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Im autonomen Fahrmodus verschwindet das Lenkrad beim Rinspeed «Etos».

Integrierte Bedienung via Touchscreen – bereits eingesetzt im Citroën C4 Cactus …

… oder im Tesla S, bei dem die Mittelkonsole aus einem einzigen riesigen Bildschirm besteht.

Wie beim Smartphone: Funktionen lassen sich mit Fingerabdruck verschlüsseln.

Screen mit Struktur: Die «Tasten» lassen sich unterscheiden, ohne dass man hinschauen muss.

Innenraum des Opel GT Concept: Bedienung ausschliesslich über Touchpad und Sprachsteuerung.

Die neuen Auto-Innenwelten

Bildschirm statt Armaturenbrett, das Lenkrad nur bei Bedarf aktiviert, Lichtakzente und individualisierte Sitze sorgen für entspannte Stimmung – werden wir so in Zukunft Auto fahren?  

Unser Coopzeitung- Redaktor Martin Winkel zeigt Ihnen einen kleinen Einblick in den diesjährigen Autosalon in Genf.

Designer Stéphane Schwarz (l.) bei der Auswahl von Stoffen für das Interieur.

Designer Stéphane Schwarz (l.) bei der Auswahl von Stoffen für das Interieur.
Designer Stéphane Schwarz (l.) bei der Auswahl von Stoffen für das Interieur.

Eine Vielzahl von Instrumenten, Anzeigen und Schaltern, eingebettet in edle Oberflächen aus Holz oder Carbon, Ledersitze – der Traum von einem Auto! Viele sehen heute noch so aus, doch die Zukunft liegt woanders. «Das klassische Cockpit wird zunehmend durch Bildschirme ersetzt», sagt Stéphane Schwarz. Der 50-Jährige ist Designchef der renommierten Mailänder Karosseriemanufaktur Zagato. Als solcher kennt er die hohen Erwartungen der Autokäufer: «Wir umgeben uns im Alltag mit Hightech-Produkten, ob TV-Flachbildschirm, Smartphone oder Digitalkamera, und müssen dafür nicht einmal viel Geld ausgeben», erklärt der in Basel geborene französisch-schweizerische Doppelbürger. Auch unterwegs wolle man nicht auf den gewohnten Komfort verzichten. «Für Designer und Ingenieure ist es eine grosse Herausforderung, aber zugleich eine Vision: Wir möchten dem Fahrer und den Passagieren ermöglichen, sich in einem vertrauten Umfeld wiederzufinden. Sie sollen unterwegs wie zu Hause entspannen oder wie im Büro arbeiten können.»

Fahren ohne Lenkrad

«Auf den Schirm!» – in der Edag-Studie Soulmate fühlt man sich wie Captain Kirk auf der Kommandobrücke der Enterprise.

«Auf den Schirm!» – in der Edag-Studie Soulmate fühlt man sich wie Captain Kirk auf der Kommandobrücke der Enterprise.
«Auf den Schirm!» – in der Edag-Studie Soulmate fühlt man sich wie Captain Kirk auf der Kommandobrücke der Enterprise.

Schon heute ist bei Autos mit gehobener Ausstattung die Bedienung per Spracheingabe möglich – wie beim Handy. Und Touchscreens, die viele Funktionen von Radio und Klimaanlage bis zur Navigation integrieren, findet man sogar in erschwinglichen Modellen wie etwa dem Citroën C4 Cactus. Bei der Oberklasse-Limousine Tesla S mit Elektroantrieb besteht die ganze Mittelkonsole aus einem einzigen, riesigen Bildschirm. Noch weiter geht «Soulmate»: In diesem futuristischen Modell des Technologiekonzerns Edag sind Fahrer und Passagiere umgeben von frei programmierbaren Bildschirmen. Das sieht dann eher nach «Raumschiff Enterprise» aus als nach dem Auto von morgen. Für den Tesla-Chef Elon Musk liegt die Zukunft eindeutig im autonomen Fahren – dann werde es in den meisten Autos gar kein Lenkrad mehr geben, prophezeite er Ende Januar an einer Konferenz in Hongkong. Der Schweizer Frank M. Rinderknecht hat diese Vision bereits in seinem Konzeptauto «Etos» verwirklicht, das nun am Auto-Salon in Genf zu sehen ist. Da gibt es zwar noch ein Lenkrad, aber es lässt sich komplett versenken – dadurch hat der Fahrer mehr Platz, wenn der Wagen im autonomen Selbstfahrmodus ist.

