Ein Tag in Yverdon-les-Bains

Das Städtchen am Neuenburgersee ist ein Hort von Kultur, Kulinarik und Natur. Ein kleines Stück Frankreich – bloss viel näher.

Zögernd stemmt sich die Herbstsonne über den Neuenburgersee, besiegt den Nebel, lässt den Mont Blanc in der Ferne silbrig glitzern und schickt dann die ersten Strahlen in die Gassen der Altstadt von Yverdon-les-Bains. Vor genau einer Stunde war der Zug in Bern losgefahren und jetzt fühlt man sich schon fast wie in Frankreich: «Salut Gérard, kommst du auf einen Aperitif?», ruft einer seinem Bekannten zu. An der einen Ecke spielt einer auf dem Akkordeon eine Valse Musette, ein paar Querstrassen weiter intoniert ein anderer auf seiner Gitarre Joe Dassins «Aux Champs- Élysée». Und dazwischen wimmelt es von Bauern und Marktfahrern aus der ganzen Region. Die bauen jeden Donnerstag und Samstag ein mittleres Schlaraffenland auf.

Das Marktrecht übrigens hat das Städtchen von den Savoyern erhalten. Vor denen waren die Kelten und die Römer, nach ihnen die Burgunder, Berner und dann eben die Waadtländer da. Und alle haben sie den Ort geprägt. Asterix und Obelix etwa hätten ihre Freude an den bis fünf Meter hohen Menhiren am See; am Rand der Altstadt sind die Grundmauern des römischen Kastells sichtbar; von den Savoyern stammt das Schloss im Zentrum; die Berner haben das Strassennetz geprägt.

Kulturstadt

Eine eigentliche Hoch-Zeit hatte Yverdon dank des Salzhandels. Davon zeugen die zahlreichen mittelalterlichen und klassizistischen Häuserzeilen. Und Yverdon ist mit seinen zwei Theatern eigentlich eine Kulturstadt. 

Das berühmtere ist nach dem Yverdoner Schauspieler und Regisseur Benno Besson benannt, der 1974 mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet wurde. Einem anderen grossen Mann, Heinrich Pestalozzi, hat die Stadt eine noch grössere Statue und ein Museum im Schloss gewidmet, in dem der Humanist Taubstumme, Kinder aus ärmlichen Verhältnissen und Mädchen unterrichtete. 
Ebenfalls im Schloss ist das Historische Museum und das Schweizer Modemuseum untergebracht. Den Grundstock der Sammlung bilden die Archive des Yverdoner Modeschöpfers Robert Piguet. Der eröffnete 1933 seinen eigenen Salon und engagierte junge Stylisten wie Christian Dior oder Hubert de Givenchy. Der Zukunft ist das «Maison d’Ailleurs» gewidmet, ein Museum für Science Fiction und Utopie.

«Das kulinarische Herz der Schweiz schlägt in der Waadt», sagt Autor Paul Imhof, der das Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz erstellt hat. All die kleinen Restaurants in der Altstadt sind wie ein Beweis für Imhofs Behauptung und machen eine Entscheidung schwer. Wir kehren im «La Grenette» unweit des «Tempels» ein, wie man hier die Kathedrale nennt: Eglifilet, selbst gemachte Frites und eine Flasche Chasselas Concise Vieille Vigne, die nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem Schwimmbadverschnitt zu tun hat, für den der Chasselas früher bekannt war.

Natur à discrétion 

Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das einen Spaziergang wert. Den machen wir im Gebiet Grande Cariçaie. Das Naturreservat beherbergt 20 Prozent der Flachmoore und ein Viertel der Auengebiete der Schweiz und ist Heimat von mehr als 10 000 Tierarten.

Auf der Heimfahrt Richtung Osten versinkt die Sonne bereits wieder im Westen: Ein einziger Tag für so viel Kultur, Natur und Kulinarik ist eigentlich zu wenig.

 

So könnte Ihr Tag in Yverdon aussehen

Morgen
Durch Markt (jeweils Donnerstag und Samstag) und Altstadt schlendern. Besuch eines oder mehrerer der Museen.

Mittagessen

Im Restaurant La Grenette, bekannt für Seefisch.

Nachmittag
Menhir-Feld und Spaziergang in der Grande Cariçaie oder Wellness im Thermalbad.

Weitere Informationen

Von Yverdon zu Yverdon-les-Bains

Erst im Jahre 1982 wurde Yverdon offiziell in Yverdon-les-Bains umbenannt, weshalb der Ort häufig immer noch Yverdon genannt wird. Yverdon-les-Bains ist seit 1500 Jahren für die Qualität seines Thermalwassers bekannt: Die Temperatur der Schwefelquellen beträgt 29 Grad. Das Thermalzentrum mit seinen Bereichen für Schönheit, Fitness und Betreuung von Spitzensportlern, mit seinen drei Wasserbecken, zwei davon im Freien, seinen Jacuzzis und Massagedüsen bietet Besuchern wie Kurgästen Wohlbefinden und «Cocooning».

Zur Badewelt

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Pestalozzi-Museum

1804, zehn Monate nach der Gründung des Kantons Waadt, bat der Stadtrat von Yverdon-les-Bains Pestalozzi, sich hier niederzulassen. Man stellte ihm das Schloss unentgeltlich zur Verfügung, um darin zu wohnen und Bürgerkinder zu unterrichten. Endlich konnte Pestalozzi sein Lebensziel verwirklichen. Er ist 58 Jahre alt, hat eine für das Schicksal der Menschheit ganz entscheidende Epoche durchlebt, die kühnsten Träume davon übernommen und persönlich grosse Fehlschläge erlitten, bevor er einen neuen Weg einschlägt, den einzigen, der in seinen Augen eine Daseinsberechtigung hat: die Erziehung.

Zum Pestalozzi-Museum​

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Mode-Museum 

Das 1982 eröffnete Schweizer Modemuseum veranstaltet Wechselausstellungen und weitere Aktivitäten im Schloss von Yverdon-les-Bains. Den Grundstock der Sammlung bilden die Archive des Modeschöpfers Robert Piguet (geb. 1898 in Yverdon-les-Bains, gest. 1953 Lausanne), der in Paris seinen Haute-Couture-Salon (1933-1951) besass. Piguet, der zuerst für Paul Poiret und später im Modehaus Redfern arbeitete, eröffnete 1933 seinen eigenen Salon. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere beschäftigte er in seinem Modehaus in der französischen Hauptstadt mehr als 400 Personen. Zur Museumssammlung gehören rund 5000 Kleidungsstücke und Accessoires vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Zum Mode-Museum

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Olivier Evard
Veröffentlicht:
Montag 14.11.2016, 13:54 Uhr

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