Die Prognosen von Thomas Bucheli und seinem Team erreichen täglich ein Millionenpublikum.

Der Prophet

Heiter bis wolkig: Am 31. August 2017 feiert «Meteo» sein 25-Jahr-Jubiläum und seit 10 Jahren wettert Thomas Bucheli (56) vom Dach des SRF-Hochhauses zur Nation.

«Es wird mir nie langweilig, übers Wetter zu reden.»

«Es wird mir nie langweilig, übers Wetter zu reden.»
http://www.coopzeitung.ch/Der+Prophet «Es wird mir nie langweilig, übers Wetter zu reden.»

Die Aussentreppe, die uns nach einem Spaziergang  durchs SRF-Gebäude aufs Meteo-Dach führt, ist steil – die Stufen aus Metall. Wahrscheinlich rutschig, wenn es regnet. Nur ganz auserwählte Personen dürfen hier nach oben. Wir fühlen uns geehrt – die Aussicht ist grandios.

Thomas Bucheli, reden wir übers Wetter.
Darum sind wir hier.

Schön heute, nicht?
Wunderbar.

Haben Sie das so vorausgesagt?
Die Bewölkung hat sich rascher gelichtet, aber der Trend war klar. Ich bin zufrieden.

Wie hoch ist die Trefferquote Ihrer Prognosen?
Die Trefferquote für den nächsten Tag liegt bei uns deutlich über 90 Prozent. Da hat die Meteorologie in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht. Die Genauigkeit, mit der wir heute die nächsten vier Tage vorhersagen können, hatten wir vor 30 Jahren gerade mal für den nächsten Tag.

Liegt das an den genaueren Messinstrumenten?
Vor allem an den Satelliten. Diese verfügen heute über Sensoren, die das System Erde/Atmosphäre und dessen Ist-Zustand unglaublich exakt vermessen können. Und natürlich auch die neuste Computertechnologie, die diese sehr komplexen physikalischen Berechnungen durchführen kann. Das sind Rechencomputer, die mehrere Tausend Billionen Operationen pro Sekunde verarbeiten können.

Gibts Reaktionen der Zuschauer, wenn Prognosen nicht stimmen?
Meistens auf Langzeitprognosen für spezielle Tage, wie beispielsweise das Pfingstwochenende, die vielleicht noch unsicher sind. Wobei die positiven Reaktionen deutlich überwiegen.

Warum reden die Menschen so gerne übers Wetter?
Es bietet sich halt an, weil es uns stetig begleitet. Zudem ist es für viele ein wichtiger Faktor fürs eigene Wohlbefinden. Hinzu kommt, dass die Menschen in unserem Land meist sehr gut über das Wetter Bescheid wissen.

Eine Eigenart der Schweizer?
Nein, das ist überall so, wo eine Wetterdynamik herrscht – also wechselhaftes Wetter. Andersherum besteht in Ländern, die übers Jahr verteilt vielleicht nur zehn Regentage haben, kein Anlass, ständig übers Wetter zu philosophieren.

Welche Wetterlage ist am schwierigsten zu prognostizieren?
Mit ihrem plötzlichen Auftreten stellen uns Gewitter sicher vor eine grössere Herausforderung. Aber auch vergleichsweise langweilige Wetterlagen wie Hochnebel, der ja im Herbst wieder aktuell wird, haben ihre Tücken.

Warum?
Weil dieser ein topografisches Eigenleben führt. Der Hochnebel bildet sich in den unteren Schichten – quasi abgekoppelt von der Grosswetterlage. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir Meteorologen zwar an vorderster Front sind, dahinter aber ein weltweites Heer an Technikern, Physikern, Informatikern, Forschern und Entwicklern daran arbeitet, dass wir unsere Prognosen immer detaillierter erstellen können.

«

Es wird generell wärmer. Dafür gibt es viele Anzeichen.»

Dieser Sommer war und ist extrem trocken. Auf was ist das zurückzuführen?
Er war nicht nur trocken, sondern auch recht heiss. Speziell der Juni brach so einige Hitzerekorde. Auch hatten wir viele Hoch- und Südwestlagen, die zum Teil verheerende Gewitter brachten. Doch warum das so war? Ich nehme an, Sie sprechen den Klimawandel an  ...

... den man nicht leugnen kann.
Es wäre vermessen, den diesjährigen Sommer nur dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben. Grundsätzlich hat das Wetter eine gewisse Variabilität. Da kann ein Sommer mal so und mal so sein. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, muss man aber davon ausgehen, dass hier die globale Erwärmung eine Rolle spielt.

