Auf der Sonnenseite des Weinbergs: Silvio Denz vor dem Weinkeller von Château Faugères. In dem imposanten Bau von Stararchitekt Mario Botta finden sowohl Weinherstellung als auch Degustationen statt.

Der Rastlose: Von Leidenschaft getrieben

In der Regel plant Silvio Denz seine Termine maximal zwei Wochen im Voraus. Nur wenn Elton John oder die Coop-Weinmesse rufen, macht er gerne mal eine Ausnahme.

Wie, keine Assistentin? Ungläubig blicke ich in das braun gebrannte Gesicht von einem der 300 reichsten Schweizer. «Dadurch, dass ich fast täglich an einem anderen Ort bin, wäre das unpraktisch und ineffizient», begründet Silvio Denz (58) seinen Entschluss gegen eine Sekretärin. So spare er Zeit – vor allem, wenn es um sein Wein-Imperium geht: «Ich bin wesentlich schneller, wenn ich nichts erklären muss», sagt der Schweizer, der sein Vermögen unter anderem mit dem Verkauf seiner Parfümeriekette im Jahr 2000 gemacht hat.

 
Jede Woche die neusten Themen im Newsletter! Hier abonnieren »
 

Allüren? Fehlanzeige!

Theoretisch könnte sich Silvio Denz längst zurücklehnen und den Blick über seine insgesamt sieben Weingüter in Spanien, Italien und Frankreich schweifen lassen. Doch die Rolle des Faulpelzes liegt ihm nicht. «Mein Bruder Martin nennt mich gerne einen Getriebenen», sagt Denz lachend. «Doch sowohl mein Kopf wie auch mein Körper verlangen nach ständiger Bewegung.» Drei Tage ohne Sport? «Dann werde ich nervös», erzählt der Besitzer von Château Faugères in Saint-Emilion im Bordeaux. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb er jeweils im Herbst die Ärmel hochkrempelt und schnellen Schrittes durch den 100 Hektar grossen Rebberg stiefelt: «Mir ist es wichtig, dass mich mein Team spürt.» Auch wenn das in Frankreich zunächst für Irritationen gesorgt hat. «Hier herrschen klare Hierarchien. Daher ist es eher ungewöhnlich, dass der Patron bei der Traubenernte mitanpackt.» Sein Engagement im Weinberg bringe jedoch nur Vorteile mit sich: eine grös-sere Motivation und Genauigkeit, die für die Produktion seiner drei Grands Crus Classés wichtig sind.
Mit den strengen Richtlinien der Bordeaux-Gegend («künstliche Bewässerung ist verboten!») war Silvio Denz nicht immer vertraut. Wen wunderts: «In jungen Jahren habe ich in den USA mal in einer Brauerei gearbeitet. Logisch, dass ich mich damals ausschliesslich dem Bier verschrieben habe.»


Silvio Denz in den heiligen Hallen von Faugères: «Ich bin mir für keine Arbeit zu schade und will meinen Mitarbeitern Vorbild sein.»

«No risk, no fun»

Theoretisch könnte sich Silvio Denz längst zurücklehnen und den Blick über seine insgesamt sieben Weingüter in Spanien, Italien und Frankreich schweifen lassen. Doch die Rolle des Faulpelzes liegt ihm nicht. «Mein Bruder Martin nennt mich gerne einen Getriebenen», sagt Denz lachend. «Doch sowohl mein Kopf wie auch mein Körper verlangen nach ständiger Bewegung.» Drei Tage ohne Sport? «Dann werde ich nervös», erzählt der Besitzer von Château Faugères in Saint-Emilion im Bordeaux. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb er jeweils im Herbst die Ärmel hochkrempelt und schnellen Schrittes durch den 100 Hektar grossen Rebberg stiefelt: «Mir ist es wichtig, dass mich mein Team spürt.» Auch wenn das in Frankreich zunächst für Irritationen gesorgt hat. «Hier herrschen klare Hierarchien. Daher ist es eher ungewöhnlich, dass der Patron bei der Traubenernte mitanpackt.» Sein Engagement im Weinberg bringe jedoch nur Vorteile mit sich: eine grös-sere Motivation und Genauigkeit, die für die Produktion seiner drei Grands Crus Classés wichtig sind.
Mit den strengen Richtlinien der Bordeaux-Gegend («künstliche Bewässerung ist verboten!») war Silvio Denz nicht immer vertraut. Wen wunderts: «In jungen Jahren habe ich in den USA mal in einer Brauerei gearbeitet. Logisch, dass ich mich damals ausschliesslich dem Bier verschrieben habe.»

