Schöne Aussicht!

Alles wird anders, wenn die italienische Verwandtschaft baden geht.

Steven Schneider: Seit Jahren versuche ich meine Tante und meinen Onkel ans Meer zu locken, das nur 30 Kilometer entfernt von ihnen liegt. Also vor der Haustüre, wenn ich bedenke, dass mein Onkel locker 150 Kilometer weit fährt, um guten Fisch zu essen.
Da Zia Ida und Zio Renzo seit Kurzem einen Camper haben, wittere ich eine neue Chance. «Kommt doch mal mit uns ans Meer. Wir kennen einen einsamen Strand», schlage ich vor, «mit dem Wohnmobil wäre das für euch bequem.» Nach einigen Tagen Überzeugungsarbeit fahren wir tatsächlich gemeinsam hin. Zia Ida erklärt, dass sie aber keinesfalls ins Wasser gehe.

«

Ich hab ihn überzeugt. Wir fahren ans Meer.»

Zio Renzo findet einen Schattenplatz und stellt den Motor ab. Hinter dem Pinienwald rauschen die Wellen, die Kinder wollen schnurstracks baden gehen, Schreiber verteilt hektisch Sonnencreme, ich helfe Zia Ida dabei, Tische und Stühle aufzubauen. Mein Onkel richtet die Satellitenschüssel aus, bis er guten Empfang hat. Schreiber blickt mich forsch an: «Können wir jetzt ins Wasser?»
Sie hat immer noch nicht verstanden, wie Italien funktioniert. Denn jetzt, da der Fernseher läuft, folgt der zweitwichtigste Punkt von unserem Ausflug ans Meer: die Zubereitung des Essens.

Sybil Schreiber: Es war zu befürchten: An diesem Tag am Meer wird alles anders ablaufen als sonst. Die Deutsche in mir zickt gerade herum, als mich Renzo in die Küche seines Womos bittet: Er hat reife Wassermelonen dabei, süsse Honigmelonen, hauchdünn geschnittenen San-Daniele-Schinken.
Über seinem Kopf hängt der Fernseher, eine Blondine im Bikini präsentiert Putzmittel für Autofelgen. Dann öffnet Renzo seinen Kühlschrank und reicht mir ein kaltes Bier. Das fängt ja gut an!

«

Es ist ‹perfetto› – und wird mmer besser.»

Wenig später sitzen wir unterm Sonnensegel an einem Tisch voller Essen. Weit entfernt von meinem ernährungstechnisch vorbildlichen Picknick mit Vollkornbrot, Gemüse und Mineralwasser. Wir sitzen auf Stühlen statt im Sand; wir kämpfen mit Kalorien statt mit dem Wind. Natürlich gehen wir nach dem Essen immer noch nicht ans Meer, sondern machen erst einmal ein Nickerchen. Schneider schaut mich unsicher an: «Gehts für dich?»
«Ob es geht?» Ich schüttle den Kopf: «Es ist perfetto!» Und es wird immer besser: Zia Ida montiert nach der Siesta den Badeanzug und planscht mit den Kindern in den Wellen. Ganz klar: Hiermit beurlaube ich die Deutsche in mir und bade mit Schneiders italienischen Verwandten im Glück!

(Coopzeitung Nr. 32/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 05.08.2013, 10:40 Uhr

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