Der Ordner 2038

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Schreiber: Ich lege mir einen Ordner in meinem Computer an und beschrifte diesen mit einer Zahl: 2038. Menschenskinder, liegt das weit weg! Zwanzig Jahre.

Ist die Idee einer lieben Freundin von mir: Heute schon die kniffligen, heiklen Themen ansprechen, die sich uns im Alter stellen könnten.

Zum Beispiel in Sachen Auto. Ich notiere: «Rechtzeitig nach einem General-Abo erkundigen. Du fährst längst nicht mehr so gut, wie du glaubst.» Hoffe, dass die SBB das Abo dann noch im Angebot haben.

«

Ich will eine lustige Alte sein. Und etwas wild!»

Weiter gehts: «Verstehe ich meine Kinder nicht mehr so gut, kaufe ich mir ein Hörgerät. Sofort. Und benutze es auch!»

Zudem: «Kapiere ich das Digitalzeugs nicht mehr, besuche ich Kurse. Ich kaufe nur Geräte, die mir meine Kinder empfehlen.»

Wichtiger Punkt: «Ich erkundige mich bei meinen Kindern, wie es ihnen geht und rede nicht die ganze Zeit von mir selbst. Und kein Gejammer!»

Letzter Eintrag für heute: «Ich will eine lustige und freundliche Alte sein. Und etwas wild!»

Wenn Schneider nach Hause kommt, werde ich ihm meine Notizen zeigen. Er soll nämlich auch einen solchen Ordner anlegen. Eine Art Vorsorge, quasi unsere vierte Säule. Denn lustig, freundlich und wild werden, das will ich ja vor allem mit ihm.

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Schneider: Unsere Teenager haben sich nach oben in ihre Zimmer verzogen, wir bleiben unten allein zurück. Schreiber schleppt mich vor ihren Computer und öffnet ein Dokument auf dem Schirm: «Bitte lesen», sagt sie freundlich.

Ich lese: «Putzen: Wenn die Kinder sagen, der Lappen in der Küche rieche muffig, dann schmeisse ich ihn weg.»

«Riechst du nicht mehr gut?», frage ich.

«

Offen, interessiert, gepflegt: So will ich sein.»

«Doch», antwortet sie und erklärt mir, worum es geht: Wir sollten jetzt schon die Fragen beantworten, die sich uns im Alter stellen könnten. «Wir schicken eine Rohrpost in unsere Zukunft», sagt sie und will wissen: «Was hast du denn für Vorschläge an dich fürs Alter?»

Mir fällt ein, gehört zu haben, alte Menschen könnten sich nicht mehr verändern. Ob das stimmt? Ich denke an ältere Männer, die mir gefallen. Die sind wach und neugierig, sie sind Geniesser und haben die Ruhe weg. Waren die schon immer so? Oder sind sie das im Alter geworden?

Ich denke nach, notiere etwas und lese es Schreiber laut vor: «Im Alter will ich so sein: Ein Interessierter. Ein Gepflegter. Ein Offener. Ein Nachsichtiger. Ein Lustiger. Ein Zärtlicher.»

Schreiber lächelt: «Perfekt! Von mir aus kannst du gleich damit anfangen, alt zu sein.»

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 26.12.2017, 09:47 Uhr

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