Emotionaler Wein

Ganz egal, ob es um seine Erst- oder Zweitweine geht, Denz kann keinen Liebling benennen. «Das ist wie bei Kindern. Man kann nicht sagen, das ist mein liebster Spross», erklärt der Vater eines erwachsenen Sohnes, der ebenfalls im Unternehmen tätig und Weinliebhaber ist. «Natürlich habe ich Claudio zur Geburt vor 27 Jahren ein paar Kisten gekauft, doch geöffnet hat er sie bislang noch nicht.» Das komme ihm irgendwie bekannt vor. «Auch ich habe den Wein meines Vaters nicht angerührt. Vielleicht, weil ich abergläubisch bin», mutmasst der Senior. Doch bei 35 000 Flaschen ist der Sammler auch nicht auf diese eine Kiste seines Jahrgangs angewiesen. «Erst kürzlich habe ich 10 000 Flaschen ins elsässische Wingen-sur-Moder bringen lassen. Dort eröffne ich zusammen mit Sternekoch Jean-Georges Klein im kommenden Monat ein ‹Relais & Châteaux› in der ehemaligen Fabrikantenvilla von René Lalique.» Mit einem Raritätenbestand, der bei Weinliebhabern vor lauter Verzückung zum Herzstillstand führen könnte. «Wir verkaufen einen 1865er Château d’Yquem, der vor allem unsere US-Gäste ansprechen könnte», erzählt der Inhaber von Lalique. Der 150-jährige Süsswein stamme aus genau dem Jahr, in dem der amerikanische Bürgerkrieg zu Ende ging. Dieses geschichtsträchtige Häppchen ist im  Preis von stolzen 28 000 Euro inbegriffen.

Wonnemonat September

Es läuft also rund im Leben von Silvio Denz, der dafür bekannt ist, Mails innert fünf Minuten zu beantworten. So, wie es der Hansdampf in allen Gassen ja eigentlich gerne hat. Nur verstösst er ab und zu gegen sein Credo, Termine nicht länger als zwei Wochen im Voraus zu planen. «Für wichtige Ereignisse mache ich schon mal eine Ausnahme», erklärt er mit einem spitzbübischen Lachen und spielt nebst Weinernte und Restauranteröffnung auf seinen Besuch bei den Coop-Weinmessen an. Als Gastproduzent wolle er so oft wie möglich vor Ort sein, nur am 10. September müsse er definitiv passen. «Dann präsentieren wir mit Elton John unsere Partnerschaft ‹Music is Love›. Neben handsignierten Kristallherzen stellen wir der Presse das Unikat eines Lalique-Engels vor. Dieser wird im Februar während der Oscar-Verleihung versteigert.» Okay, entschuldigt. Denn für einen Besuch beim britischen Superstar – und dem damit verbundenen guten Zweck – würde sicherlich der eine oder andere Messebesucher mit seinen Prinzipien brechen.

Warten lohnt sich!

Château Faugères Saint-Emilion AC Grand Cru Classé, 2014

Intensiv aromatisch mit Noten von Heidelbeeren, Cassis und Toast. Im Gaumen elegant mit frischem Auftakt, saftiger Mitte und blumig-komplexer Aromatik im Abgang. 

Fr. 27.50/75 cl – nur im Karton lieferbar. Jetzt hier vorbestellen und im Frühling 2017 ausgeliefert bekommen.

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Nadine Bauer

Redaktorin

Foto:
RDB/SI/Kurt Reichenbach, zVg
Veröffentlicht:
Montag 24.08.2015, 17:01 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?