Eine Schule für alle

Seit 2006 baut die Schweizer Stiftung «bioRe» Schulen in Indien. Nun haben die ersten Schülerinnen und Schüler dort ihre obligatorische Schulzeit beendet.

http://www.coopzeitung.ch/Eine+Schule+fuer+alle Eine Schule für alle

Basanti Sisodiga und Payanka Nigwal haben in den von «bioRe» erbauten Schulen ihre gesamte Schulzeit verbracht. Sie gehören zur ersten Generation von Schülerinnen und Schülern, die ausschliesslich in diesen Schulen ausgebildet wurden. Heute besuchen die beiden 17-Jährigen eine weiterführende Schule. «Ich möchte Krankenschwester werden», berichtet Basanti. «Und ich Ärztin», sagt Payanka und ergänzt – mit Blick zu ihrem Vater, der sie hierhergefahren hat: «Oder Lehrerin hier an der Schule, falls das nicht möglich ist.» Denn sie weiss: Ein Medizinstudium dauert lange und ist teuer. Für ihre Eltern, die Baumwollbauern sind, ist das zweifellos unerschwinglich.

In Indien können nur rund 70 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben. Auch wenn es aufgrund fehlender Daten keine genaue Schätzung gibt, weiss man, dass diese Zahl in ländlichen Gegenden noch geringer ist als in den Städten. Ausserdem sind mehr Frauen vom Analphabetismus betroffen als Männer. Die Mütter von Basanti und Payanka können beide nicht lesen und schreiben, während ihre Väter eine mit unserer Primar- oder gar Sekundarschule vergleichbare Schule besuchen konnten. Die beiden Mädchen stehen folglich für die Zukunft Indiens und ihrer Region, für mehr Gerechtigkeit und bessere Ausbildung.

http://www.coopzeitung.ch/Eine+Schule+fuer+alle Eine Schule für alle
«

Ohne den Willen aller Beteiligten ist es unmöglich, Dinge zu verändern.»

Patrick Hohlmann (69), Gründer von «bioRe»

Ein Gewinn für alle

Der Kampf gegen Analphabetismus ist für die Stiftung «bioRe» eine grosse Herausforderung. «Es war manchmal schwierig, die Analphabeten von der Notwendigkeit einer Schule zu überzeugen», erklärt Patrick Hohmann (69), der das Projekt ins Leben gerufen hat. «Deshalb müssen die Dorfbewohner eine Fläche für den Bau der Schule zur Verfügung stellen. Es muss ihre Entscheidung sein; sie müssen sich einbringen und an das Projekt glauben. Ohne den Willen aller Beteiligten ist es unmöglich, Dinge zu verändern.»

Neben der Unterstützung der betroffenen Menschen spielt für «bioRe» auch die schulische Ausbildung der Baumwollbauern eine wichtige Rolle. Denn die Stiftung treibt neben ihren Sozialprojekten auch den Anbau von Bio-Baumwolle ohne gentechnisch veränderte Organismen (GVO) voran – vor allem für das Label Naturaline. «Es ist schwieriger, Bauern, die Analphabeten sind, die Herausforderungen in Zusammenhang mit den GVO und dem Bio-landanbau näherzubringen und sie in dieser Richtung auszubilden, als wenn sie lesen und schreiben können», weiss Hohmann.

«bioRe» baut zwei unterschiedliche Arten von Schulen: die sogenannten Animationsklassen – eine Art Kindergarten – für die ganz Kleinen und den School Campus von Kasrawad für die älteren Kinder und Jugendlichen. Das 2014 erbaute und mit 400 000 Franken durch Coop finanzierte Schulzentrum beherbergt zehn Primar- und Sekundarschulklassen. Etwa 600 Schülerinnen und Schüler gehen hier derzeit zur Schule. Rund hundert von ihnen stammen aus den Animationsklassen.

Zusätzlich zu den vom indischen Staat auferlegten Pflichtfächern wie Mathe, Hindi oder Englisch haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, praktische Fächer zu belegen, vergleichbar mit unseren Berufslehren. Sie können dabei zwischen Elektriker, Mechaniker, Modedesign, Biolandanbau und Informatik wählen. Die so erworbenen praktischen Kenntnisse werden ihnen im Alltag nützlich sein und ihnen helfen, Arbeit zu finden.
Die Betriebskosten des Campus belaufen sich auf 100 000 Franken pro Jahr. Sie werden über die Schul- bzw. Berufsbildungskosten finanziert. «bioRe» plant den Bau zweier weiterer Campus.

Beispiel für Solidarität

Seit 2006 wurden in den Dörfern 18 Animationsschulen errichtet, vier davon mit der Unterstützung von Coop. «bioRe» und ihre Unterstützer finanzieren den Bau der Schulen sowie deren Betriebskosten von rund 6000 Franken pro Jahr. Die Schulkosten pro Kind belaufen sich auf 100 Franken pro Jahr (siehe Box).

In diesem Jahr besuchen fast 1200 Kinder die Kindergärten. Unterrichtet werden sie von etwa 30 Lehrpersonen, was eine Klassengrösse von rund 40 Schülern ergibt. Ein breites Lächeln zeigt sich auf Patrick Hohmanns Gesicht, wenn er einen Klassenraum voller Kinder betritt, die ihre Lehrerin umringen.

Übrigens: Die Schulen und der Campus von «bioRe» stehen allen Kindern der Region offen, nicht nur jenen, deren Eltern Bio-Baumwolle anbauen. Ein schönes Beispiel für Solidarität.

  

Ein Schuljahr schenken

In der von «bioRe» und Coop gegründeten Schule können die Schülerinnen und Schüler auch praktische Fächer wie Modedesign belegen.

In der von «bioRe» und Coop gegründeten Schule können die Schülerinnen und Schüler auch praktische Fächer wie Modedesign belegen.
http://www.coopzeitung.ch/Eine+Schule+fuer+alle In der von «bioRe» und Coop gegründeten Schule können die Schülerinnen und Schüler auch praktische Fächer wie Modedesign belegen.

Die 1997 von Coop und dem Textilhandelsunternehmen Remei gegründete Stiftung «bioRe» will die Lebensbedingungen von Bauernfamilien in Indien und Tansania verbessern. Sie fördert den Anbau von Bio-Baumwolle ohne GVO zusammen mit den lokalen Akteuren und hat sich der Entwicklung sozialer Aktionen verschrieben (Schulen, Ärzte, sanitäre Einrichtungen …).
Mit 100 Franken ermöglichen Sie einem Kind den Schulbesuch für ein Jahr. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk!

www.biore-stiftung.ch

Hier finden Sie die Tat Nr. 269
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Text:
Gilles Mauron
Foto:
Faeroj Sheik, bioRe
Veröffentlicht:
Montag 11.12.2017, 10:00 Uhr

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?