Das gleiche Glas für Rot- und Weisswein? Kein Fauxpas, sondern durchaus eine Möglichkeit von Trinkkultur.

Weinland Österreich: Blick in Nachbars Weinberge

Sachertorte, freundliche Menschen, Romy Schneider und neuerdings eine Dame mit Bart und Wienerschnitzel prägen unser Bild von Österreich. Aber da gibt’s mehr. Sensationelle Weine, nämlich. Unsere Nachbarn haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten weinmässig ausserordentlich weiterentwickelt.

Nichts deutete an diesem heissen Sommertag darauf hin, dass gleich der Himmel über der österreichischen Weinwelt einstürzen würde. Doch dann warnte der deutsche Gesundheitsminister am 9. Juli 1985 via Radio dringend vor dem Genuss von Prädikatsweinen aus der Alpenrepublik. Der Rest ging als Glykolskandal in die Geschichte ein: Österreichische Winzer hatten ihre Massenweine mit Frostschutzmittel aufgehübscht und sie vor allem nach Deutschland, aber auch in andere Länder verkauft.

Jetzt, im Rückblick und über ein Vierteljahrhundert später, war der damalige Skandal – man traut es sich kaum zu schreiben – ein Glücksfall. Die Österreicher tauschten Masse gegen Klasse, besannen sich einerseits auf die Verbesserung ihrer autochthonen Rebsorten wie Grüner Veltliner und Zweigelt, aber auch Rotgipfler und Zierfandler (Letzterer hat nichts mit Zinfandel zu tun.) «Andererseits wagten sie auch Versuche mit neuen Traubensorten und Cuvées», weiss Sylvia Berger, Category Managerin Wein bei Coop. Das Resultat sind fruchtig-spritzige Weissweine mit einem hohem Säuregehalt, der ihnen eine knackige Frische verleiht.

Die Österreicher haben beim Grünen Veltliner tatsächlich Mut zur Säure. Und das ist gut so! Wer die Aromen von frischem Obst und Beeren – also Apfel, Aprikose, Ananas, Zitrusfrüchte, Pfirsich, Kirsche, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere – mag, wird die österreichischen Weine mit ihrer erfrischenden Säure schätzen. Ein Vergleich: Waadtländer Chasselas hat 4 bis 5 Gramm Säure pro Liter. Grüner Veltliner kommt gut und gerne auf 6 bis 8 Gramm.

Was ist mit den Roten? «Die erfolgreichste österreichische Rotweinsorte ist der Zweigelt. Dank ihrer Qualität sorgen aber auch Weine der heimischen Rebsorten Blaufränkisch und St. Laurent ausserhalb von Österreich für Furore», sagt Sylvia Berger. Internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot werden gerne für Assemblagen mit heimischen Rebsorten verwendet.

Die grössten Weinbaugebiete unseres Nachbarn ziehen sich vom Nordosten in den Südosten des Landes. «Junge Winzer gehen dort neue Wege», erzählt Sylvia Berger. Einer beschallt seinen Weinkeller gar mit klassischer Musik. «Das ist vielleicht eine verrückte Idee, aber das Beispiel zeigt, dass die Leute innovativ sind und etwas probieren.» Warum aber sollen wir Schweizer überhaupt Weine von jenseits der Grenze trinken? «Wie die Sprache, das Essen oder die Literatur, ist Wein Teil der Kultur eines Landes», sagt die Weinexpertin. «Wer den Nachbarn kennenlernen will, sollte auch seine Weine degustieren.»

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Subskription ist die einmalige Gelegenheit, sich gesuchte Weine eines Jahrgangs zu reservieren. Im Moment werden die besten Weine aus dem Bordeaux, Jahrgang 2013, in Subskription verkauft. Der Wein reift noch im Barrique (Holzfass) auf den Châteaux, wird aber im Herbst/Winter 2014/2015 abgefüllt und danach auf den Markt gebracht. Dann werden die Weine zum Teil gar nicht mehr verfügbar sein oder meist zu einem höheren Preis.

Subskription ist also eine Reservation mit Vorauszahlung. Als Gegenleistung wird der Wein nach der Abfüllung sicher nach Hause geliefert. Das schöne Gefühl, Wein zu erhalten, welcher schon lange bezahlt ist, macht Subskription zum tollen Erlebnis. Subskription ist etwas für Weinfreaks, die gesuchte Bordeaux mögen.

www.mondovino.ch/subskription

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Alamy, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 26.05.2014, 16:04 Uhr

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