Die mit den Walzen tanzt

Grosses Kino für sie, mit gutem Ende für ihn. 

Sybil Schreiber: Als kleines Mädchen war mein grösstes Glück, mit meinem Vater durch die Autowaschstrasse zu fahren. Ich durfte vorne sitzen und er verteilte Gummibärchen, die er genauso gern mochte wie ich. Für mich war das grosses Kino: Wenn die blauen Wuschelwalzen auf uns zu rotierten und unser Kombi unter ihrem Druck vibrierte; wenn das Wasser wuchtig an die Fenster donnerte; wenn zum Schluss der Trockenbalken im Zentimeterabstand an der Windschutzscheibe vorbei dröhnte und die Tropfen wie von Zauberhand übers Glas fegte – dann blieb mir der Atem weg. Das war aufregender als Winnetou und Gespenst Hui Buh zusammen. Daran muss ich denken, weil ich es heute wie mein Vater mache: Ich schenke mir eine Fahrt durch die Waschanlage. Natürlich wollen meine Töchter mit. Sie sind ganz kribbelig. Ich auch: Mit unserem VW-Bus war ich nämlich noch nie in einer Waschstrasse. Vorsichtig manövriere ich uns in die richtige Position und freue mich auf das Abenteuer. Sogar Gummibärchen habe ich besorgt.

«

Wir zuckeln los, die Rollen drehen und … ups!»

Also, Kinder: Anschnallen, geniessen, der Streifen beginnt! Wir zuckeln los, die Rollen drehen und … ups! Klappe! Stopp! Schnitt! Wieso ist der Seitenspiegel nicht eingeklappt?

Steven Schneider: Überraschend schwungvoll parkt Schreiber auf unserem Vorplatz. Sie ist wohl voller Glückshormone, interpretiere ich, denn sie war soeben in der Autowaschanlage. Das hat ihr schon immer Spass gemacht. Und es ist Jahre her seit dem letzten Mal. Jetzt wollte sie spontan die neue Waschstrasse im Ort testen. Finde ich gut. Allerdings sieht sie durch die blitzblanken Fenster eher unglücklich aus. Als sie aussteigt, bietet sich mir ein Bild des Grauens: Schreiber hält etwas wie einen Velohelm in den Händen, in der gleichen Farbe wie unser Auto. Der Seitenspiegel! Die Kleinere krächzt vom Rücksitz her, dass sie nie, nie mehr in eine Waschmaschine einsteige und Schreiber murmelt mit Blick auf ihre Hände: «Die Walze hat den Spiegel abgedrückt.» «Und dann ist Mama ausgestiegen, um ihn zu retten», ruft die Grössere aus dem Wagen.

«

Sie steht wie ein begossener Pudel vor mir.»

«Ausgestiegen? In der Waschanlage? Bist du wahnsinnig?», entfährt es mir. Das muss Action gewesen sein! Und was der Spass wohl kostet!Schreiber steht wie ein begossener Pudel vor mir, die Haare hängen ihr nass ins Gesicht. Meine tragische Heldin. Erleichtert sage ich: «Immerhin ist bei dir noch alles dran.» Wenn das kein Happy End ist!

(Coopzeitung Nr. 42/2013)

Kommentare (2)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 14.10.2013, 08:37 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?