bewegen.

Ihre Stimme war das Markenzeichen des Trios. Wird sie auch das Markenzeichen von «Ewigi Liebi» werden?
Nein, das nicht. Meine Stimme hat in den letzten Jahrzehnten gelitten. Wenn ich mir selber zuhöre, wie ich vor 30 Jahren mit meiner Glanztenorstimme singen konnte, kann ich es fast nicht glauben. Das schaffe ich nicht mehr, schon gar nicht in der Tonhöhe, aber auch nicht mehr in dieser Qualität. Ich weiss schon, wo ich stehe – am Abend meines Lebens. Ich singe auch nur ein Lied im Musical. Und das reicht mir. Ich muss es ja zwei, drei Monate spielen.

Der neckische Schnauz von früher ist zu einem Vollbart ausgewachsen. Gehört der zu Marc Dietrich oder zur Rolle des Herrn Lieberherr in «Ewigi Liebi»?
Der gehört seit «1476 – die Schlacht bei Murten» zu mir. Ich spielte damals eine etwas traurige Figur, den Wilhelm. Zu ihm gehörte der Bart. Seither habe ich ihn stehen lassen. Was hingegen zur Rolle des Herrn Lieberherr gehört, sind die längeren Haare. Ich spiele lieber mit den eigenen langen Haaren als mit einer Perücke. Es ist ein bisschen wie in meiner Jugendzeit, da trug ich meine Frisur auch gerne länger.

Das Trio Peter, Sue & Marc gibt es seit 36 Jahren nicht mehr. Und trotzdem kennt man es noch. Wie kommt das?
Dass wir nach so langer Zeit noch im Bewusstsein der Menschen sind, zeigt, dass wir damals vermutlich ganz viel richtig gemacht haben. Ich glaube, es ist die Qualität der Musik und die Eingängigkeit der Melodien von Peter Reber. Er ist ein grandioser Komponist und Produzent. Dank ihm haben wir Ohrwürmer geschaffen, die bis heute in Erinnerung sind – und damit auch wir als Trio.

Haben Ihnen die 13 Jahre Peter, Sue & Marc für Ihr Leben danach geholfen oder waren sie eher eine Hypothek?
Geholfen. Eindeutig. Ich kann von mir sagen, dass ich ein Sonnenkind bin. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man gesund ist. Und ich habe dieses Glück. Ich denke, dass ich heute so gut durchs Leben komme, weil ich diese Karriere machen durfte – wobei niemand weiss, wie es wäre, wenn ich diese Karriere nicht gemacht hätte.

Marc Dietrich war auch nach dem Ende von Peter, Sue & Marc immer wieder für eine Schlagzeile gut: als gescheiterter Weinhändler, als Burnout-Patient, als ungewollter Vater, als Strassenwischer. Konnten oder wollten Sie diese Schlagzeilen nicht verhindern?
Die Schlagzeilen sind passiert, weil ich auch nach dem Karriereende von Peter, Sue & Marc im Blickfeld der Medien war. Die Geschichte mit dem Strassenwischer war sehr eindrücklich. Mir ging es damals nicht gut, aber gut genug, dass ich mich darüber aufregen konnte, wenn die Leute Dinge einfach achtlos wegwarfen. Da bin ich von mir aus auf die Strasse gegangen und habe Abfall eingesammelt. Das erreichte sogar die damalige Berner Gemeinderätin Regula Rytz, die mich unter Vertrag nahm.

«

Ich bin zufrieden. Ich habe probiert, nichts auszulassen.»

Sie waren damit der erste Littering-Botschafter?
Ich bin zweimal drei Monate lang auf die Gasse gegangen und habe die Leute angesprochen, die Abfall achtlos liegen liessen. Da habe ich natürlich, sagen wir mal: verschiedene Antworten erhalten. Es war eine gute Erfahrung für mich und hat mir Spass gemacht. Im Rückblick ging es mir eigentlich gar nie so schlecht, wie man manchmal lesen konnte – ausser vielleicht nach dem Herzinfarkt.

