Tobias Wülser ist Vordenker für Elektromobilität.

E-Power: Biken mit Strom

Das Designwerk in Winterthur ist eine Denkfabrik für Elektromobilität. Inhaber Tobias Wülser sieht im E-Bike ein grosses Potenzial für die Zukunft.

Fahrrad ist Fahrrad und ein E-Bike hilft dem Untrainierten, dass Steigungen ihren Schrecken verlieren. Denkste! Für Tobias Wülser ist das E-Bike mehr als einfach nur eine Fahrradvariante für Tretfaule. «Historisch gesehen hat das Fahrrad die Massenmobilisierung eingeleitet», sagt er, und: «Das E-Bike hat nun die Massen-Elektromobilisierung eingeleitet.» Wülser muss es wissen. Der 38-Jährige ist Inhaber des Designwerks, der Denkfabrik für Elektromobilität in Winterthur. Und als solcher ist der Industrial Designer nicht nur einer der kreativsten Köpfe des Landes, wenn es um Elektromobilität geht, sondern auch ein Pionier. So hat er 2010 zusammen mit seinem Firmenpartner Frank Lo-acker im «Zerotracer», einer Art Kabinenmotorrad, als erster Mensch mit einem Elektrofahrzeug die Welt umrundet. Und zwar in 80 Tagen. Aber auch im Alltag sind die Entwicklungen seiner Firma zu sehen. So sind viele Pöstler auf emissionsfreien elektrischen Dreiradfahrzeugen unterwegs und auch die Elektrolastwagen von Coop basieren auf einer Entwicklung von Wülser und seinem Team.

Fast das ganze Team vom Designwerk kümmert sich um das E-Bike.

Fast das ganze Team vom Designwerk kümmert sich um das E-Bike.
http://www.coopzeitung.ch/E_Power_+Biken+mit+Strom Fast das ganze Team vom Designwerk kümmert sich um das E-Bike.

Zu ihrer «Berufung» gekommen ist sie allerdings wie die Jungfrau zum Kind. «Ich habe immer gerne kreativ gearbeitet, habe geschnitzt, genäht, gemalt und gestrickt. Und eigentlich wollte ich sogar Keramikmalerin werden», sagt Gerber. Daraus geworden ist allerdings nichts, die passende Lehrstelle gabs nicht und so lernte sie Floristin. «Das hat mir auch viel Freude gemacht», erzählt sie, «allerdings waren mir mit der Zeit die Arbeitszeiten zu unflexibel.» Schliesslich galt es gleichzeitig auch noch vier Kinder grosszuziehen. Viel Raum für grosse kreative Sprünge blieb da nicht. Bis zum Tag, als sie vor 25 Jahren bei den Landfrauen einen Kurs für Scherenschnitte besuchte. «Das hat mich gepackt, da habe ich genau das gefunden, was mir entspricht», erklärt Gerber. «Scherenschnitte beginnen immer mit einer Zeichnung, da konnte ich eine Leidenschaft von mir ausleben und danach etwas daraus entstehen lassen.» 

Als begeisterter Velofahrer liegt ihm das E-Bike natürlich am Herzen. So hat das Designwerk mit der «Ridebox» auch bereits ein zukunftweisendes E-Bike mit Hightech-Komponenten für den Leihbetrieb entwickelt. Entsprechend neugierig geht er mit seinem Team auch zur Sache, als die Coopzeitung ihn bittet, das neue E-Bike von Allegro zu begutachten. Flugs steht das bei Coop Bau + Hobby erhältliche Bike auf dem Prüfstand und wird mit grosser Neugierde ausgetestet. An verschiedenen Stellen werden die Spannung und die Leistungsabgabe gemessen und selbst eine Wärmebildkamera kommt zum Einsatz. Dies um zu prüfen, wie stark sich der in die Radnabe eingebaute Motor erhitzt. Negatives kommt dabei nicht raus. «Scheint alles gut zu funktionieren», sagt der Spezialist. Auch sonst gefällt ihm das Bike «Es ist gut ausgerüstet, hat gute Bremsen, ein gutes Licht und auch verschiedene Fahreinstellungen für die elektrische Tretunterstützung», erklärt er und verweist auf Details wie die hochwertig verarbeitete Batteriebox aus Aluminium. «Für den Preis sicher ein faires Angebot.» Umso mehr, als ihm das Design gefällt: «Die geformten Rahmenrohre machen durchaus was her. Die Entwickler haben auf das Design acht- gegeben. Das ist gut, denn wer für ein E-Bike Geld ausgibt, möchte sich ja schliesslich nicht vor dem Nachbarn schämen.»