Und diese existiert tatsächlich?
Die ist messbar, ist berechenbar. Wir wissen: Es wird generell wärmer – vor allem in der nördlichen Hemisphäre. Dafür gibt es unzählige Anzeichen, wie zum Beispiel die Gletscherschmelze oder gewisse Pflanzen, die früher blühen. Aber eben, dabei sprechen wir von Beobachtungen über einen längeren Zeitraum.

Aber ist es nicht vermessen, von einem längeren Zeitraum zu sprechen, wenn die Erde 4,6 Milliarden Jahre alt ist, während die systematische Erfassung von Wetterdaten erst seit 1781 betrieben wird? Ist es nicht so, dass es globale Erwärmungen immer wieder gegeben hat?
Anhand von Baumringen, alten Gletscherständen und vielen anderen historischen Daten haben wir die Möglichkeit, sehr weit in die Vergangenheit zurückzublicken. Wir wissen, dass es Eiszeiten gab, und dass es in den letzten 10 000 Jahren immer wieder markante Temperaturunterschiede gab. Die Frage ist: Warum schreitet die globale Erwärmung in den letzten 200 Jahren so rasch voran?

Wegen uns Menschen.
Genau. Denn die Sonne allein ist nicht schuld, diese ist seit der letzten kleinen Eiszeit nur unwesentlich stärker geworden. Die Kontinentalverschiebung spielt in dieser kurzen Phase keine Rolle und auch die Gebirgsfaltung oder die Meeresströme nicht. Es gibt also nur einen plausiblen Grund, warum die Temperatur seit der letzten kleinen Eiszeit so markant angestiegen ist: die Treibhausgase CO2, Methan und Stickoxid.

Die Schweiz muss also Angst um ihre Skigebiete haben.
Für tief gelegene Wintersportgebiete wird es problematisch werden.

In Russland werden an Feiertagen mit Chemikalien gefüllte Raketen in die Wolken geschossen, um diese aufzulösen. Wie weit kann der Mensch das Wetter beeinflussen?
Auch im Toggenburg oder in der Genferseeregion versucht man mit Chemikalien starke Hagelwolken aufzulösen. Die Erfolgsquote ist aber nur schwer messbar. Und wenn es wirklich möglich wäre, das Wetter entscheidend zu beeinflussen, hätten das die Amerikaner zwecks Abwehr ihrer Hurricanes und Tornados schon längst gemacht.

Wollten Sie schon immer Meteorologe werden?
Eigentlich nicht. Was ich relativ früh hatte, war eine Affinität zu den Naturwissenschaften. Schon als kleiner Knopf haben mich all diese Wissensbücher extrem fasziniert. Von Beruf wollte ich aber Pilot werden.

Was kam dazwischen?
Ich habe die fliegerische Vorschulung absolviert und das Brevet bestanden. Das war damals vom Bund finanziert, wenn man sich in der RS als Militärpilot beworben hatte.

Sie wollten Militärpilot werden?
Ja, ich ging als Pilotenanwärter in die Rekrutenschule. Nach zwölf Wochen bemerkte ich aber, dass sich meine Interessen geändert hatten und ich auch an meine Leistungsgrenzen stiess. Da beschloss ich, das Ganze abzubrechen – zum Entsetzen meines Vaters. Danach ging ich an die ETH und studierte Atmosphärenphysik, Klimatologie und Meteorologie.

Das tönt unglaublich kompliziert und anspruchsvoll.
Es muss Spass machen. Ich habe es gern gemacht.

Wird es nie langweilig, jeden Tag übers Wetter zu reden?
Auch in der Freizeit werden mein Team und ich ständig aufs Wetter angesprochen. Das ist ein wichtiger Teil des Jobs, wir predigen das Wetter nicht nur vom Dach hinunter, sondern tauschen uns ständig mit dem Publikum aus. Mit anderen Worten: Nein, es wird mir nie langweilig, übers Wetter zu reden.

Ihr Lieblingswetter?
Das, das ich richtig vorausgesagt habe (lacht).

  

Mehrfach ausgezeichnet

Mit ihren 14 Mitarbeitenden ist die Wetterredaktion von SRF ein erfolgreiches kleines Unternehmen im Unternehmen des Schweizer Fernsehens. Die Live-Sendung vom Dach des SRF-Hochhauses ist einzigartig auf der ganzen Welt. Für dieses Konzept ist «Meteo» bereits mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden.

Mehr Infos über Thomas Bucheli

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