Die Welt verändern

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Schneider: Wir fahren auf der Hauptstrasse dem Rhein entlang. Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 80 Stundenkilometer. Woran sich die meisten halten, so wie wir. Manche überholen uns trotzdem wie Wahnsinnige.

Etwas ausserhalb von einem Dorf hängt an einem Baum ein selbst gemachtes Plakat.

«Konntest du das lesen?», fragt Schreiber.

«Irgendetwas von ‹Tiere schützen› oder so», antworte ich.

«Bitte, dreh um. Ich würde es mir gerne noch einmal ansehen», sagt Schreiber.

Wir haben es nicht eilig, also wende ich in einer Parkbucht und nach wenigen Minuten fahren wir erneut am Plakat vorbei, ganz langsam.

«

Sie holt Luft. Ich weiss, was nun kommt.»

Tatsächlich:

Ein von Kinderhand gezeichnetes Tier liegt in einer Blutlache und streckt alle viere von sich, darunter steht in krakeliger Schrift: «Bitte langsam fahren und Tiere schützen!»

«Das berührt mich richtig», sagt Schreiber ernst.

Mich auch. «Wenn es doch nur etwas nützen würde», füge ich mit einem Seufzer an.

«Natürlich tut es das!», empört sich Schreiber. «Das Kind hatte eine Idee, es wurde ernst genommen, es hat sich für Schwache eingesetzt. Das ist stark.» Sie holt Luft, und ich weiss, welcher Satz als Nächstes kommen wird: «Jeder kann die Welt ein kleines bisschen besser machen!»

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Schreiber: Schneider will einfach nicht wahrhaben, dass es total wichtig ist, seine Meinung zu sagen, sich zu wehren, Mitgefühl zu zeigen. «Ich habe mit zwölf einen Brief an den amerikanischen Präsidenten geschrieben, er solle endlich den Vietnamkrieg beenden! Und weisst du, was dann passiert ist?»

Schneider nickt: «Bestimmt ist kurz danach der Vietnamkrieg beendet worden.»

«Genau! Logisch, habe nicht ich den Krieg beendet, aber ich habe mich dafür eingesetzt. Und weisst du was? Das hat mir Mut gemacht.»

«

Es ist total wichtig, sich zu wehren.»

Schneider lächelt und sagt: «Ich habe mit 13 auch einen Brief geschrieben. An Prinzessin Stéphanie von Monaco. Die gefiel mir und ich schlug ihr Folgendes vor: Sie könne vier Wochen bei mir Deutsch lernen, ich würde danach vier Wochen bei ihr im Palast wohnen, um mein Französisch zu verbessern. Ich fand, das sei eine Win-win-Situation für beide.»

«Aber du hast nie wieder was gehört.» 

«Doch, ich habe eine nette Absage per Post gekriegt, mit dem Wappen des Fürsten von Monaco.»

«Und was hat das mit dem Tierplakat zu tun?», frage ich.

«Kinder glauben, die Welt verändern zu können», sagt er. Und schweigt.

«Und dann?», frage ich.

«Dann werden sie erwachsen.»

Schreiber vs. Schneider live auf der Bühne: Hier finden Sie die Daten.

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 02.04.2018, 16:36 Uhr

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