Für die Schweiz bestens geeignet

Im Gegensatz zum Sportvelo ist das E-Bike für den Fachmann eher ein Werkzeug. «Wer sein Fahrrad zu Sportzwecken benutzt, will keinen Motor. Für alle anderen eröffnet das E-Bike grosse Möglichkeiten. Dank ihm fahren nun auch Leute, denen Velofahren vorher zu anstrengend war. Gerade in der Schweiz mit ihrer bergigen Topografie macht das E-Bike ja auch ganz besonders Sinn.» Allerdings muss auch gesagt sein, dass Wülser der Gegenwart immer einen Schritt voraus ist. Wie er mit seinem eigenen E-Bike-Technologieträger, der «Ridebox», exemplarisch zeigt, steht die Entwicklung beim E-Bike erst am Anfang. «Mit dem Strom kommt Intelligenz aufs Velo. Früher war so ein Velo ja schlichtweg dumm, jetzt bietet der Strom 1001 Möglichkeiten», sagt er. Nebst den immer raffinierter werdenden elektronischen Steuerungen, welche die Bikes angenehmer zum Fahren machen und auch den ständig besser werdenden Batterien, lässt sich die Stromversorgung in Zukunft auch anderweitig nützen. «Das E-Bike wird zum Smartbike. Denkbar sind GPS-Systeme, Funktionsteuerungen per App, das Erstellen von Nutzerprofilen und auch sinnvolle Entwicklungen, was beispielsweise die Diebstahlsicherung betrifft.» Entsprechend hat Wülser bei seiner «Ridebox» eine Abschliessvorrichtung patentieren lassen, die den Ständer mittels App elektronisch verriegeln lässt. «Wer will denn schon immer ein unhandliches Schloss rumschleppen?»  Dass E-Bikes einen Boom erleben und bereits rund 350 000 davon auf Schweizer Strassen unterwegs sind, freut Wülser natürlich. Er sieht aber noch mehr Möglichkeiten für E-Bikes. «Gerade im Cargobereich, auf der sogenannten «letzten Meile», machen Lasten-E-Bikes viel Sinn, wenn es um die Feinverteilung von Waren geht», ist er überzeugt. Bis es so weit ist, gibt es noch viel zu tun, vor allem auch bei der Infrastruktur. Kein Wunder, wird im Designwerk derzeit besonders viel über möglichst einfache und unkomplizierte Lademöglichkeiten für die Batterien nachgedacht.

Mehr über die Firma erfahren


Swissness auf 2 Rädern
Allegro wurde 1914 von Arnold Grandjean gegründet. Die ersten Räder entstanden in einer kleinen Werkstatt in Fleurier. 1923 wurde in Neuenburg produziert. Bereits 1939 war Allegro mit seinen 200 Mitarbeitern der grösste Zweirad-Produzent der Schweiz. In den 1980er-Jahren wurde Allegro von einem Mitbewerber übernommen. 2014 übernahm das Zürcher Unternehmen Colag AG die über 100-jährige Marke. Mit Innovation und Kreativität wurde die Modellreihe mit «elektrifizierten» Bikes ergänzt.

Hier geht es zur Webseite von Allegro
«

Sind E-Bikes einfach Velos für Tretfaule?»

Diskutieren Sie hier mit.

Kommentare (50)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Roberto Ceccarelli, zvg
Veröffentlicht:
Montag 28.03.2016, 15:59 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?