Erforschung der Megatrends

Die Beleuchtung im BMW X5 sorgt auch im Dunkeln für entspannte Atmosphäre.

Die Beleuchtung im BMW X5 sorgt auch im Dunkeln für entspannte Atmosphäre.
Die Beleuchtung im BMW X5 sorgt auch im Dunkeln für entspannte Atmosphäre.

Aus Sicht von Andreas Maashoff kommt dies jedoch auf absehbare Zeit eher für Nischen- und Luxusmodelle infrage. «Auf dem Massenmarkt vollziehen sich Veränderungen eher langsam», sagt der Direktor Industriedesign und Marktforschung bei Johnson Controls (JCI), einem weltweit tätigen Zulieferer der Automobilindustrie. Um vorausplanen zu können, wie der Innenraum im Auto der Zukunft aussehen wird, betreibt das Unternehmen weltweit Konsumenten- und Marktforschung. Da immer mehr Menschen in Agglomerationen leben, sieht Maashoff einen der Megatrends für die nächsten 10 bis 25 Jahre in der urbanen Mobilität. «Die Kunden erwarten Flexibilität», weiss Maashoff. 

«

Auf dem Massenmarkt vollziehen sich Veränderungen eher langsam.»

Andreas Maashoff (47), Direktor Industriedesign und Forschung bei Johnson Controls Inc.

Die Sitze sind flexibel und personalisiert – so sieht Johnson Controls die Zukunft.

Die Sitze sind flexibel und personalisiert – so sieht Johnson Controls die Zukunft.
Die Sitze sind flexibel und personalisiert – so sieht Johnson Controls die Zukunft.

«Um am Morgen die Kinder zur Schule zu bringen, braucht es viel Sitzplatz, am Abend wünscht man für die Fahrt zur Oper vor allem Komfort, und am Wochenende ist Stauraum gefragt für Hobby und Freizeit.» Neben dem Lifestyle werden auch alternative Besitzmodelle wie Carsharing das Design beeinflussen: «Dafür braucht es dann robuste Sitzbezüge, die antibakteriell und leicht zu reinigen sind.» Einen weiteren Trend sieht der JCI-Manager im zunehmenden Anspruch an Individualisierung und Personalisierung: «Mein Computer, mein Handy, mein T-Shirt, meine Sportschuhe – das erwartet die Kundschaft auch im Fahrzeug-Interieur.» Mehr Gestaltungsfreiheit als bei gewebten Mustern ermöglichen künftig zum Beispiel tintenstrahlbedruckte Sitzbezüge.

Technische Innovation

Tintenstrahlbedruckte Sitzbezüge bieten mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Tintenstrahlbedruckte Sitzbezüge bieten mehr Gestaltungsmöglichkeiten.
Tintenstrahlbedruckte Sitzbezüge bieten mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Auch darunter kommen neue Materialien zum Einsatz wie beispielsweise Komposit-Werkstoffe, die bei den Sitzen Gewicht und Platz sparen. Von neuen Möglichkeiten, die Technik und Werkstoffe eröffnen, schwärmt auch Designer Stéphane Schwarz: berührungsempfindliche, temperaturleitende Kunststoffe, hochpräzise Laserschneidetechnik, kleine LEDs mit hoher Leuchtstärke und die organische Leuchtdiode (OLED),  die sich gekrümmten Oberflächen anpasst. «Man reduziert auf das Wesentliche und erweitert gleichzeitig den Bereich des Möglichen. Das ist absolut faszinierend», meint Schwarz. Bei aller Euphorie sieht er aber auch die Herausforderung für den Einsatz dieser Neuheiten: «Jeder auf der ganzen Welt muss unabhängig von seinem Alter die neuen Technologien und ihre Funktionen auf Anhieb begreifen können!» Die Devise lautet Einfachheit, beginnend bei der Konstruktion.

«

Die Touchscreens werden das Cockpit bald verdrängen.»

