Unterhalb des Castelgrande locken auf der Piazza Collegiata Freiluftcafés zur Einkehr.

Ein Tag in Bellinzona

Kaki statt Christbaumkugeln, Risotto und Brasato statt Schniposa, die Wärme geniessen statt frieren … ein Spaziergang durch das «Tor zum Tessin».

Bellinzona im Winter. An der Piazza Collegiata hocken die Menschen an der Sonne und schlürfen Espressi. Durch die Altstadtgassen tönt lautes Lachen, an der Salita al Castelgrande blühen Kamelien. Und während man im nasskalten Norden Angst hat, dass einem der wolkenverhangene Himmel demnächst auf den Kopf fällt, liegt hier bereits das Versprechen des Frühlings in der Luft.

Dieses Nord-Süd-Gefälle ist ja nicht neu. Doch seit dem 11. Dezember lässt es sich dank des längsten und teuersten Lochs der Welt viel schneller überwinden. Jetzt, beim ersten Cappuccino am renovierten Bahnhof, blinzle ich in die Sonne und denke: Das Loch war jeden Rappen wert.

Burgen und Kirchen

Es grünt auf dem Castelgrande - selbst im Winter.

Es grünt auf dem Castelgrande - selbst im Winter.
Es grünt auf dem Castelgrande - selbst im Winter.

Wir entscheiden uns für den Weg zu den drei Festungsanlagen, vorbei an grünen Palmen und an Kakibäumen, deren Früchte wie Christbaumkugeln leuchten. Nach gut einer halben Stunde sind wir auf der Burg Sasso Corbaro. Die Aussicht geht hinein in die Täler, die zum Gotthard und zum San Bernardino führen, bis zum Maggiadelta und auf die Stadt mit ihren zahlreichen Bauten von Mario Botta, Luigi Snozzi oder Aurelio Galfetti. Von hier aus sieht man auch, dass Bellinzona die Stadt der Kirchen und Befestigungen ist: «Die drei Burgen wurden von den Mailänder Herzögen als Riegel gegen die Barbaren aus dem Norden gebaut», sagt die Stadtführerin Ruth Marty. Der Mächtigkeit der Wehranlagen nach zu urteilen hatte man im Tessin eine Heidenangst vor den Barbaren aus dem Norden. 

Aber aus den Barbaren sind Touristen geworden. Was manchmal aufs selbe rauskommt, aber das ist wieder eine andere Geschichte: «Bellinzona ist heute Geheimtipp und Tor zum Tessin für die Nordschweizer», erzählt Marty auf dem Weg vom Sasso Corbaro hinunter zur zweiten Burg, Montebello. Ein Geheimtipp nicht nur für Architekturfans. Sehenswert ist der Ort auch wegen der Gässchen, wegen des Stadttheaters, das der Mailänder Scala nachempfunden ist, der zweitgrössten Orgel der Schweiz mit ihren 2000 Pfeifen in der 500-jährigen Kirche Collegiata oder wegen der interessanten Dauer- und Wechselausstellungen auf den drei Burgen.

Historie und Gastronomie

Die Tessiner Kapitale bietet aber auch ein gutes gastronomisches Angebot.

Die Tessiner Kapitale bietet aber auch ein gutes gastronomisches Angebot.
Die Tessiner Kapitale bietet aber auch ein gutes gastronomisches Angebot.

Zu den wichtigsten Sakralbauten neben der Collegiata gehören die Kirchen San Biagio und Santa Maria delle Grazie. Auf Ersterer ist der Heilige Christophorus aufgemalt: «Er sollte die Gläubigen vor der Pest schützen», weiss Marty. Letztere zeigt auf dem sogenannten Lettner – der Unterteilung zwischen dem Raum für das einfache Volk und dem Abteil für die Mönche – das Leben Jesu von der Geburt bis zum Tod. Die beiden Kirchen liegen am Weg, der die drei Burgen miteinander verbindet. Aber ein Stadtplan ist trotzdem hilfreich und am Bahnhof erhältlich. 

Von der einen zur anderen Kirche läuft man am besten (und schönsten) durch den Park der Villa dei Cedri und lässt sich von Zedern, aber auch Bambus und mächtigen Rotbuchen beeindrucken. Unser Burgenweg dauert etwa zwei Stunden (aber es fahren auch Busse). Doch in jeder Burg gibt es Ausstellungen, Waffensammlungen, Filmbeiträge zur Geschichte Bellinzonas und weitere Attraktionen. Höhepunkt ist sicher das Castelgrande mit seinen weitverzweigten Wehrgängen.

Nach so viel Kultur und Historie meldet sich der Hunger, und das ist ein weiterer Grund, einen Tag in Bellinzona zu verweilen. Von den zahlreichen Trattorien, Grotti und Ristoranti haben wir uns für die Trattoria Cantinin dal Gatt in der Altstadt und für Risotto/Polenta mit Brasato di Manzo entschieden. Wir haben nix bereut: nicht den Tag in Bellinzona und auch nicht den Besuch im dal Gatt.

So könnte Ihr Tag in Bellinzona aussehen

  • Morgen: Spaziergang vom Bahnhof über die Überführung (Passerella), Bahnhof Nordseite, hinauf zu den Burgen Sasso Corbaro und Montebello, danach hinunter in die Altstadt.
  • Mittag: Aperitif in einer Bar im Freien, Mittagessen in der Trattoria Cantinin dal Gatt.
  • Nachmittag: Altstadt und Castelgrande (noch bis 8. Januar: grosse Krippenausstellung).
  • Spezialtipp: Am 18. Dezember findet in Bellinzona der grosse Weihnachtsmarkt statt. 
  • Tipp: Im Tourismusbüro am Bahnhof gibt es für fast jedes Interesse einen speziellen Führer. Wer es genauer wissen will, bucht eine Themenführung.

Infos zu den Wehranlagen

Die drei Burgen von Bellinzona und die Sforza-Mauer sind eines der beeindruckendsten und besterhaltenen Zeugnisse mittelalterlicher Architektur zur Verteidigung des Alpenbogens. Seit dem Jahr 2000 gehören Burgen, Mauer und die Stadtmauer von Bellinzona zum Weltkulturerbe der Unesco.

Erstmals besiedelt wurde der Hügel von Castelgrande rund 5500 Jahre vor Christi Geburt. Die Burganlage Montebello stammt aus dem 13. bis 14. Jahrhundert. Die Burg Sasso Corbaro wurde auf Befehl des Herzogs von Mailand im Jahr 1479 innerhalb von sechs Monaten erstellt.

Zur Webseite der Burgen von Bellinzona

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Infos zur Altstadt

Einen Besuch verdienen jedoch auch die Altstadt, eine der authentischsten im gesamten Tessin, und die Kirche Santa Maria delle Grazie aus dem 15. Jhd., in der ein grossartiges Renaissance-Fresko aufbewahrt ist, das eine ganze Wand einnimmt. Am besten besucht man Bellinzona am Samstagmorgen, Tag des beliebten Wochenmarkts. Hier findet man das Beste was die Tessiner Gastronomie zu bieten hat: Wurstwaren, Käse, Gemüse und das Marktbrot, das immer noch nach alten Rezepten hergestellt wird. Verschiedene Restaurants bieten günstige, typische Marktmenüs an (Marktzeitung Stadera, im Tourismusbüro am Bahnhof erhältlich).

Mehr zur Altstadt Bellinzonas
Cantininin dal Gatt

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Claudio Bader, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 12.12.2016, 14:18 Uhr

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