Dramadarm

Schneider: Ich liebe meine Familie. Und ich liebe das Leben. Und natürlich weiss ich, dass es einmal vorbei sein wird. Das ist nicht gerade die angenehmste Vorstellung, aber die Natur hat es bei uns Menschen so geregelt, dass wir die Gedanken an unser Ende meistens erfolgreich verdrängen können. Das ist gut so. Nicht in jedem Augenblick gemahnt zu werden, dass alles vergänglich ist, trägt wesentlich zu meiner guten Stimmung bei. Es wäre unerträglich für mich, bei allem immer das Ende gleich mitzuempfinden. Andererseits wird durch das Wissen um die Vergänglichkeit tiefes Empfinden erst möglich. Wo blieben die grossen Emotionen, gäbe es ewiges Leben?

«

Schreiber würde es auch ohne mich packen.»

Klingt vermutlich ein wenig wirr. Mag daran liegen, dass ich grad durcheinander bin, denn ich habe höllische Schmerzen am Bauch. Jetzt auch wieder. Ich brauche nur mit dem Finger links reinzudrücken – und schon strahlt es überall hin! Was, wenn ich am Darm ein Geschwür habe, das mich innert Kürze umbringt? Grauenhaft! Und die Vorstellung, meine geliebte Familie allein
ihrem Schicksal zu überlassen, macht mich unendlich traurig.

Mein einziger Trost: Ich bin überzeugt, dass es Schreiber auch ohne mich packen würde.

Schreiber: Schneider kommt bleich und geknickt vom Hundespaziergang zurück. «Was ist los?» Er blickt traurig: «Ich liebe dich und ich weiss, dass du es auch ohne mich schaffst mit den Mädels.»
Hä? «Du findest ganz bestimmt wieder einen guten Mann.» «Sag mal, ist mit dir alles in Ordnung?» «Keine Ahnung. Aber hier, diese Seite tut mir extrem weh. Da, am Darm. Das ist, glaub ich, ein riesiges Geschwür. Ich muss zum Arzt.»

Jetzt erschrecke ich: Wenn Schneider von sich aus zum Arzt will, dann ...

«

Wenn Schneider von sich aus zum Arzt will, dann … »

Da fällt mir etwas ein: «Vorgestern bist du doch beim Spaziergang am Steilhang ausgerutscht. Da hast du dich so seltsam verrenkt und dabei vielleicht nur etwas gezerrt.» Er denkt nach, dann hellt sich sein Gesicht auf. «Stimmt! Wie konnte ich das vergessen? Das sind nur Muskelschmerzen, ganz tief liegende, die wehtun, das ist keine Geschwulst!»

Ich atme auf. Ich kenne das so gut, diese Sorge: «Manchmal bekomme ich auch Panik, wenn mich etwas zwickt und ich nachts nicht schlafen kann», sage ich leise zu Schneider, der wieder Farbe im Gesicht hat. «Und weisst du was? Mich tröstet ebenfalls der Gedanke, dass du es allein schaffen würdest.» Wir blicken einander an und umarmen uns still

 (Coopzeitung Nr. 05/2015)

Schreiber vs. Schneider live mit ihrem neuen Programm «Spesen einer Ehe» Infos über www.schreiber-schneider.ch

Soll man immer gleich zum Arzt?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 26.01.2015, 00:00 Uhr

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