Ein Mann ist ein Mann

Er: Schreiber blickt mich an und sagt empört: «Jetzt schau nicht so! Ist doch süss!»

Ich frage mich: Meinen die das ernst? «Also, wenn ein Mann neben einer Frau im Bett liegt, die er nett und hübsch findet, dann macht er die ganze Nacht lang kein Auge zu.»
«Warum nicht?»

«

Ich frage mich, ob die das ernst meinen.»

«Weil er diese Gelegenheit nicht verschlafen kann.»
«Wäre das bei dir so?», fragt Schreiber.

«Es geht hier nicht um mich», antworte ich, während sich der Ehemann unserer Gesprächspartnerin zu uns setzt. Nachdem sich dieser einen Überblick zum Thema verschafft hat, ist er natürlich meiner Meinung: «Nie im Leben schlafen die friedlich nebeneinander», sagt er.

Ich nicke. Er und ich sehen uns von den 8760 Stunden des Jahres genau zwei, aber die reichen aus: Denn Männer verstehen einander auch ohne sich die restlichen 8758 Stunden austauschen zu müssen. «Entweder flunkern die beiden ein wenig …», beginne ich meinen Satz – den aber Schreiber zu Ende bringt: «… oder dieser Junge ist höchst anständig. Ja, so was gibts!»

«Nein», antworte ich, «das hat nichts mit Anstand zu tun. Entweder geht der Junge taktisch vor – oder Frauen sind für ihn kein Thema.» Der andere Vater nickt und schweigt. Denn er ist ja ein Mann.

Sie: Es interessiert mich, mit Müttern zu reden, deren Töchter etwas älter sind als unsere. Dank ihnen erfahre ich heute, was ich später erleben werde. Bei einem alljährlichen Festessen treffe ich eine dieser Mütter und wir unterhalten uns bestens. Diesmal erzählt sie, dass ihre ältere Tochter sich nach zwei Jahren von ihrer ersten Liebe getrennt habe. Das sei speziell, denn man gewöhne sich an den Menschen, der mit einem sonntags zu Abend esse und mit in die Ferien fahre. «Aber jetzt hat sie wieder einen neuen Freund. Anders halt, ohne verliebt zu sein. Ein Freund eben, zum Reden.» Und manchmal würden sie so lange reden, dass er gleich über Nacht bleibe.

«

Kann er sich das wirklich nicht vorstellen? »

Schneider, der neben mir sitzt und zugehört hat, runzelt die Stirn: «Dann ist er aber mehr als nur einer zum Reden, oder?»

«Nein. Die schlafen einfach im selben Bett. Ist das nicht süss?», sagt meine Bekannte.
Ich nicke. Das ist wirklich süss. Schneider aber schüttelt den Kopf. Ich frage ihn: «Glaubst du das etwa nicht?»

Meine Bekannte seufzt: «Wie mein Mann. Der kann sich das auch nicht vorstellen. Als ob man nicht neben einer Frau schlafen könnte, ohne mehr zu wollen.» Ganz meine Meinung: «So einer hat wirklich grosse Klasse.»

 (Coopzeitung Nr. 21/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.05.2016, 00:00 Uhr

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