Bitte recht freundlich! Florian Lotter macht mit seiner Firma «AeroPicture» Foto- und Filmaufnahmen für verschiedene Kunden.

Drohnen: Die Kopter heben ab

Nicht alle freuen sich über diese neue Technologie. Aber Drohnen können auch Leben retten oder die Umwelt schützen. Die professionellen Einsatzgebiete sind vielfältig.

Florian Lotter befestigt die Kamera an einem seiner Hexakopter für Luftaufnahmen.

Florian Lotter befestigt die Kamera an einem seiner Hexakopter für Luftaufnahmen.
http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Florian Lotter befestigt die Kamera an einem seiner Hexakopter für Luftaufnahmen.

Die Drohnen dröhnen. Das wäre ein schönes Wortspiel. Aber es stimmt nicht. Die Drohnen von Florian Lotter dröhnen nicht, sie summen wie Bienen, nur viel, viel lauter. Wie tausend Bienenschwärme zusammen. Man versteht kaum sein eigenes Wort. Die Rotoren der Fluggeräte erzeugen einen starken Luftzug. Zur heimlichen Beobachtung von Nachbarn sind diese Drohnen denkbar ungeeignet. Und auch nicht gedacht.
Lotter hat sie alle selbst gebaut, die meisten gar selbst konstruiert. Seine Firma «AeroPicture GmbH» liefert Fotos und Videos für alle möglichen Zwecke. Vom Kinofilm bis zu Panorama-Aufnahmen, Luftbilder fürs Schweizer Fernsehen oder auch Firmenporträts. «Unsere Spezialität sind massgeschneiderte Lösungen für den Kunden», erklärt der 35-Jährige. Benötigt er für einen Auftrag eine spezielle Kamera, dann baut er extra eine Drohne dafür. Lotter besitzt denn auch etliche dieser Maschinen. Wobei er lieber von Multikoptern redet. «Das ist fachlich korrekt. Je nach Anzahl der Rotoren nennt man das zum Beispiel Quadrokopter, der hat vier Rotoren, ein Hexakopter sechs.» Allerdings hat sich im Volksmund Drohne durchgesetzt.

Gross und grösser

http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Drohnen: Die Kopter heben ab

Die grösste Drohne von Florian Lotter ist ein Oktokopter mit dem passenden Namen «HeavyLift», also Schwergut. Das Gerät hat über einen Meter Durchmesser und ist rund 15  Kilo schwer. Entwickelt hat er es für eine ganz spezielle Filmkamera: die «Red Epic», mit der auch schon «Fluch der Karibik» gedreht wurde. Eine sehr kostbare Fracht, die ein sicheres Fluggerät braucht, sonst ist der Wert eines netten Autos futsch. Und je mehr Rotoren eine Drohne hat, desto unwahrscheinlicher wird ein Absturz, falls mal einer der Elektromotoren ausfällt oder sogar mehrere.
Doch beim Crash eines 15 Kilo schweren Gerätes kann natürlich noch viel mehr schiefgehen, zum Beispiel, wenn es auf Menschen stürzt. Deshalb hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) Gesetze erlassen. So müssen Drohnenpiloten unter anderem zu Menschenansammlungen einen Mindestabstand von 100 Metern einhalten. «Das haben wir ganz bewusst mit Hinblick auf Veranstaltungen wie die Streetparade eingeführt», erklärt Markus Farner. Er leitet die Arbeitsgruppe Drohnen des BAZL. «Wenn an so einer Massenveranstaltung Hunderte von diesen Flugobjekten in der Luft sind und eines stürzt ab, dann wird es ungemütlich.» Vor allem auch, weil man im Gedränge nirgendwohin ausweichen könnte.
Farner ist überzeugt, dass es solche Gesetze braucht, doch übertreiben will er es nicht. «Wir sind in der Schweiz liberal mit Drohnen. Bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm braucht man grundsätzlich keine Bewilligung.» Man muss aber die Gesetze beachten. Es gibt nicht nur die Vorgaben des BAZL. Rund um Flugplätze gilt eine Flugverbotszone von 5 Kilometern. In diesem Bereich ist der jeweilige Flugplatz oder die Flugsicherung Skyguide zuständig. Auch die Gesetze zum Schutz der Privatsphäre müssen eingehalten werden. Wer die Nachbarn filmt und das veröffentlicht, macht sich strafbar.

