Die Jungen kommen

Weinbau braucht vorausschauendes Denken. Daher gibt es beim Generationenwechsel kaum grosse Umbrüche. Dennoch wollen junge Schweizer Winzer wie Susi Steiger-Wehrli einiges anders machen.

Sein Vater war noch «Landwirt mit Reben», der seine Trauben in der kleinen Genossenschaft im Dorf kelterte, erzählt Peter Wehrli (63). Als er 1980 in den Betrieb eintrat, setzte er ausschliesslich auf Weinbau – mit Erfolg: Was er nächstes Jahr seinen Kindern übergeben wird, ist ein wirtschaftlich erfolgreiches Gut mit Qualitätsweinen. In mehreren Etappen hatte er die Fläche aufgestockt und den Weinkeller ausgebaut. Zuletzt 2004, als die Zwillinge Susi und Rolf (35) zur Übernahme bereit waren.

Boden und Klima

Im Rebberg ob Küttigen AG: Susi Steiger-Wehrli und Vater Peter Wehrli.

Im Rebberg ob Küttigen AG: Susi Steiger-Wehrli und Vater Peter Wehrli.
http://www.coopzeitung.ch/Die+Jungen+kommen Im Rebberg ob Küttigen AG: Susi Steiger-Wehrli und Vater Peter Wehrli.

Der Generationenwechsel ist also schon lange vorbereitet. Und doch geht es nicht ganz reibungslos, wie bei der Fahrt zum Küttiger Rebberg spürbar wird: Während der Vater, der nebenbei 20 Jahre im Aargauer Grossrat für die SVP politisiert hat, über die teure «Schneckenstrasse» schimpft, verteidigt die Tochter die Investition in den Naturschutz. Im Betrieb gibt es klare Regeln: Susi Steiger-Wehrli ist mit ihrem Ehemann – beide sind gelernte Winzer – für Keller und Rebberg zuständig, ihr Bruder Rolf für Technik, Büro und Verkauf, wobei ihm seine Gattin helfen wird. Zur Abstimmung gibt es jede Woche eine Familiensitzung.

Von ihrer Lehr- und Wanderzeit in anderen Weinbauregionen, etwa Burgund und Südfrankreich, hat Susi Steiger-Wehrli viele Ideen mitgebracht. «Mein Vater schenkte mir extrem viel Vertrauen und liess mich experimentieren», erzählt sie. Umso schwerer ist es für sie, wenn er zuweilen ihre Pläne hinterfragt. Aber sie weiss auch: «Es braucht beides – die Innovation, die wir Jungen manchmal mit etwas Naivität anstreben, und die Wirtschaftlichkeit des Betriebs.»

Der Vater setzte früh auf Rebsorten, die in der Schweiz nicht üblich waren: der im Bordeaux heimische und in Südamerika beliebte Malbec – online erhältlich (Aargau AOC Malbec, Weingut Wehrli 2014, Fr. 29.95/75 cl) – sowie Sauvignon blanc, nicht so ganz einfach zu keltern und in der Ausprägung vom Boden abhängig. «So einen wie den von Küttigen gibt es nirgends auf der Welt», schwärmt Peter Wehrli.

Das Terroir soll in der nächsten Generation eine noch bedeutendere Rolle spielen: «Wir jungen Winzer schauen mehr auf den Boden, auf das lokale Klima und Nachhaltigkeit in der Produktion», betont Susi Steiger-Wehrli, die sich als Vizepräsidentin des Vereins «Junge Schweiz – Neue Winzer» regelmässig mit Berufskollegen austauscht. Pilzresistente Reben – sogenannte interspezifische Sorten wie Solaris – lägen im Trend.

Auch die Kundschaft denke zunehmend ökologisch und kaufe vermehrt Produkte aus der Region, ist Susi Steiger-Wehrli überzeugt. «Keiner kann im Keller zaubern – der Wein wird draussen gemacht», betont sie. «Nur wenn die Traube zum lokalen Klima und zum Boden passt, wird das Produkt perfekt.»

Wehrli Weinbau AG »
  

Weintipp - Salziger Touch

Die Petite Arvine gehört zu meinen absoluten Schweizer Lieblingssorten. Hut ab vor den Winzerinnen und Winzern, die sie in den 1980er-Jahren vor dem Vergessen retteten. Zu den härtesten Zeiten wuchs sie gerade noch auf 14 Hektar. Heute sind es fast 200 Hektar, Tendenz steigend. Das hat sie verdient.

Die Weine aus Petite Arvine sind nicht nur einmalig saftig, rassig und frisch, sie haben auch einen ganz eigenen Charakter. Am Gaumen hinterlassen sie oft einen salzigen Touch. So auch dieses Exemplar der Walliser Vorzeigegenossenschaft Provins: Zitrusfrüchte, Aprikose, Blüten, am Gaumen viel Stoff und eben das berühmte Körnchen Salz. Auch wenn die Schweiz immer noch keinen Meerzugang hat: perfekt zu Hummer,  Crevetten und anderem Meeresgetier.

Valais AOC Petite Arvine, Provins, 2016

http://www.coopzeitung.ch/Die+Jungen+kommen Die Jungen kommen

Preis: Fr. 14.95/75 cl
Herkunft: Schweiz/Wallis
Rebsorte: Petite Arvine
Genussreife: 2018–2021
Erhältlich: in grösseren Coop-Läden

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Martin Winkel

Redaktor

Text:
Martin Winkel / Weintipp: Britta Wiegelmann
Foto:
Daniel Aeschlimann
Veröffentlicht:
Montag 12.03.2018, 09:40 Uhr

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