Die kluge Assistentin

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Schneider: Schreiber hat schwedisches Blut, und in ihrer Verwandtschaft im hohen Norden gibt es eine Siri mit weizenblonden Haaren. In Schweden sagt man «hej», wenn man «hoi» meint, und deshalb halte ich «Hey, Siri» für einen legeren Gruss an unsere Siri aus Falun.

Als mein Bruder und seine Liebste, beide Handyprofis, während eines Abendessens bei uns sagen: «Fragen wir doch Siri», denke ich also an unsere Siri in Falun.

Aber mein Bruder kennt die nicht. «Siri?», wiederhole ich deshalb vorsichtig.

«Ja, Siri», bekräftigt meine Schwägerin.

«Siri steckt im Smartphone», schiebt mein Bruder nach.

«

Fragen wir also doch mal Siri.»

«Stimmt, die ist auch in meinem drin», meldet sich nun Schreiber.

«Siri steckt in deinem Telefon?», frage ich, der Einzige ohne Smartphone am Tisch.

«Ich nutze sie zwar nicht, aber ja, hab davon gehört», antwortet Schreiber.

«Dann lernst du sie jetzt richtig kennen!», meint mein Bruder und sagt zu seinem Handy: «Hey, Siri, wie wird morgen das Wetter in Luzern?»

Ich muss grinsen. Mein Bruder redet mit seinem Telefon. Was für ein gigantischer Quatsch ist das denn?

Da antwortet eine freundliche Frauenstimme: «Morgen erwarten wir Sonne, Sonne und noch mehr Sonne.»

Mein Bruder lächelt.

Mein Lächeln erstarrt.

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Schreiber: «Schneider, der noch immer mit einem Kleinteil anno 2007 telefoniert, hat grad ein Erweckungserlebnis: «Wahnsinn! Das ist Science Fiction», platzt er heraus. Sein Bruder lacht: «Nein, das ist Siri, meine persönliche Assistentin.»

Um das zu unterstreichen, posaunen unsere Gäste weitere Fragen ins Handy: «Wie alt bin ich?» Siri: «Du bist 40, siehst aber aus wie 29.» Oder: «Warum ist die Banane krumm?» Siri: «Weil niemand vorher in den Urwald geflogen ist, um sie gerade zu biegen.» Siri ist charmant, Siri weiss alles. Als unser Besuch geht, schaut mich Schneider fassungslos an. «Vielleicht», sage ich, «musst du dir doch überlegen, in der Neuzeit anzukommen.»

«

Siri ist charmant, Siri weiss alles.»

Schneider fragt unsicher: «Du meinst, ich sollte mir ein iPhone anschaffen?»

«Dann könnten wir eine WhatsApp-Gruppe «Familie» gründen. Ich würde dir erklären, wie das geht.»

Er denkt eine Weile nach, dann sagt er: «Also gut. Denn wenn ich heute schon hinterherhinke, wie ist das erst in zehn Jahren?»

2027? Bis dahin ist Siri bestimmt noch viel smarter und womöglich auch attraktiver. Vielleicht wäre es doch besser, wenn Schneider kein Smartphone mit persönlicher Assistentin besitzt – sondern auch in Zukunft auf mich angewiesen ist.

 (Coopzeitung Nr. 04/2017) 

Buchpremiere von «Mein Leben als Paar» von SvS in Zürich am 31. Januar 2017. Reservation: info@salisverlag.com

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.01.2017, 13:55 Uhr

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