Stéphane Schwarz (50), Designer

Zukunftsvision

Nach Meinung von Stéphane Schwarz wird daher wohl auch das automatisch gesteuerte Auto nicht die Lust am Selberfahren verdrängen. «Der Mensch wird dieses Vergnügen nicht aufgeben wollen, zumindest nicht zu bestimmten Tageszeiten, auch wenn er sich in anderen Momenten vielleicht ganz gerne unterhalten lässt.» Die Zukunft könnte diese Wahlmöglichkeit bieten: «Es ist vorstellbar, dass in den Stadtzentren zu den Stosszeiten zugunsten des Verkehrsflusses und der Sicherheit das autonome Fahren gesetzlich vorgeschrieben sein wird. Dann würden die Autos zu einer Art Neben-ÖV.»

Zulieferer

Massgeschneidert: Tufting-Teppich von Autoneum

Massgeschneidert: Tufting-Teppich von Autoneum
Massgeschneidert: Tufting-Teppich von Autoneum

Eine eigentliche Automobilindustrie hat die Schweiz nicht, doch viele Unternehmen, die Hersteller in aller Welt mit Qualitätsprodukten beliefern.
Wer etwas am Boden seines Autos verloren hat, entdeckt dort womöglich den Schriftzug Rieter. Das Unternehmen mit Textil-Tradition hat seine Automobil-Sparte zwar 2011 als eigenständiges Unternehmen Autoneum an die Börse gebracht, doch der so entstandene grösste Automobilzulieferer der Schweiz behielt seinen Hauptsitz in Winterthur. Weltweit beliefert er heute Autobauer mit Produkten für Lärm- und Hitzeschutz. Unterboden- und Hitzeschilder aus dem Werk Sevelen SG sind in Modellen der BMW 1er- und 3er-Reihe ebenso zu finden wie in der Mercedes A- und B-Klasse. Autoneum-Fahrzeugteppiche hat es im Toyota Auris ebenso wie im Volvo XC 90.
Auch hierzulande liefen einst Autos vom Fliessband. Da die Einführung von Einzelteilen steuerlich günstiger war als die der Fertigprodukte, wurden ab 1936 in Biel und später auch in Schinznach vor allem Ami-Schlitten montiert. Wegen ihrer hohen Fertigungsqualität – die Karossen hatten zum Beispiel besseren Rostschutz – waren Wagen mit dem Label «Montage Suisse» begehrt: Etwa die Hälfte der Produktion exportierte man nach Österreich und Italien. Mehr als eine halbe Million Autos baute man bis Anfang der 1970er-Jahre in Biel. Das Aus kam mit der Ölkrise. 1973 lief der letzte Opel Rekord vom Band.

Qualität und Innovation

Steuerkastendeckel von Georg Fischer: 45 Prozent Gewichtseinsparung durch Magnesium-Druckguss

Steuerkastendeckel von Georg Fischer: 45 Prozent Gewichtseinsparung durch Magnesium-Druckguss
Steuerkastendeckel von Georg Fischer: 45 Prozent Gewichtseinsparung durch Magnesium-Druckguss

Heute ist es der Ingenieursnachwuchs für die Branche, der aus Biel kommt. Etwa 250 Schweizer Firmen sind Auto-Zulieferer, sagt Professor Bernhard Gerster, Leiter der Abteilung Automobiltechnik an der Fachhochschule in der Seeländer Metropole. Viele treiben die Entwicklung des Fahrzeugbaus voran, erklärt Gerster am Beispiel von GF Automotive, Teil des Schaffhauser Industriekonzerns Georg Fischer: «Vor 30 Jahren produzierte man fast ausschliesslich nach den Plänen der Autohersteller. Heute konstruiert der Zulieferer 80 Prozent selber.» GF Automotive fertigt Leichtbau-Gussteile für Kunden wie Audi, BMW, Porsche oder ZF Getriebe, die meist verborgen bleiben.  Dagegen sind Weidplas-Teile schon beim Einsteigen zu sehen: Das Unternehmen, hervorgegangen aus dem Traditionsbetrieb Weidmann in Rapperswil-Jona und heute zu einer US-Firmengruppe gehörend, produziert unter anderem Einstiegsleisten für BMW und Mercedes sowie Kunststoffverkleidungen. 

Technologie mit Zukunft

Sensor zur adaptiven Geschwindigkeitsregelung.

