Ein neues Dreamteam?

Sie: «Was, ihr seid seit zehn Jahren verheiratet? Das müsst ihr feiern!» Unsere Töchter überraschten uns darum vor einigen Wochen mit einem romantischen Garten-Dinner unterm Apfelbaum. So kamen wir zum schönsten tête-à-tête unserer Ehe. Als wir pappsatt in der Wiese lagen und über uns die Sterne funkelten, sagte ich zu Schneider: «Wir haben nie eine Hochzeitsreise gemacht. Wollen wir das nicht zu unserem Jubiläum nachholen? Die Mädchen möchten in den Herbstferien ja sowieso nicht mit uns verreisen.»
Schneider seufzte damals und sagte, er kümmere sich darum. Jetzt sitzt er im Arbeitszimmer und ruft mich: «Komm, was hältst du davon?»
Ich gehe hin und blicke über seine Schulter in den Computer: Er will ein Hotel in Venedig buchen.

 
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Was er aber auch gelesen hat: Ferien zu machen erfüllt einen nicht in gleichem Masse mit Glück, wie Ferien zu planen. Die Vorfreude ist meistens grösser als das kleine Hotelzimmer mit der durchgelegenen Matratze. 

«

Venedig! Kunst, Kultur, Romantik! Sofort buchen!»

Venedig! Kunst, Kultur, Kulinarik! «Jaaa!», rufe ich. «Sofort buchen!»
Er nickt und gibt die Anzahl Nächte ein.
«Zwei? Du willst für zwei Nächte nach Venedig?»
«Wieso, meinst du, eine würde reichen?», antwortet er.
Ich fasse es nicht: «Drei Nächte! Hey, das ist unsere Hochzeitsreise. Da sparen wir nicht!»
Schneider seufzt. Er sträubt sich. Wogegen, will ich jetzt nicht fragen, denn ich habe jetzt grad gar keine Lust auf eine womöglich unromantische Antwort.

Er: Drei Nächte, denke ich, das ist lang. «Weisst du wie schön? Drei köstliche Abendessen mit Wein und guten Gesprächen in der romantischsten Stadt der Welt», schwärmt Schreiber. Gute Gespräche, denke ich, die haben wir doch eigentlich immer, die müssen wir nicht planen. Und irgendwie weiss ich auch schon alles über Schreiber, ich kenne sie ja über zwanzig Jahre. 
 

«

Mir geht das alles viel zu schnell.»

Soviel Neues haben wir uns da auch nicht zu erzählen.
«Es ist übrigens auch noch grad Biennale. Und weisst du, worauf ich mich am meisten freue?», fährt sie auf ihrem Überzeugungsfeldzug, möglichst lange in Venedig zu bleiben, fort, «dass wir uns einfach mal nur mit uns beschäftigen können.»
Eben. Nur wir zwei: Vielleicht stellt sie sich da ein wenig zu viel vor. Das müssen wir doch erst wieder lernen, länger allein unterwegs zu sein. Wie sehr habe ich mich an unsere Familienferien gewöhnt, wenn Schreiber das Auto mit Essen füllt, die Kinder hinten schlafen und unser Hund friedlich furzt. Die Familie ist mein Dreamteam. Mit ihr allein, das können wir ja später noch ganz lange…– «Woran denkst du?», unterbricht Schreiber meine Gedankenreise. «Dass mir das alles viel zu schnell geht.» «Dann machen wir vier Nächte, kein Problem.»

 (Coopzeitung Nr. 40/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 21.09.2015, 18:57 Uhr

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