Leben Sie gesund?
Puhh. Schwierige Frage. Jein. 100 Prozent gesund lebe ich sicher nicht. Aber ich achte aufs Essen, nehme mal einen Salat statt eine schwere Mahlzeit mit Sösseli. Vor 12 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Das war gut für mich. Übrigens, zum Thema gesund oder nicht gesund essen, will ich ganz klar definieren: Den Wein zähle ich zu den gesunden Dingen. Es ist ja alles eine Frage des Masses.

Das haben Sie in Ihrem Leben nicht immer berücksichtigt.
Sie meinen das mit meiner Weinhandlung? Es ist natürlich vor allem ein Kalauer, dass ich die Weinhandlung aufgegeben hätte, als ich selber mein bester Kunde geworden sei. Aber es ist nicht ganz falsch. Ich sprach dem Wein damals stärker zu, als für die Gesundheit gut war. Wenn ich so weitergefahren wäre, stünde ich jetzt vermutlich nicht auf der Bühne von «Ewigi Liebi».

Sie galten als Rampensau, aber auch als feinfühliger, sensibler Mensch und Musiker. Was sind Sie heute?
Noch immer beides. Ich liebe den Auftritt auf der Bühne, und ich bin nah am Wasser gebaut. Ich war auch im Trio der Animator auf der Bühne und derjenige, der morgens um fünf Uhr als Letzter ins Hotel fand.

Sie sagten einmal über sich selber, dass Sie mit Vollgas durch Leben gerast seien. Ist daraus ein zufriedener Rentner geworden?
(Lacht) Ich habe probiert, nichts auszulassen. Aber ja, ich bin zufrieden. Ich bin gesund, lebe mit meiner dritten Frau glücklich in Bern und habe drei Kinder, auf die ich stolz bin.

Wenn Sie Ihr bisheriges Leben zurückspulen könnten wie eine alte Kassette: An welcher Stelle würden Sie wieder einsteigen?
Bei der Geburt. Es gibt nichts, was ich missen möchte.

Warum soll man «Ewigi Liebi» anschauen?
Weil es eine lustige Geschichte ist, gut inszeniert, mit vielen Schweizer Liedern und Themen. Wer, wie ich, Musicalfan ist, wird seine Freude daran haben.

«Ewigi Liebi» hat viele Fans, die das Stück 20 oder 30 Mal oder noch öfter gesehen haben. Werden die das Gleiche bekommen wie vor fünf Jahren?
Die Inszenierung ist auch zwischen 2007 und 2012 immer wieder verändert und ergänzt worden. So ist es auch jetzt. Im Gesamten wird es aber die vertraute Ausgabe von «Ewigi Liebi» sein.

Marc Dietrich bei der Kostümprobe. Er spielt die Rolle des Herrn Lieberherr im Musical «Ewigi Liebi».

Marc Dietrich bei der Kostümprobe. Er spielt die Rolle des Herrn Lieberherr im Musical «Ewigi Liebi».
http://www.coopzeitung.ch/Der+Marc+_+und+ewig+lockt+die+Buehne Marc Dietrich bei der Kostümprobe. Er spielt die Rolle des Herrn Lieberherr im Musical «Ewigi Liebi».

Als das Musical «Ewigi Liebi» im September 2007 in der Maag Halle in Zürich uraufgeführt wurde, planten die Macher eine Spielzeit von zwei Monaten. Es kam anders. Nach 18 Verlängerungen und 906 Vorstellungen fiel der letzte Vorhang erst im Juni 2012.

Nun kommt das Erfolgsmusical zu seinem 10. Geburtstag nochmals auf die Bühne. Vom 2. März bis 14. Mai sind gut 50 Vorstellungen in der Maag Music Hall geplant.

Tickets für «Ewigi Liebi»

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