Einfach mal freundlich fragen

Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.

Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.
http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Links: ein Sicherheitsschloss. Rechts: leicht aufzubrechen.

Doch wann soll man die Gesetzeshüter rufen? Wie lässt sich abschätzen, ob jemand etwas Verbotenes macht? Freundliche Fragen und ein klärendes Gespräch mit dem Drohnenpiloten räumen viele Missverständnisse aus. Auch Florian Lotter wird immer öfter angesprochen, wenn er mit seinen Multikoptern für Kunden unterwegs ist. Er informiert die Anwohner bei einem Auftrag auch von sich aus und hat damit gute Erfahrungen gemacht. 

«

Ich informiere die Anwohner darüber, dass ich Aufnahmen mache.»

Florian Lotter (35), lebt von der Arbeit mit Drohnen

Offenbar haben viele noch Mühe, die neue Technologie einzuordnen, viele sind misstrauisch. Vielleicht auch, weil wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Gerade hat die Schweizerische Post eine Drohne getestet, die Pakete austragen kann, in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma Matternet, die das Fluggerät dafür entwickelt. Amazon und DHL experimentieren ebenfalls mit Multikoptern. Drohnen nützen auch der Landwirtschaft, wenn etwa der Zustand der Pflanzen kontrolliert werden muss oder um Dünger punktgenau zu spritzen. 

Zofingen aus der Luft: Drohnen können theoretisch mehrere Hundert Meter hoch fliegen.

Zofingen aus der Luft: Drohnen können theoretisch mehrere Hundert Meter hoch fliegen.
http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Zofingen aus der Luft: Drohnen können theoretisch mehrere Hundert Meter hoch fliegen.

Drohnen können Katastrophengebiete überfliegen und dank den gewonnenen Informationen Leben retten. Stromkonzerne wie Alpiq schicken Drohnen los, um Leitungen zu überwachen. Kleine Meteodrohnen messen Wetterdaten. Zum Teil fliegen sie auf vorprogrammierten Routen, also ohne Piloten. Und die Feuerwehr im ostfriesischen Leer hat sich dieses Jahr auch eine Drohne angeschafft. Sie soll Brände überfliegen und so für die Löscharbeiten wichtige Informationen sammeln.

Kommt die Drohneninvasion?

Weisser Postbote der Zukunft: Dieter Bambauer, Leiter von postlogistics (r.), und Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet, in Bas-Vully FR vor dem Testflug der Paket-Drohne.

Weisser Postbote der Zukunft: Dieter Bambauer, Leiter von postlogistics (r.), und Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet, in Bas-Vully FR vor dem Testflug der Paket-Drohne.
http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Weisser Postbote der Zukunft: Dieter Bambauer, Leiter von postlogistics (r.), und Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet, in Bas-Vully FR vor dem Testflug der Paket-Drohne.

Wird also der Himmel bald nicht mehr zu sehen sein vor lauter Drohnen? Wohl kaum. Für Markus Farner vom BAZL zählt, was die Gesellschaft bereit ist, mitzutragen, oder besser: zu ertragen. Und es ist klar: Ohrenbetäubendes Dauersummen in rund 100 Meter Höhe und der Himmel schwarz vor lauter Drohnen, das will niemand. Dieter Bambauer leitet mit Post Logistics das Drohnen-Projekt der Post. Auch er will die Flugobjekte nicht flächendeckend einsetzen: «Die Post stellt täglich über eine halbe Million Pakete zu. Es ist aus heutiger Sicht unrealistisch, dass Drohnen die flächendeckende Zustellung von Paketen übernehmen werden.» Sinnvoll wäre die Drohne zum Beispiel bei der Versorgung entlegener Gebiete oder bei der Zustellung von Medikamenten, wenn beispielsweise ein Dorf von der Umwelt abgeschnitten ist.

«

Man kann sich bei Problemen an uns wenden.»

