Die coole Mom

Sie: Der Freund unserer Nichte spielt in einer Band, «Insane Betty» nennen sie sich. Als sie bei uns im Ort auftreten, gehen wir als ganze Familie hin: unsere Jüngere, Schneider, ich und unsere bald 15-Jährige, die auch noch ihre Freundinnen mitnimmt. Sie verzieht sich bereits vor dem ersten Takt auf die andere Seite der Menge. Ist wohl cooler, als mit uns Alten zusammen an der Bühne zu johlen, denke ich. Kein Problem, wenn es ihr dort wohler ist. 

 
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Mich beeindruckt vom ersten Ton an, was die Jungs bieten! Musik, die in die Beine geht! Hammer, wie das abgeht, da kann ich nicht still stehen, da muss ich tanzen.

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Hammer, wie das abgeht, da muss ich tanzen.»

Ich ziehe alle Register meines Repertoires, um- schwirre wippend Schneider, der aber die Bühne fixiert und mich total ignoriert. Na, wenigstens ist da noch dieser junge Typ vor mir, der ist topfit, locker und lacht. Er wedelt mit seinen Beinen, dass mir beim Anblick die Kniegelenke rausspringen. Toll! Ich wedle mit, schwinge mit den Hüften und dreh mich wie ein Kreisel. Da entdecke ich unsere ältere Tochter auf der anderen Seite in der Menge. Eine ihrer Freundinnen lacht mir zu, dann flüstert sie unserer Tochter was ins Ohr. Vielleicht, dass ich eine echt coole Mom bin. 

Er: Eltern müssen irgendwann peinlich sein. Das gehört zum normalen Abnabelungsprozess, den Pubertierende durchmachen. Von daher ist es gut, dass Schreiber vor der Bühne Bewegungen macht, die man in vierzig Jahren alten Filmen sehen kann: eine Mischung aus exaltiert und schrullig, auf jeden Fall hochgradig komisch. Ich bin mir von Schreiber einiges gewohnt und stehe das einigermassen unbeschadet durch, indem ich ein wenig auf Distanz gehe. So sollte man keinen Zusammenhang zwischen ihr und mir herstellen. Wobei das auf der Hand liegt, denn wir beide heben im Publikum den Altersdurchschnitt um Jahrzehnte an. 

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Sie spielt ihre Rolle gut: Sie ist voll peinlich.»

Zudem kümmere ich mich um unsere kleinere Tochter: Die ist zwar sehr glücklich an ihrem ersten Rock-Konzert, aber ich muss sie abschirmen, damit sie nicht umgeschubst wird von den wild gewordenen Fans – und von Schreiber. Unsere grössere Tochter geht da schon auf mehr Abstand. Und je heftiger Schreiberaus sich raus geht, umso grösser wird dieser Abstand. Das ist gut. Solche Erlebnisse helfen, dass unsere Tochter ihre Pubertät rascher hinter sich bringt, denn meiner Meinung nach spielt Schreiber ihre Rolle perfekt: Sie ist voll peinlich. Pädagogisch also absolut wertvoll.

 (Coopzeitung Nr. 42/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 12.10.2015, 15:00 Uhr

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