Samuel Frick wollte schon von klein auf mit Tieren zu tun haben.

Der Reka-Kutscher von Urnäsch

Bis letztes Jahr war Samuel Frick (61) noch nie in den Ferien. Das wollte er ändern – und flog gleich auf die andere Seite der Erde.

Wir sind auf der Suche nach Samuel Frick, dem Kutscher im Reka-Dorf Urnäsch. Hanskoni Frischknecht, der Chef des Feriendorfes, vermutet ihn im Stall. Und sagt: «Dr Sämi isch es Original und kennt d‘Näme vo übr 3000 Kinder uswändig.» 3000 Namen? Der Wahnsinn!

Dann kommt er. Streckt sogleich die Hand hin. Und nennt seinen Namen: «Ich bi dr Sämi.» Im Stall zeigt er seinen kleinen Zolli und die vielen Tiere, zu denen auch drei Rösser und zwei Ponys gehören. Für die kleinen Feriengäste, die Tiere lieben, ist hier das Paradies auf Erden. Dankbar schreiben sie Sämi nach den Ferien in ihren Briefen, wie einmalig die Tage in Urnäsch waren. An einer Wand hängen viele Huldigungen, meist begleitet von bunten Zeichnungen. Ein Kind schwärmt: «Es waren die schönsten Ferien, die ich je hatte.» Ein anderes Mädchen dankt dem Sämi für die tolle Pferdewoche: «Ich wäre gerne ein paar Wochen mehr geblieben. Ich erinnere mich noch lange an die schönen Kutschenfahrten.»

Auch Samuel Frick sind viele Erlebnisse unvergesslich geblieben. Immer wieder kommen ganz schüchterne Kinder zu ihm in den Stall, die sich kaum etwas getrauen. Frick fragt dann, wie sie heissen. Spricht er sie wenig später mit ihrem Namen an, schafft das Vertrauen. Nach einer Woche sind die Eltern nicht selten erstaunt, dass ihre sonst doch so schüchternen Kinder plötzlich um ein Vielfaches aufgeweckter sind als zu Beginn der Ferien. Dass der 61-Jährige weiss, wie man mit Kindern umgeht, ist allerdings wenig verwunderlich: Er hat sieben Kinder und 20 Enkelkinder. «Sie schauen gerne bei mir im Stall vorbei.»

Lange Sommertage auf der Alp

Samuel Frick ist in Urnäsch geboren und hat hier sein ganzes Leben verbracht. Seine Eltern waren Landwirte, er selber half von klein auf mit. Besonders schön fand er die langen Sommertage auf der Alp, wo die Treicheln der Kühe nonstop bimmelten – eine wunderbare Geräuschkulisse, wie Frick findet. Die Familie lebte ohne Strom auf der Alp, ohne Fernseher. «Weil wir dort oben auch kein fliessendes Wasser hatten, mussten wir es draussen im Brunnen holen.»

Es war für ihn nie ein Thema, dass er etwas anderes macht «als zu bauern», wie er es nennt. Vor allem die Arbeit mit den Tieren gefiel ihm. Deshalb war es für ihn auch klar, dass er die RS als Trainrekrut – also bei den Truppen mit den Tragtieren – absolviert. Dort kaufte er sich zum Vorzugspreis von 4500 Franken Mädi, ein schönes Ross, mit dem er in den folgenden Jahren auch die Wiederholungskurse besuchte. Dabei erhielten Ross und Reiter je einen Marschbefehl: «Ich dachte jedes Mal, wenn es wieder so weit war: Jetzt gehe ich in die Ferien.»

Mit 22 Jahren heiratete er eine Appenzellerin, die er beim für die Region typischen «Chlause» an Silvester kennengelernt hatte. Die beiden übernahmen von seinen Eltern den Bauernbetrieb «Waisenhaus» in Urnäsch. Drei Jahrzehnte lang kümmerten sie sich um den Bauernhof, zu dem auch drei Alpen gehörten. Dann, vor bald zehn Jahren, machte er dasselbe wie seine Eltern und gab den Bauernhof frühzeitig an einen seiner Söhne ab: «Es ist doch so schön, dass einer weitermachen will. Bauern muss man, wenn man jung ist.» Wenn Not am Mann ist, hilft Samuel Frick gerne aus.
Langweilig wird ihm jedenfalls auch ohne Bauernhof nicht. «Ich tanze auf mehreren Hochzeiten», sagt er. Nebst der Arbeit im Reka-Dorf bietet er historische Postkutschenfahrten über die Schwägalp an. Er schnitzt gerne und stellt dabei ganze Alpaufzüge aus Holz nach. Ein Büchlein hat er auch noch herausgegeben: «Im Reka-Stall Urnäsch». Die Auflage von 3000 Exemplaren wird bald vergriffen sein. Dabei erzählt er, wie sehr ihn die Arbeit im Stall mit all den Hasen, Hühnern, Ziegen und Reittieren auf Trab hält.

31 Stunden im Flugzeug

Es ist ein einfaches, genügsames Leben, das «dr Sämi» von Urnäsch im Appenzellerland führt. Wobei – einmal hat er es so richtig krachen lassen und den gewohnten Gang durchbrochen. Bis im vergangenen Jahr war er weder in den Ferien noch jemals mit einem Flugzeug unterwegs gewesen. Ebenso wenig hatte er das Meer gesehen. Dann flog er ausgerechnet nach Neuseeland, um seine Schwester, die dorthin ausgewandert war, zu besuchen. 26 Stunden sass er im Flugzeug. Und wollte unbedingt einmal ans Meer. Im Reisebüro schlug man ihm die Fidschi-Inseln vor. Um dorthin zu gelangen, musste er mit seiner Frau nochmals fünf Stunden fliegen.

Als Frick sich auf dem Eiland dem Hotel näherte, hörte er eine Stimme, die von der Veranda herunter rief: «Das gibts ja nicht: Dr Sämi uff de Fidschi!» Ein alter Bekannter, den er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, war ebenfalls dort auf der Insel in den Ferien. «Zufälle gibts», wundert sich Frick noch heute. Nach fünf Tagen hatte er es dann gesehen. «Es war eine schöne Erfahrung», sagt er, «trotzdem freute ich mich wieder sehr auf Urnäsch.» Und die Kinder sich auf ihn. So wie das kleine Mädchen, das in diesem Moment fragt: «Sämi, bisch nochhär au no im Stall?»

 

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