Die Stimmung glüht!

Ein Grill erhitzt die Gemüter.

Steven Schneider: Jeder Besuch bei meinen Verwandten im Friaul wird mit einer «grigliata» gefeiert. Das geht so: Mein Zio Renzo kauft ein halbes Schwein, eine halbe Kuh, kiloweise weisse Polenta, er erntet in seinem Gemüsegarten gigantische Zucchetti und Auberginen und haut alles auf seinen Grill. Dieser ist so gross wie unser Küchentisch – und natürlich auch in Italien Ort der guten Gespräche unter Männern. Was mich besonders beeindruckt: Zio Renzo grillt sehr professionell auf einer Edelstahlplatte. Da fallen keine Gemüsestücke in die Glut, da rutscht kein Rippchen durch die Rillen. Bei Renzo brutzelt alles im Öl, gewürzt wird nur mit Knoblauch, Salz und Pfeffer. Er schabt und wendet, ich staune. Das Gemüse wird knusprig und duftet köstlich. Es ist schon so: Renzos silbern schimmernde Sommerküche begeistert mich. Viel mehr als mein alter Grill zu Hause, der mittlerweile wie eine verkohlte Wildsau aussieht: schwarz und fettig. 


«

Die Zeit ist reif für einen richtigen Grill.»

Als mir Zio Renzo zwischen zwei Schlucken Bier eine Scheibe grillierte Aubergine reicht, dazu noch rasch eine Scheibe Brot im Olivenöl anbrutzelt, da wird mir auf einmal klar: Die Zeit ist für mich reif, italienische Grillkunst in die Schweiz mitzunehmen.

Sybil Schreiber: Schneider ist Feuer und Flamme für italienische Gasgrillgeräte: «Wenn es ums Essen geht, sind die Italiener einfach führend.» Ich weiss. Dafür sind sie in anderen Dingen manchmal auch sehr verwirrend. Schneider fragt Zio Renzo nach einem Laden und der kennt den besten Edelstahl-Profigrill-Produzenten in der Nähe: «Kaum 10 Minuten von hier.» Wir fahren los. Ich am Steuer, Zia Ida neben mir, die beiden Herren, die schon einen Aperol Spritz intus haben, sitzen hinten. Nach einer halben Stunde auf der Landstrasse sagt Zia Ida, ich solle rechts abbiegen, da brüllt Renzo: «No!» Ich reisse das Steuer zurück nach links – zack! – ramme beinahe ein anderes Auto, Renzo und Ida streiten sich und ich frage Schneider: «Wo muss ich lang?» «Bleib eisern auf der Spur.» Bloss auf welcher? 


«

Nach links? Nach rechts? Wo muss ich lang?»

Nach 40 Minuten sind wir am Ziel. Ich parke zwischen schäbigen Fabrikhallen. Renzo marschiert auf ein Schaufenster zu, in dem Pizzaöfen für Schnellimbisse angeboten werden.

Er reibt sich die Stirn. Vor einem halben Jahr, womit er wohl ein halbes Jahrhundert meint, sei hier ein Grillgeschäft gewesen. «Macht nichts», sagt er und strahlt, «nur 10 Minuten von hier gibt es noch einen Laden.»

(Coopzeitung Nr. 31/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 26.07.2013, 13:34 Uhr

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