Sensor zur adaptiven Geschwindigkeitsregelung.
Sensor zur adaptiven Geschwindigkeitsregelung.

Während das selbstfahrende Auto noch Zukunftsmusik ist, sind Assistenzsysteme schon weit verbreitet. Etwa der Tempomat, der die Geschwindigkeit des eigenen Autos dem vorausfahrenden anpasst. Dass es dazu nicht mehr als ein kleines Kästchen im Kühlergrill braucht, ist auch das Verdienst der Bieler Firma Harting Mitronics: Sie liefert die dreidimensionalen Leiterplatinen für Radar-Sensoren des deutschen Zulieferers Continental. Von diesem cleveren Bauteil, kaum grösser als ein 1-Fränkler, werden gut 500 000 Stück pro Jahr in Biel produziert.
Diese wenigen Beispiele zeigen, wie viel Schweiz im Auto steckt. Und wie viel dies dazu beiträgt, dass wir darin heute ein wenig komfortabler, wirtschaftlicher und sicherer unterwegs sind.

Die grosse Neuheitenparade

Die Sportwagen-Studie Alpine Vision lässt Renault 2017 in Serie gehen.

Die Sportwagen-Studie Alpine Vision lässt Renault 2017 in Serie gehen.
Die Sportwagen-Studie Alpine Vision lässt Renault 2017 in Serie gehen.

Zusammen mit Detroit, Tokio, Paris und Frankfurt zählt Genf international zu den Top 5 der Automobil-Messen. Rund 200 Aussteller, darunter alle gros-sen Marken, präsentieren ihre neusten Modelle – in diesem Jahr mehr als 120 Welt- und Europa-Premieren. Zu sehen sind Autos für den Alltag ebenso wie edle Sportwagen und Luxuskarossen, weit ausserhalb der Reichweite des durchschnittlichen Besuchers – bis zu 700 000 werden in den 10 Tagen erwartet.

Dauer
3. bis 13. März 2016

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 10–20 Uhr, Samstag und Sonntag 9–19 Uhr.

Eintrittspreise
Erwachsene 16 Franken, Kinder bis  16 und AHV-/IV-Bezüger 9 Franken Wer Tickets vor Ort kauft, bekommt ab 16 Uhr 50 Prozent Ermässigung.

Infos im Internet
Sonderschauen, Hallenplan, Ausstellerliste etc.: www.salon-auto.ch

Anreise
Wer Stau und Stress bei der Parkplatzsuche vermeiden möchte, fährt lieber mit dem Zug: Täglich verkehren Extrazüge zum und vom Bahnhof Genf-Flughafen – von dort sind es nur drei Minuten zu Fuss bis zum Eingang bei Halle 7.
Besonders günstig sind die SBB-RailAway-Kombis, bei denen Fahrt (–10 Prozent) und Eintritt (–30 Prozent) vergünstigt sind. Infos unter: www.sbb.ch/autosalon

Car of the Year 2016

Der neue Opel Astra ist das Auto des Jahres 2016.

Der neue Opel Astra ist das Auto des Jahres 2016.
Der neue Opel Astra ist das Auto des Jahres 2016.

Der Opel Astra ist «Car of the Year» (Auto des Jahres) 2016. Die Jury – 58 Autojournalisten aus 22 europäischen Ländern, darunter auch die beiden Schweizer Urs Bärtschi und Peter Ruch – wählte damit zum dritten Mal in acht Jahren einen Opel zum besten Auto des Jahres.
Den traditionsreichen und renommierten Preis haben sieben europäische Zeitschriften vor mehr als 50 Jahren ins Leben gerufen. Für die Auszeichnung nahmen die Fachjournalisten jeweils alle neu herausgekommenen Automodelle des vergangenen Jahres unter die Lupe. Zur Wahl standen zunächst 31 Kandidaten. Nach einer ersten Selektion waren davon noch sieben im Rennen um den Titel geblieben.

Resultate der Finalisten:
Opel Astra, 309 Punkte
Volvo XC90, 294 P.
Mazda MX-5, 201 P.
Audi A4, 189 P.
Jaguar XE, 163 P.
Skoda Superb, 147 P.
BMW 7er, 143 P.

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Martin Winkel

Redaktor

Text:
in Zusammenarbeit mit Didier Walzer, Coopération
Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 29.02.2016, 11:31 Uhr

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