Im Maipo Valley südlich der Hauptstadt Santiago sind die Anden allgegenwärtig. Hier wächst vor allem Cabernet Sauvignon.

Weinland Chile: Der Segen der Isolation

Durch Gebirge, Wüste und Meer vom übrigen Kontinent abgeschirmt, liegt Chile in Südamerika. Das war zunächst Fluch, stellte sich dann als Segen heraus.

Wenn es um Wein geht, hat es der liebe Gott gut gemeint mit Chile, dem Land, das auf der Landkarte seltsam aussieht: Ein schmaler Küstenstreifen erstreckt sich von der Mitte Südamerikas 4300 Kilometer lang den Kontinent hinunter  bis ans Kap Horn. Im Norden liegt die trockene Atacama-Wüste, im Süden sind Patagonien und Feuerland, kalte, zum Teil arktische Regionen. Und im Osten grenzt die über 6000 Meter hohe Andenkette mit ihren schneebedeckten Vulkangipfeln das Land ab. 

In der Mitte Chiles aber herrscht ein ideales Klima für Weinbau. In den regenarmen Sommern scheint hier tagsüber die Sonne mit voller Kraft auf die Früchte, die zum Teil in Lagen von 1000 Metern über Meer gedeihen. Nachts sorgen kühle Winde vom Pazifik dafür, dass die Trauben abkühlen. Tannine und Aromen haben damit Zeit, gleichzeitig heranzureifen. So entsteht eine stimmige, runde, harmonische Note. 

Sauberste Luft weltweit

Zudem ist in Chile die Luft ausserordentlich rein – nicht umsonst stehen in Chile die meisten Teleskopanlagen der Welt. Diese saubere Luft tut auch den Trauben gut. Die Früchte bringen ein reines, direktes und intensives Aroma in den Wein – vor allem rote Sorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot oder Carménère profitieren davon.

Dass Chile für Weinbau ideal ist, fanden die Spanier früh heraus: Im 16. Jahrhundert brachten sie Weinreben ins Land. Trotz der abgeschiedenen Lage, die den Transport schwierig machte, war die Weinproduktion so hoch, dass die Spanier sich mit Schutzzöllen vor der chilenischen Konkurrenz zu schützen versuchten – meist ohne Erfolg. Nach der Unabhängigkeit des Landes 1818 holten die Chilenen versierte Experten ins Land, die ihre Weinwirtschaft modernisieren sollten. Dadurch gelangten europäische Rebstöcke nach Chile – bevor in Europa die Reblaus und der Echte Mehltau die Ernten auf Jahrzehnte hinaus dezimierten – ein Segen für den chilenischen Wein: Wegen der  geografischen Isolation sowie den klimatischen Voraussetzungen haben diese Schädlinge Chile als einziges Land weltweit verschont. 

Rasanter Aufstieg

Nach zahlreichen politischen Wirrungen samt Enteignungen und Pinochet-Diktatur lag der Weinbau in Chile in den 1980er-Jahren am Boden und wurde erst mit der Wiedereinführung der Demokratie wiederbelebt. Der Aufstieg ist seitdem rasant. Nicht nur die «alten» Weinanbaugebiete wurden wieder neu bewirtschaftet, auch neue wurden erschlossen. So wachsen heute in noch südlicheren und etwas kühleren Regionen Trauben für sehr gute spritzige Weissweine mit einem angenehmen Säuregehalt.

In Chile mit Schmelzwasser

Die Rebe kommt mit relativ geringen Niederschlagsmengen aus. Etwa 450 Millimeter, also 45 Liter pro Jahr und Quadratmeter, reichen aus, wenn der Rebberg auf einem tiefgründigem Boden steht, der Regen speichern kann. Meistens wachsen Reben jedoch auf relativ flachgründigem Terrain. Da braucht die Rebe bis zu 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr, und das am besten gleichmässig verteilt. In der chilenischen Region Casablanca beläuft sich die Regenmenge im Durchschnitt nur auf 300 Millimeter und in Coquimbo, einer neueren Anbauregion Chiles, gar nur auf 100 Millimeter pro Jahr. Um den fehlenden Niederschlag auszugleichen, wird etwa die Hälfte der Rebfläche Chiles bewässert. Dies stellt kein Problem dar, denn das Schmelzwasser aus den Anden versorgt die Rebberge mit genügend sauberem Wasser.

Jan Schwarzenbach, Önologe

Viña Sutil Reserva Carmenère, 2011

Kräftige, lang anhaltende Aromatik von Tabak und reifen Fruchtnoten, im Gaumen vielschichtig, saftig und kräftig. Zu Grilladen und zum Braten.

Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

Chardonnay Los Vascos Rothschild, 2013

Charaktervoll, mit frischer Säure. Saftige Zitrusfrucht, lebendig, gut ausbalanciert, fülliger Ausklang. Zum Apéro, hellem Fleisch, Fisch, Käse.

Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

Caliterra Tributo Cabernet Sauvignon, 2011

Feine Fruchtsüsse, Kirschen und Brombeeren, klare Beerigkeit, schöne Balance zwischen Fülle und Struktur. Zu Teigwaren und jedem Fleisch.

Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei mondovino oder Coop@Home

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Markus Kohler

Redaktor

Foto:
Alamy, Beatrice Thommen-Stöckli, zVg
Veröffentlicht:
Montag 06.10.2014, 10:13 Uhr

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