Sinnesfreuden: Weine werden zuerst mit Auge und Nase entdeckt.

Ein Versprechen

Seit bald zwei Jahrhunderten gehört die Leidenschaft der Familie Bichot dem Wein. Den Jahrgang 2015 des Traditionshauses kann man nun vorbestellen.

«Salut Meme», «Bonjour Dédé» oder «Ça va, Gaston?». So oder ähnlich tönt es häufig am Samstagmorgen auf dem Markt von Beaune. Man kennt sich. Und einer, der sich zwischen den Marktständen der Bauern, Metzger, Käsehändler oder Bäcker umtut, und sich hier und da etwas empfehlen lässt, ist Albéric Bichot. Seit 1990 ist der 51-Jährige in sechster Generation Präsident des 1831 gegründeten Familienunternehmens Albert Bichot in Beaune. Mit seiner Frau und den drei Kindern lebt er unweit der Stadt auf der Domaine du Pavillon in Pommard. «Wenn ich nicht gerade für die Firma unterwegs bin, lasse ich mir das Vergnügen des Marktbesuchs am Samstag nicht nehmen. Ich treffe Freunde, diskutiere und natürlich gehört dann auch ein Gläschen zum Apéro dazu», erzählt der weit gereiste Burgunder.

Klein-Klein-Struktur

Bei unserem Gespräch blickt er zuerst kurz in die Vergangenheit: «Die Familie hat dreimal alle ihre Reben verloren. Zwischen 1875 und 1890 bei der Reblausplage, dann im Ersten und nochmals im Zweiten Weltkrieg.» Immer aber hätten sich die Bichots aufgerafft, die Rebberge wieder bepflanzt und gepflegt. Zwischen 6 und 10 Hektaren waren es früher, heute sind 104 Hektaren in Eigenbesitz. Davon sind 13 Hektaren als Grand Cru und 26 Hektaren als Premiers Crus klassiert. Meist teilen sich im Burgund unterschiedliche Besitzer die guten Lagen. Das hat zur Folge, dass auch die Reben der Domaines Albert Bichot auf 103 verschiedene Parzellen aufgeteilt sind. Darunter finden sich bekannte Namen wie Echezeaux, Richebourg, Chambertin, Corton, Pommard und Vosne-Romanée. Diese «Klein-Klein-Struktur» ist denn auch der Grund, dass die Burgunderweine sehr verschieden sein können. So kann ein Gevrey-Chambertin eher mineralisch-animalisch munden, ein Beaune frisch-fruchtig und ein Pommard wiederum kräftig-elegant. Je nach Terroir eben.

Komplizenschaft

Für die heutige durchschnittliche Jahresmenge von rund zwei Millionen Flaschen, je hälftig Rot- und Weissweine, kauft Bichot noch Trauben dazu. Die Qualität bestimmt jedoch die Domaines Bichot und auf den Etiketten wird genau ersichtlich, von wo die Trauben kommen. Rund zwei Drittel aller Weine werden exportiert. Verantwortlich für die gesamte Produktion vom Rebberg bis zur Flasche ist der Önologe und technische Direktor Alain Serveau. «Mein Komplize», nennt ihn Albéric Bichot. Seit über 20 Jahren seien sie «ein professionelles Gespann» und hätten fast täglich Kontakt miteinander. «Alain kennt jeden Winzer und jeden Rebberg und ist ständig unterwegs.» Gerade beim Kauf von Trauben sei regelmässiger Kontakt und vor allem grosses Vertrauen wichtig, betont der Patron. So sorge Serveau auch für Konkurrenz zwischen den Verantwortlichen der einzelnen Domaines. «Es möchte ja jeder der Beste sein.» Das garantiere hohe Qualität vom einfachen Village-Wein bis hin zu den Premier- und Grand-Cru-Tropfen.

Optimaler Jahrgang

Beim Jahrgang 2015 ist es laut Albéric Bichot noch früh für ein definitives Urteil. Doch klimatisch hätten im Burgund fast optimale Bedingungen geherrscht. «Bei Fassproben stellen wir eine schöne Balance von Reife, Säure, Frucht und Tanninen fest. Und wenn wir gute Arbeit leisten, kann es ein Super-Jahrgang werden.» Sagts, und freut sich auf seinen nächsten Aufenthalt an seinem «Kraftort», an dem er ab und zu Erholung sucht und seine Gedanken ordnet: «In die Cabotte Albert Bichot, das ist ein einfaches Rebhäuschen im Clos de Mouches bei Beaune, einer Premier-Cru-Lage, ziehe ich mich gerne zurück. Ein Baguette, ein Glas Wein und den Sonnenuntergang als Begleiter – es gibt kaum etwas Schöneres», schwärmt er.

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Alamy, zVg
Veröffentlicht:
Montag 07.03.2016, 00:00 Uhr

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