Dominik Jenzer (42), Präsident des Drohnenverbandes

Seit dem letzten Jahr gibt es auch einen Drohnenverband. Er vertritt vor allem gewerbliche Piloten, doch Hobbypiloten sind ebenfalls willkommen. Eines der Ziele ist laut Präsident Dominik Jenzer, die Drohnen in den Luftraum zu integrieren. Und die Akzeptanz der Drohnen in der Gesellschaft ist Jenzer genauso ein Anliegen: «Bei Problemen mit Drohnen kann man sich auch bei uns melden. Wir sind sehr daran interessiert zu wissen, wo es welche Art von Problemen gibt, ob allenfalls Mitglieder betroffen waren und ob wir uns einbringen können.» Und nicht zuletzt will der Verband eine Ausbildung zum Drohnenpiloten anbieten, «mit einem theoretischen und einem praktischen Teil.» Denn schliesslich ist für die Sicherheit nicht nur die Einhaltung der Gesetze wichtig, sondern auch das fliegerische Können.

«Wupps?! Hilfeee!»

http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Drohnen: Die Kopter heben ab

Die Redaktorin der Coopzeitung probiert auch mal, eine Drohne zu fliegen. Mit zweifelhaftem Erfolg: «Der Start funktioniert fast automatisch mit der Computersteuerung, die Drohne steigt auf. Aber dann … Wupps?! Wenn ich nach links steuere, fliegt sie nach rechts. Alles ist umgekehrt, weil sie auf mich zufliegt. Hilfeee! Und wo soll ich überhaupt hinschauen? Auf den Bildschirm? Die Drohne? Das Ding surrt mich laut an und ich traue mich nicht, etwas zu machen. Sonst geht das wertvolle Spielzeug noch kaputt und ich bin schuld. Also lande ich wieder. Bin halt ein Mädchen. Vielleicht liegt es am mangelnden Talent, aber die Steuerung so eines Flugobjektes finde ich ziemlich anspruchsvoll!»

In der Schweiz haben die Drohnenpiloten relativ viele Freiheiten. Markus Farner möchte Gesetze mit Augenmass erlassen. 

Nicht zu viele Gesetze

Markus Farner ist der Spezialist für Drohnen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Markus Farner ist der Spezialist für Drohnen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.
http://www.coopzeitung.ch/Drohnen_+Die+Kopter+heben+ab Markus Farner ist der Spezialist für Drohnen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Modellflugzeuge gibt es ja schon lange. Warum braucht es für Drohnen extra Gesetze?
In der Schweizer Gesetzgebung kennen wir keine Drohnen, nur unbemannte Luftfahrzeuge. Wenn so ein Luftfahrzeug nicht nur zum Spass in der Freizeit geflogen wird, sondern ein Werkzeug ist, wie eine Drohne, ist man automatisch näher bei den Menschen. Unbeteiligte Dritte müssen geschützt werden. Multikopter oder Drohnen können abstürzen oder sich selbstständig machen. Und so Verletzungen verursachen oder Todesfälle, wenn viele Menschen in der Nähe sind wie in Städten oder auf Veranstaltungen.

Sind die heutigen Vorschriften genügend?
Rein sicherheitstechnisch kommen wir mit den heutigen Gesetzen gut aus. Wir werden nächstes Jahr das Gesetz ändern, damit wir einen Unterschied machen können zwischen Luftfahrzeugen, die Werkzeuge sind, und solchen, die zum reinen Vergnügen geflogen werden. Das hat damit zu tun, dass wir den Drohnen-Herstellern ein so- genanntes Baumusterzeugnis ausstellen möchten. Dies ist heute noch nicht möglich. Das hat einen wirtschaftlichen Hintergrund. Damit unterstützen wir die heimischen KMUs.

Halten sich die Leute an die Vorschriften?
Im Grossen und Ganzen ja. Wir setzen auch auf eine aktive Informationspolitik, haben eine Drohnenhomepage und sind für Fragen über Twitter und Facebook erreichbar.

Wie viele Drohnen gibt es in der Schweiz?
Es sind schätzungsweise etwa 3000 Multikopter, die hier herumfliegen.

Der Drohnenverband möchte eine Pilotenausbildung für Drohnen anbieten. Halten Sie das für eine sinnvolle Idee?
Es ist natürlich immer gut, wenn die Leute wissen, wie man so ein Teil bedient. Das dient auch der Sicherheit. Doch wir haben mit der jetzigen Situation keine schlechten Erfahrungen gemacht. Und wir werden keine Pilotenlizenz für alle fordern, solange wir keine schlechten Erfahrungen machen.

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 27.07.2015, 14:08 Uhr

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