Ein Tag in ... Brig

Das Walliser Städtchen, vom 22. bis 25. Juni Schauplatz des Eidgenössischen Jodlerfestes, beherbergte in seiner Geschichte grosse Persönlichkeiten.

Das Stockalperschloss – einst Herberge eines Grosskapitalisten und heute das Wahrzeichen Brigs.

Das Stockalperschloss – einst Herberge eines Grosskapitalisten und heute das Wahrzeichen Brigs.
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Die Katastrophe, die sich in Brig ereignete, ist schon über zwei Jahrzehnte her, doch Gabriela Imsand (59) hat «den Geruch des Schlammes noch heute in der Nase». Am 24.  September 1993 schwemmte die Saltina nach tagelangen Regenfällen riesige Steine und Baumstämme an, die den Durchgang bei der grossen Brücke verstopften und den Fluss über die Ufer treten liessen. Nun flossen die Wassermassen durch Brigs Innenstadt, brachten Zerstörung und forderten zwei Todesopfer. «So hoch standen Schlamm und Schutt», sagt Fremdenführerin Imsand und zeigt während ihres Rundganges durch Brig beim Sebastiansplatz an einer Hausfassade nach oben: In über zwei Metern Höhe erinnert ein kleines Schild an jenes dramatische Ereignis.

Beim Wiederaufbau erklärte die Stadtgemeinde einen ansehnlichen Teil des Stadtzentrums zur autofreien Zone. Heute lässt sich wunderbar durch Brig flanieren, vom Bahnhof bis zum Stockalperschloss. Gabriela Imsand, gebürtige Bündnerin aus dem Val Müstair, kam vor drei Jahrzehnten nach Brig und ist bis heute gerne hier geblieben. «Weil Brig zwar eine Stadt, aber nicht eine Grossstadt ist, und weil es viel südliches Flair verströmt.»

Im 17. Jahrhundert liess der Briger Kaspar Stockalper den Römerweg über den Simplonpass für Lasttiere trittfest machen und verlieh damit dem Handel mit Italien, aber auch seinen eigenen Unternehmungen einen gewaltigen Schub. Stockalper war der erste Walliser Grosskapitalist und scheute sich nicht, seinen Reichtum zur Schau zu stellen – besonders eindrücklich tat er dies mit dem Bau des Stockalperschlosses, dem grössten privaten Barockbau der Schweiz. Mit seinem vierstöckigen Hauptgebäude, den drei Türmen und einem dreistöckigen Arkadenhof gilt das Schloss heute als Wahrzeichen der Stadt.

Verarmt und verbittert gestorben

«Le roi du Simplon» nannte ihn der französische Herrscher Louis XIV. – und wie ein König führte er sich auch auf. «Das führte natürlich zu Neid», erzählt Gabriela Imsand, «und zu einer Anklageschrift in 16 Punkten.» Stockalper floh ins Exil nach Domodossola, kehrte nach fünf Jahren zurück und starb verarmt und verbittert mit 81 Jahren, was für damals ein hohes Alter, für ihn selber aber viel zu früh war. Schliesslich lautete sein Lebensmotto: «30 Jahre Ausbildung, 30 Jahre Aufbau, 30 Jahre Genuss.»

Die Geschichte von Brig, das heute zusammen mit Glis und Gamsen rund 13 000 Einwohner zählt, ist reich an grossen Persönlichkeiten, die hier lebten oder zumindest halt machten. So wie Ernest Guglielminetti (1862–1943), den das Walliser Städtchen zum Ehrenbürger ernannte. Der Arzt gilt als Erfinder des Strassen-Asphalts und erhielt den Namen «Dr. Goudron» (Französisch für «Teer»). Ihm zu Ehren steht auf dem scherbenreichen Saltinaplatz ein Denkmal. Oder César Ritz (1850–1918): Der spätere König der Hoteliers und Hotelier der Könige arbeitete in jungen Jahren als Kaffeekellner im Briger Nobelhotel «Couronne et Poste», wurde jedoch mangels Höflichkeit (!) entlassen. Das war sein Glück: Ritz ging nach Paris und machte Karriere.

Noch kein Denkmal gibt es für Gianni Infantino, den Fifa-Präsidenten, der in Brig aufgewachsen ist. Hingegen erinnert ein Gedenkbrunnen auf dem Sebastiansplatz an Geo Chavez (1887–1910). Der Peruaner nahm 1910 an einem Flugwettbewerb teil und überflog von Brig aus als erster Pilot die Alpen. Leider war er bei der Zwischenlandung in Domodossola weniger erfolgreich und verunglückte schwer; kurz darauf erlag er seinen Verletzungen. Der Gedenkbrunnen wurde 1993 nach der Überschwemmung originalgetreu wieder aufgebaut. Damit sich solch eine Katastrophe nicht noch einmal wiederholt, ergriff die Stadt Massnahmen. Dazu gehört, dass sich die grosse Brücke 2,8 Meter in die Höhe hieven lässt. «2000 floss gar noch mehr Wasser die Saltina runter als 1993», erzählt Gabriela Imsand. Zu Überschwemmungen kam es aber nicht mehr.

  • Vormittag: Führung durch das Stockalperschloss jeweils um 9.30 und 10.30 Uhr. Unbedingt Schlossgarten mit den vielen Rosen anschauen!
  • Mittag: Mittagessen im Arkadenhof des Restaurants Schlosskeller in der Briger Altstadt. Glace in der Gelateria Vorrei am Sebastiansplatz.
  • Nachmittag: Mit dem Postauto ins nahegelegene Brigerbad – das grösste Schweizer Thermalbad lockt mit Europas längster alpiner Rutschbahn.
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30. Eidgenössisches Jodlerfest

Dieses findet vom 22. bis 25. Juni in Brig statt. Coop ist Vorjodler-Partner und mit zahlreichen Aktionen vor Ort präsent – zum Beispiel mit einer Postkarten-Fotostation in der Jodlermeile oder einem Pro-Montagna-Chalet im Jodlerdorf.

www.coop.ch/jodlerfest2017

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Andreas W. Schmid

Redaktor

Foto:
Thomas Andenmatten
Veröffentlicht:
Montag 19.06.2017, 09:21 Uhr

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