Die Partyplanerin

Sie: Vor Kurzem haben meine 15-jährige Nichte aus Bayern und unsere Grössere über Partys geredet. Einige brächten sogar Alkohol mit und Zigaretten, voll doof, sagten sie. Ach, und dann hätten auch noch alle ihr Handy dabei. Was man dann da so mache, wollte ich wissen. «Chatten mit denen, die nicht dabei sind.»

Das klingt ja trist!

«

Das klingt ja trist, was die Mädels da erzählen.»

Wenn ich da an meine Teenager-Zeit denke. «Fete» nannten wir Partys damals in München. Zu Futtern gabs Erdnussflipps und getrunken haben wir Spezi. Handys gabs noch gar nicht, dafür spielten wir miteinander. Flaschendrehen. Das war extrem wichtig. Die leere Flasche war unsere Kupplerin: Ich hoffte immer, dass es mich treffen würde, um endlich mal den schönen Philipp küssen zu können. Leider hatte ich nie das Glück, aber so lernte ich schon früh, mit Enttäuschungen umzugehen.
Die Musik war natürlich extrem wichtig. Queen, Stones, Supertramp, Cat Stevens. Denn ohne Musik kein Tanz, ohne Tanz kein Schieber, ohne Schieber kein Gekichere und vor allem kein Geknutsche. Und Geknutsche musste doch an so einer Fete sein.  

Ob ich den Mädels mal zeigen sollte, wie man richtig tolle Feten feiert? Wie man Fahrrad fährt, haben wir ihnen ja auch beigebracht.

Er: Schreiber baut sich vor mir auf: «Ich organisiere eine Party für unsere Teenies.» Ich schlucke. «Meinst du nicht, dass die ihre Partys lieber selber feiern?» «Die feiern nicht, die schauen alle nur in ihr Handy!» Hm. Meine Frau vergisst mal wieder, dass sie nicht mehr die Jüngste ist. Passiert mir auch. Selber merkt man ja nicht, dass man älter wird. Aber in den Augen eines Teenagers sind wir bereits scheintot.

Das kommt aber nicht gut an, wenn ich ihr das so direkt sage. Deshalb versuche ich es anders: «Was hättest du als Jugendliche gedacht, wenn deine Mutter für dich Partys organisiert hätte?»
«Das hat sie gemacht.»

«

Man merkt ja nicht, dass man älter wird.»

Oh, Gott, ich hätte es wissen müssen! Ich habe eine sehr originelle Schwiegermutter, der das zuzutrauen ist. Manchmal befürchte ich, dass Schreiber genauso originell werden könnte.
«Das war dir sicher peinlich, oder?»
«Nein, erst als sie beim Flaschenspiel mitmachen wollte.»
«Das ist nicht wahr!»
«Doch. Aber meine Freunde fanden das total dufte.»
«Dufte?»
«Das heisst cool. Ist gar nicht so schlecht, eine etwas verrückte Mutter zu haben», sagt sie strahlend. Und da wird mir klar, dass sie es wirklich ernst meint mit ihrer Berufung zur Partyplanerin.

 (Coopzeitung Nr. 12/2016) 

Lesungen mit den Kolumnisten: 18. März Bülach; 19. März Klosters.

Infos: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 21.03.2016, 00:00 Uhr

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