Ein Wort mit «Q»: Quinoa

Wie man beim Scrabble so ganz nebenbei sein Allgemeinwissen erweitern kann – oder wie Grosi lernte, was Quinoa ist.

Ein Wort mit dem Anfangsbuchstaben «Q». «Quinoa!», platzt mein leidenschaftlicher Mitspieler heraus. Wir spielen zu dritt Scrabble, jenes Wortspiel, wo jeder Spieler aus einer bestimmten Anzahl Buchstaben ganze Wörter zusammenstellen muss, die dann wie bei einem Kreuzworträtsel ausgelegt werden. Ole heisst mein jüngerer Mitspieler, er ist neun Jahre alt. In Anbetracht eines «Qs» wird sein Ehrgeiz mächtig gekitzelt, denn mit einem einzigen «Q» hat man schon 10 Punkte gemacht. Er grübelt und grübelt.

Plötzlich strahlt er und legt das Wort «Quinoa». «Quinoa – das gibt es nicht», sagt Grossmutter (76) bestimmt. Das Grosi ist die dritte und älteste Mitspielerin in unserer Runde. Ihr Ton stellt gleich einmal eines klar: Sie war Lehrerin, wird es immer bleiben und sie weiss einfach alles (besser). Letztes Jahr hatte sie allerdings einen kleinen Hirnschlag, seither findet sie die Worte nicht mehr so selbstverständlich, verwechselt die Namen all ihrer Lieben und lässt regelmässig die Herdplatten brennen. Doch wenn es ums Scrabbeln geht, sind alle Wehwehchen wie weggeblasen und sie ist mit mindestens so viel Leidenschaft bei der Sache wie Ole.

Ole stutzt. Er muss kurz überlegen. Es ist noch nicht vorgekommen, dass er ein Wort kennt, das sein Grosi noch nie gehört hat. Fragend schaut er mich an. Ich schmunzle und frage: «Na, weisst du denn auch, was Quinoa ist?» Er springt vom Hocker. Jetzt hat er es wieder. «Quinoa sind diese Wunderkörner, nicht Griess oder Amarant, sondern eben QUINOA. Wir essen die Körner zum Müesli oder auch mit Gemüse.» Er wartet ab, ob es bei Grossmutter zündet. Tut es aber nicht. Seit ihrem Hirnschlag schaut sie in für sie unverständlichen Situationen immer sehr hilflos drein. Ole kapiert das sofort. «Ach Grosilein», sagt er zärtlich:«Quinoa hat es zu deiner Zeit einfach noch nicht gegeben. Das ist eben zu modern für dich.» Er will sie beruhigen, Grosis Gesichtsausdruck entspannt sich. Jetzt aber kann er einmal etwas seiner Grossmutter erklären und der 9-jährige Knirps legt los:

«Quinoa kommt aus Südamerika. Früher haben die Menschen dort ganz viel Quinoa gegessen. Für die Inkas war es nämlich ein Zauberkorn. Es war sooo gesund und hatte bestimmt so magische Kräfte wie der Zaubertrank von Asterix. Das war dem portugiesischen Eroberer Hernán Cortés richtig unheimlich und er hat es unter Todesstrafe verboten.»

«Cortes? Wann war denn das, Ole?» Oma hat ihre Lehrerinnenrolle wieder- gefunden. – «Hei Grosilein, du bist doch nicht meine Lehrerin! Also, im 16. Jahrhundert, als er sich Länder in Südamerika unter den Nagel gerissen hat. Zumindest esse ich es gerne. Es macht sehr gross, stark und schlau, sagt Mama.» – «Ja, das merkt man, mein lieber Ole!» Grosi nimmt ihren kleinen Enkel in den Arm. «Du bist mir einfach zu klug geworden.» Ole nimmt seine Buchstaben und legt das Wort Quinoa auf das Spielbrett.

http://www.coopzeitung.ch/Ein+Wort+mit+_Q_+Quinoa Ein Wort mit «Q»: Quinoa

Quinoa-Gemüse-Salat

Zubereitung

150 g Quinoa in 3,5 dl Bouillon ca. 15 Min. bei kleiner Hitze ausquellen lassen. 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe fein hacken, 1 gelbe Peperoni sowie 1 Zucchini in Streifen schneiden und alles kurz zusammen im Olivenöl knackig braten, mit Salz und Pfeffer würzen und mit einer handvoll geviertelten Cherrytomaten und frisch gehackter Petersilie unter die abgekühlte Quinoa mischen. Mit etwas weissem Balsamico-Essig und Oliuvenöl je nach Gusto abschmecken.

Das Wunderkorn

Quinoa gibt es in Südamerika schon seit 6000 Jahren. Es wird sogar oberhalb von 4000 Metern angebaut. Botanisch gehört es nicht wie andere Getreidesorten zu den echten Getreiden, da es nicht zur Familie der Gräser, sondern zu den Fuchsschwanzgewächsen zählt und mehr mit Spinat und Mangold verwandt ist als mit anderen Getreiden. Wie Amarant ist auch Quinoa glutenfrei und wird als «Pseudogetreide» bezeichnet. Die senfkorngrossen, weissen, schwarzen und roten Körner zählen zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt, da sie besonders reich an Eiweissen und essenziellen Aminosäuren sind, mit einem hohen Gehalt an Kalzium, Zink und Magnesium.

(Quelle/vgl. dazu: Erica Bänziger: «Das andere Getreide» – glutenfrei kochen mit Quinoa, Amarant und Co., Fr. 34.–, Fona Verlag, im Buchhandel erhältlich.)

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Freitag 09.08.2013, 16:23 Uhr

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