Die Bitch vom Pausenplatz

Derbe Sprache aus dem Kinderzimmer: Wann müssen Eltern einschreiten?

Liebe Frau Zimmermann

Seit einiger Zeit höre ich von meiner Tochter (12) immer wieder Ausdrücke wie «Bitch», «Nutte» und Schlimmeres. Ist das bei Jugendlichen nur eine Phase oder ab wann soll oder muss ich einschreiten?

Karin B., Baden AG

  

Nadja Zimmermann, Hello-Family-Bloggerin und Mutter von zwei Kindern

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Liebe Frau B.

Der verbale Umgang unter Jugendlichen ist vielerorts in der Tat haarsträubend. Es handelt sich aber in den meisten Fällen tatsächlich nur um eine unliebsame Phase, aus der die Jugendlichen in der Regel wieder herauswachsen. Ins Leben gerufen wird sie durch Gruppenzwang und der eigenen Unsicherheit im ohnehin schon komplizierten Lebensabschnitt der Adoleszenz. Dabei geht es um Abgrenzung von uns Erwachsenen, aber auch um Abgrenzung von anderen Cliquen. Das Kind passt sich der gruppeninternen Kommunikation an. Die Jugendsprache ist auch eine Art Selbstinszenierung und Selbstbehauptung. Man verschafft sich Gehör und Respekt. Und wir Erwachsene müssen gar nicht erst versuchen, uns mit den manchmal durchaus ungewöhnlichen Äusserungsformen, den vielen Anglizismen oder inhaltsleeren Füllwörtern anzufreunden. Das Phänomen des Jugendjargons ist nichts Neues und es stösst nicht nur in unserer Generation auf Unverständnis. Da hören wir viele Male einfach besser nicht hin.

Vieles, was uns nie über die Lippen käme, fasst das jugendliche Gegenüber auch gar nicht als Beleidigung auf. Die wüsten Worte werden inflationär durch die Räume geworfen und verlieren dadurch ihre Kraft.

Und dennoch: Es scheint mir unerlässlich, dass man das Kind so früh wie möglich dafür sensibilisiert, sich gewählt auszudrücken, es ermutigt, darüber nachzudenken, was es sagt, wie es etwas sagt und wem es das sagt. Und ob es selbst so angesprochen werden möchte. Bezeichnungen wie «Bitch» und «Nutte» zeugen, Coolness hin oder her, von einem grossen Mangel an Anstand und Respekt. Der sich selbstbehauptende und in der Gruppe nicht untergehenwollende Teenager denkt vielleicht nicht selbst über die Bedeutung und Schwere seiner Ausdrücke nach, umso wichtiger ist es, dass die Eltern dem Kind zwar seine Jugendsprache bis zu einem gewissen Grad lassen, aber auch ganz klar Grenzen ziehen, wenn die Ausdrücke ins Bodenlose abdriften.

Um Ihre Frage also zu beantworten: Ja, Sie müssen einschreiten. Je eher, desto besser!

  

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Weitere Tipps von Nadja Zimmermann finden Sie im Hello-Family-Blog.

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Text:
Nadja Zimmermann
Foto:
Getty Images
Veröffentlicht:
Montag 26.02.2018, 10:00 Uhr

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