Dürfen Glamour-Orte abzocken?

Er:

Nein, natürlich nicht! Ein Restaurant in Venedig hat, wenn es gut liegt, von morgens bis abends Gäste. Da wäre es doch noch viel eher angebracht, dass bei diesem Umsatz die Preise tiefer liegen! Ich weiss nicht, woher die Unsitte kommt, an schönen Orten ganz selbstverständlich mehr bezahlen zu müssen – und dies oft für lausige Qualität: Den schönsten Blick meines Lebens beim Pizzaessen hatte ich einst an der ligurischen Küste – es war gleichzeitig mit 18 Euro die teuerste und absolut ungeniessbarste Pizza meines Lebens!

Sie:

Wieso sind glamouröse Orte glamourös? Weil sich die Reichen dort tummeln, die Schönen, die Wichtigen. Deshalb liegt es auf der Hand: Je exklusiver etwas ist, desto mehr kostet es. Das ist eine kinderleichte Gleichung und ich denke, dass der Grossteil der Menschheit diese Gleichung auch versteht. Schneider gehört nicht dazu. Und ich frage mich, wo genau seine Befriedigung liegt, wegen einer Handvoll gesparter Euro stundenlang herumzuirren, bevor wir etwas essen. Als ob es darauf ankäme. Aber selbst ein glamouröser Ort wird ungeniessbar, wenn man ein Loch im Bauch hat.

 

Was ist Ihre Meinung dazu?

 ↩︎

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Er:

Und ob ich Befriedigung verspüre, wenn ich mich dafür einsetze, einen fairen Anbieter zu berücksichtigen, statt eines fiesen Abzockers. Ich kämpfe darum, die Anständigen zu belohnen und die Dreisten zu bestrafen. Die Pizza schmeckt mir einfach nicht, wenn ich weiss, dass ich übervorteilt werde. Finde ich hingegen einen vernünftigen, flotten Wirt, der normale Preise für die Speisen verlangt, dann freut mich das so, dass ich zusätzlich ein flottes Trinkgeld hinlege. Am Schluss habe ich gleich viel ausgegeben, aber die Gewissheit, gute Leistung gewürdigt zu haben. 

Sie:

Die Frage ist, was höher zu gewichten ist: der schönste Blick aufs Meer oder eine anständig zubereitete Pizza. Ich war auch auf dem Hügel in Ligurien, wo wir unverschämt viel bezahlt haben. Meine Erinnerung ist aber gut, denn der Sonnenuntergang war unvergesslich. Schneider aber er nimmt es fast schon persönlich, wenn er zu viel bezahlt. Was ganz schön seltsam ist, da Venedig zum Beispiel ja nicht nur für ihn da ist, sondern für die übrigen 20 Millionen Besucherinnen und Besucher, die auch mal eine Pizza für acht statt für vier Euro essen können. So wie ich es tun würde! 

Wer konnte Sie überzeugen?

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