Die Ruhe vor dem Sturm

Sie: Es braut sich was zusammen: Über dem Hügel türmen sich dunkle dicke Wolken vor die Abendsonne, erste Böen fegen durch den Garten, im Haus knallen Türen zu. Kawumm! Hoffentlich sind keine Scheiben rausgescheppert. Ich beginne, hastig alle Polster, Tischdecken und Blumenvasen in Sicherheit zu bringen.

 
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Schleppe die Sachen in den Schopf, rufe ins Haus, dass oben noch die Markisen raufgekurbelt werden müssen. Und die Wäsche hängt auch noch draussen! Himmel noch mal, merkt denn hier niemand, dass gleich die Welt untergeht?

«

Merkt denn keiner, dass gleich die Welt untergeht?»

Da fegt ein Windstoss unsere Verandadecken in die Kletterrose. Sie verhaken sich derart in den Dornen, dass ich zur Schere greifen muss. Beim Anblick der zarten, duftenden Blüten beschliesse ich, möglichst viele Sträusse zu binden. Denn dieses Gewitter wird unseren Rosenblütengarten brutal niedermähen. Also Gartenschere her und schnipp, schnapp, schwupp! Alles was blüht, kommt ins Haus und in Sicherheit. Meine Hände schmerzen. Die Rose ist zwar wunderschön, aber auch verflixt stachlig. Tja, nicht immer entspricht das, was man sieht, auch dem, was man bekommt. In Sachen «Hilfe vor dem Sturm» ist es mit Schneider genau gleich – der Typ rührt keinen Finger!

Er: Schreiber macht ein Drama, weil sich eine graue Wolke vor die Sonne schiebt. Sie rennt hektisch im Garten umher und schreit: HOL! MACH! SCHNELL! Man könnte meinen, es käme kein erfrischendes Sommergewitter nach einem heissen Tag, sondern es drohe eine Katastrophe der Gefahrenstufe 11. Sofern es die überhaupt gibt. Ich hingegen bin die Ruhe selbst. Klar, die Kissen können schon rein, die Wäsche auch. Aber deshalb gleich in Panik verfallen wie Schreiber, die atemlos die Beeren aberntet, Tische verschiebt und den Vorhang auf der Terrasse abknotet? Das riesige weisse Tuch ist übrigens eine ihrer Eigenkonstruktionen, die vor zu viel Sonne schützt. Bei Wind aber bläht sich der Vorhang zu einem gigantischen Segel auf, und ich habe schon mal geträumt, dass wir mit unserem Holzhaus auf den Ozean treiben und Schreiber stolz ausruft: «Ohne mein Segel wären wir verloren.»

«

Schreiber macht gleich ein Drama draus.»

Mein erneuter Blick zum Himmel sagt mir aber nun, dass sich die Sache, wie so oft in unserer Gegend, verblasen wird. Da kommt kein Tropfen runter. Um Schreiber zurück auf den Boden der nun nicht so schlimmen Realität zu bringen, schenke ich uns Weisswein ein. So wird sie immerhin von innen nass.

 (Coopzeitung Nr. 28/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.07.2015, 11:56 Uhr

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