Die Velotortour

Schreiber: Ein neues Teenie-Velo bringt uns auf Touren. Seit Langem unternehmen wir wieder mal als ganze Familie eine Radltour. Ziel ist Schneiders Heimatort, knapp zehn Kilometer entfernt, dort gibts ein trendiges Café. Ich packe Proviant ein, denn auf dem Weg müssen wir Berge bezwingen. Meine Devise: keine Expedition ohne Proviant.

Die erste Steigung im Wald ist happig, selbst mein kleinster Gang ächzt, es geht nicht mehr, ich muss absteigen. Die Mädels auch, nur Schneider eiert weiter rauf. Harter Kerl, bloss nicht schieben! Die Kinder haben Durst, ich biete Cookies an. Dann  keuchen wir im Schritttempo weiter. Auf der Passhöhe klopft mir das Herz bis in die Ohrläppchen.

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Meine Devise: keine Expedition ohne Proviant.»

Schneider schaut grimmig, weil ich Traubenzucker auspacke. Er hat keine Ahnung von Unterzuckerung! Ich gönne mir die doppelte Portion. Als wir nach einer rasanten Rüttel-Talfahrt die zweite Steigung in Angriff nehmen müssen und Schneider selbst von hinten übellaunig aussieht, sage ich: «Fahr doch voraus und bestell schon mal!» Er steigt in die Pedale, zurück bleiben meine Töchter, ich und genügend Traubenzucker.

Als wir völlig fertig im Café ankommen, staune ich: Schneider fehlt – und mir fällt eine Fabel ein.

Schneider:  Schreiber will jede kleine Anstrengung belohnt wissen. Wandern wir in den Flumserbergen und starten auf 425 Meter in Unterterzen, ist sie auf 2020 Meter auf dem Maschgenkamm der Ansicht, einen Nussgipfel verdient zu haben – obgleich wir die 1600 Höhenmeter allein mit Bahnen hinter uns gebracht haben.

Tja, so ist sie. Und deshalb wird auch eine lockere Veloausfahrt mit zwei kurzen Steigungen zur Expedition, auf die man allen möglichen leckeren Proviant mitnehmen muss und auf der man vor lauter Essen kaum vorankommt.

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Der Weg über die Rebberge: ein Irrgang.»

Warte ich dann geduldig, bis die Schoggiguetzli verspiesen sind und sich meine Frau und Töchter gegenseitig versichern, unheimlich Anstrengendes zu unternehmen, kriege ich nur giftige Blicke zugeschickt. Dabei wünschte ich mir bloss etwas mehr männlichen Durchhaltewillen für meine weibliche Nachkommenschaft. Belohnungen muss man sich doch verdienen. Aber Schreiber steht mir dabei im Weg.

Immerhin lassen mich meine Frauen vorausfahren. Ich wähle den Weg über die Rebberge, was sich als Irrgang entpuppt. Als ich im Café eintreffe, sagt Schreiber, statt sich zu freuen, mit süffisantem Lächeln: «Kennst du die Geschichte vom Hasen und der Schildkröte?»

 (Coopzeitung Nr. 46/2016) 

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Spesen einer Ehe»: 17. November Dinnerlesung in Aeschi SO, Gasthof Kreuz; 25. November Langenthal.

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Mittwoch 16.11.2016, 00:19 Uhr

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