Prachtvolle Fassaden und Dächer: In Aarau lässt sich das Altstadtleben geniessen (rechts Café und Theater Tuchlaube, unten Haus zum Erker).

Ein Tag in Aarau

Im Alphabet steht sie vor allen anderen. Einst war sie die erste Hauptstadt der Schweiz. Wer einmal ihrem Charme erlegen ist, kommt gerne wieder.

Wasserkanton: Den Bahnhofsplatz überdacht eine blaue Wolke.

Wasserkanton: Den Bahnhofsplatz überdacht eine blaue Wolke.
http://www.coopzeitung.ch/Ein+Tag+in+Aarau Wasserkanton: Den Bahnhofsplatz überdacht eine blaue Wolke.

Damit es gleich zu Beginn gesagt ist: Ich bin nicht unbefangen, Aarau ist eine Herzensangelegenheit, gewissermassen. Als ich zur Operation von Winterthur hierher überwiesen wurde, kannte ich die Stadt nur vom Hörensagen. Als Rekonvaleszent konnte ich dann die Altstadt erkunden. Seither freue ich mich auf die jährliche Nachuntersuchung, bei der ich stets Neues in Aarau entdecke.
Schon die Häuser der Vorstadt sind sehenswert, bevor wir zum eigentlichen Eingang kommen. Wir passieren das Landjägerwachthaus mit dem klassizistischen Säulengiebel, treten durch das Obertor mit dem höchsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtturm der Schweiz (etwas über 61 Meter) und sehen gleich dahinter … noch ein Tor.

Eine Stadt mit zwei Ringen

Der moderne Neubau neben dem mittelalterlichen Schlössli-Turm beherbergt das Stadtmuseum.

Der moderne Neubau neben dem mittelalterlichen Schlössli-Turm beherbergt das Stadtmuseum.
http://www.coopzeitung.ch/Ein+Tag+in+Aarau Der moderne Neubau neben dem mittelalterlichen Schlössli-Turm beherbergt das Stadtmuseum.

Die Erklärung findet sich etwas später im Stadtmuseum am Schlossplatz. Oder man lässt sie sich von Einheimischen gleich hier am Brunnen erzählen, der unter der Statue des Grafen Hartmann von Kyburg plätschert. Auf die Kyburger geht nämlich die Gründung von Aarau Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Bald darauf übernahmen aber die Habsburger den befestigten Ort. Sie erweiterten die Stadt und errichteten einen zweiten Mauerring. Die Französische Revolution führte 1798 zur Ausrufung der Helvetischen Republik in Aarau. Fünf Monate lang war hier das Zentrum der Schweiz, bevor Regierung und Parlament nach Luzern weiterzogen.

http://www.coopzeitung.ch/Ein+Tag+in+Aarau Ein Tag in Aarau

Wer in unseren Tagen früh am Morgen durch die Strassen Aaraus flaniert, fühlt sich schnell einmal um Jahrhunderte zurückversetzt, denn der Stadtkern blieb stets von Krieg und Feuersbrünsten verschont. Es lohnt sich, beim Rundgang öfters nach oben zu blicken: Viele Häuser sind mit prachtvollen Dachuntermalungen geschmückt. Aber mit Vorsicht: Mitten durch die Gassen fliesst – wie einst – der Stadtbach. Ein wenig unterhalb ist eine bunte Szene mit Bauern, Kühen, Schafen und Ziegen an einer der Fassaden zu erblicken: Wo heute das Café Tuchlaube ist, war einst der städtische Schlachthof.

Dem Bestatter auf der Spur

Kunstwerken begegnet man auf Schritt und Tritt – selbst das Rathaus gleicht fast mehr einer Galerie als einem Verwaltungsgebäude. Ins Aargauer Kunsthaus gehen aber auch Menschen, die sich mehr für Krimis als für Kunst interessieren: Ein Gemäde von Albert Anker, «Das Kinderbegräbnis» von 1863, ist – bis auf Weiteres – fester  Bestandteil der Stadtführungen, die den Spuren der beliebten SRF-Fernsehserie «Der Bestatter» folgen. Da Mike Müller alias Luc Conrad sogar über die Landesgrenzen hinaus Erfolg hat, werden wohl bald auch Krimifans aus Amerika durch Aarau flanieren. 

Märkte und Feste

Auch wer gar nichts mit Kultur am Hut hat, kommt in der Stadt auf seine Kosten. Ob auf dem Wochenmarkt oder beim Lädele: In Aarau findet man kleine, spezialisierte Geschäfte ebenso wie die grossen Kaufhäuser. Und jede Menge Cafés, Beizen und Restaurants – beim ersten Sonnenstrahl wird im Freien getischt und durch die Gassen der Altstadt weht ein südliches Lebensgefühl.
Höhepunkte im Aarauer Festkalender sind der Rüeblimärt, vor allem aber Bachfischet und Maienzug, die beide eine lange Tradition haben. Beim Bachfischet ziehen die Schulkinder, einem mittelalterlichen Brauch folgend, im September mit bunten Lampions durch die verdunkelte Altstadt. Mit dem Maienzug, der seit dem 16. Jahrhundert belegt ist und immer am ersten Freitag im Juli stattfindet, feiern die Jugend und mit ihr die ganze Stadt sowie Besucher von Nah und Fern das Ende des Schuljahres und den Beginn der Sommerferien.

Wir kommen wieder

Frühlingsgefühle im Wildpark Roggenhausen, nur ein paar Bus-Minuten ausserhalb der Stadt.

Frühlingsgefühle im Wildpark Roggenhausen, nur ein paar Bus-Minuten ausserhalb der Stadt.
http://www.coopzeitung.ch/Ein+Tag+in+Aarau Frühlingsgefühle im Wildpark Roggenhausen, nur ein paar Bus-Minuten ausserhalb der Stadt.

A propos Jugend: Früher wollte unser Sohn bei jedem Aarau-Besuch ins Naturama – in der Tat ein besonderes Erlebnis, ebenso wie der Wildpark Roggenhausen vor den Toren der Stadt. Heute hat unser Junior aber einen anderen Favoriten: das «Rolling Rock», ein Paradies für Trickscooter und Skater.
Seit bald 15 Jahren verbinde ich jeden Herbst den Arztbesuch mit einem Stadtbummel, doch ich war immer noch nicht in den Meyerstollen, wo vor 200 Jahren unter den Strassen der Stadt die Industrialisierung begann. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken – ich freue mich schon jetzt aufs nächste Mal …

So könnte Ihr Tag in Aarau aussehen

Vormittag: Von der Bahnhofstrasse via Obertor durch die Altstadt schlendern. Das Stadtmuseum lohnt sich – nicht nur als Schlechtwettervariante.Mittag: Berühmt sind die «Falken»-Burger und die Haute Cuisine im «Beluga». Die «Laterne» verbindet bodenständige Küche und soziales Engagement.

Nachmittag: Ausflug zum Wildpark Roggenhausen, Besuch im Naturama oder im Kunsthaus. Zum Apéro ist «Waldmeier» eine gute Adresse.

Übernachten: B & B «Zum Graf», ein Haus aus dem frühen 14. Jahrhundert mitten in der Altstadt. 

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Alamy, Patrick Lüthy
Veröffentlicht:
Dienstag 06.06.2017, 10:00 Uhr

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