Kennt die Walliser Weinwelt bestens: José Vouillamoz vor dem Schloss Valeria in Sion.

Die einzigartige Walliser Weinwelt

Unter den verschiedenen Rebsorten, die im Wallis gedeihen, gibt es Kostbarkeiten und Raritäten. Rebenspezialist José Vouillamoz verrät, welche dies sind.

Etwa 50 verschiedene Rebsorten werden im Wallis angebaut. Eine Vielfalt, die auf so wenig Raum weltweit einmalig ist. Unter all den Schweizer Rebsorten, die im Wallis zu finden sind, gibt es aber eine unbestrittene Königin: die Petite Arvine. Jedenfalls, wenn es nach José Vouillamoz geht, einem international renommierten Walliser Biologen und Rebenspezialisten (siehe Box). Für ihn setzt sich die Petite Arvine durch vier Eigenschaften von den anderen ab: «Sie ist genügend aromatisch, um den internationalen Geschmack zu treffen und besitzt gleichzeitig einen sehr guten Säuregehalt. Sie beeindruckt durch ihre Lebhaftigkeit und ihre Komplexität.» Die Arvine wurde erstmals 1602 erwähnt und kommt fast nur im Wallis vor. «Diese Rebsorte wird derzeit auf 166 Hektaren angebaut – verteilt auf den ganzen Kanton, von Martigny bis ins Oberwallis», so Vouillamoz.

Aus heidnischen Zeiten

Wenn man vom Wallis spricht, dann kommt man aber auch nicht an der traditionellen Walliser Rebsorte Heida vorbei, im Unterwallis Païen genannt. Das erste Dokument, das ihr Vorkommen im Wallis erwähnt, stammt aus dem Jahr 1586. «Man weiss inzwischen, dass sie identisch ist mit der Sorte, die im französischen Jura als Savagnin und in Deutschland als Traminer bezeichnet wird», verrät der Spezialist. «Im Oberwalliser Dialekt bedeutet Heida ‹sehr alt› oder ‹aus heidnischen Zeiten›.» Eine weitere Spezialiät oder besser gesagt eine lokale Rarität ist die Rebsorte Humagne Blanche. Vouillamoz: «Sie ist eine der ältesten Rebsorten der Schweiz und wird erstmals in einem Dokument aus dem Jahr 1313 erwähnt.»  Aus dieser Rebsorte entstehe sehr delikater, eleganter Wein mit viel Finesse. «Er ist aber nicht leicht zugänglich, da er nicht auf Anhieb zu überzeugen weiss», gibt der 43-Jährige zu bedenken. «Man muss sich etwas gedulden können. Er entwickelt erst mit den Jahren seine speziellen Aromen von Linde und Haselnuss.» Trinke man einen alten Humagne Blanc mit geschlossenen Augen, könne man meinen, es handle sich um einen Rotwein, obwohl er nichts gemein habe mit dem Humagne Rouge. Heutzutage sei die Sorte Humagne Blanche, mit der noch 30 Hektaren bestockt sind, leider nicht mehr in Mode, bedauert der Spezialist.

Die wichtigen Rotweine

Der Cornalin, im Wallis auch Landroter genannt, ist laut Vouillamoz heute die wichtigste autochthone rote Walliser Rebsorte: «Ende der 1960er-Jahre gab es nur noch fünf oder sechs Rebberge und alte Kletterreben in der Gegend zwischen Sitten und Siders.» Zu Beginn der 1970er-Jahre begaben sich das Weinbauamt des Kantons Wallis und die Forschungsanstalt Agroscope in Changins auf die Suche nach nicht virenbefallenen Rebstöcken. Ziel war es, das Produktions- und Qualitätspotenzial dieser hochwertigen, aber leider ertragsmässig sehr unzuverlässigen Traubensorte zu optimieren. «Man hat die besten Pflanzen gesucht und die Anbautechniken verbessert», erzählt der Walliser. «Nirgendwo sonst in der Schweiz findet man Cornalin-Trauben, denn es handelt sich hier um eine relativ späte Sorte, die viel Sonne und eine gute Südlage verlangt.»

Die zweitwichtigste Rebsorte mit ausgeprägter Walliser Identität ist die Humagne Rouge. «Man findet sie auch im Aostatal, woher sie ursprünglich stammt», verrät der Weinspezialist. «Im Wallis tauchte sie im 19. Jahrhundert auf.» Der Cornalin wie auch der Humagne Rouge können gelagert werden, aber nicht zu lange. «Wenn man von Lagerwein spricht, denkt man in der Regel an Bordeaux-Weine, die bis zu 50 oder 100 Jahre gelagert werden können», erklärt José Vouillamoz. Das sei weder beim Cornalin noch beim Humagne Rouge der Fall: «Man kann natürlich auch positive Überraschungen erleben, aber nach acht bis zehn Jahren wird es dann doch zu einer Lotterie.»

Fasziniert von der Weinwelt

Von der Pflanzenwelt fasziniert, studierte José Vouillamoz Biologie an der Universität von Lausanne. Danach schrieb er eine Doktorarbeit zur Klassifikation der Pflanzenfamilien aufgrund ihres DNA-Profils. Als grosser Weinliebhaber wollte er das Gleiche für die Schweizer Rebsorten machen. Er erhielt ein Stipendium des Schweizer Nationalfonds und erforscht den Ursprung und die Genealogie der Rebsorten des Wallis. Für diese Arbeit studierte Vouillamoz im weltbekannten Labor von Professorin Carole Meredith an der University of California in Davis (USA).

Seit 2004 ist Vouillamoz unabhängiger Forscher an der Universität von Neuchâtel. Besonderes Renommée brachte dem Walliser das von ihm mitverfasste Werk «Wine Grapes, a complete guide to 1368 vine varieties» (2012) ein. In Zusammenarbeit mit Janis Robinson und Julia Harding (beide Masters of Wine) beschreibt er die Traubensorten, die weltweit für die Weinproduktion angebaut werden. Das Buch wurde mehrfach mit den höchsten Weinpreisen ausgezeichnet und ist zu einem weltweiten Standardwerk geworden. 

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Text:
Anne-Marie Cuttat
Foto:
Robert Hofer, zVg
Veröffentlicht:
Montag 17.11.2014, 17:43 Uhr

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