Die alte Hündin strafte alle Erwartungen Lügen und lebte noch lange.

Eine rüstige Rentnerin

Dana leidet an mehreren Tumoren. Die Hündin ist schon alt, ihre Lebenserwartung nicht mehr sehr hoch. Doch dann kommt alles ganz anders.

Die Hündin Dana hechelte stark. Sie stand auf meinem Praxistisch. Dann schloss sich ihr Maul und sie schaute mich argwöhnisch an. Ein dumpfes Knurren ertönte. Schnell zog ich meine Hand zurück und Dana hechelte weiter. An ihrer Milchleiste waren mehrere Knoten. Sie hingen wie eine Perlenkette hintereinander und zogen sich in Richtung des Lymphknotens. Die Besitzer hielten Dana noch einmal fest und ich untersuchte weitere Lymphknoten. Einer schien tatsächlich dicker zu sein. Gerade bei unkastrierten und spät kastrierten Hündinnen entstehen oft Tumoren an der Milchleiste.

Dana wurde wieder losgelassen und hechelte weiter. Dann hüpfte sie vom Tisch, denn jetzt hatte sie genug von meinen Untersuchungen. Ich seufzte. «Dana ist inzwischen eine alte Hündin. Sie hat ihre Lebenserwartung erreicht. Und sie hat Brustkrebs.» Dann erklärte ich den Besitzern alle Möglichkeiten, die sie hatten. Röntgen, um Ableger zu finden. Eine grosse Operation oder nichts tun, das Leben geniessen und bei Bedarf mit Schmerzmitteln arbeiten.
Lange Zeit sah ich Dana nicht mehr. Die Besitzer hatten sich entschlossen, mit ihr das Alter zu geniessen und sie nicht operieren zu lassen. Nach einem Jahr aber stand Dana wieder auf dem Tisch. «Sie müssen nur diesen offenen Knoten entfernen. Sonst geht es Dana nämlich sehr gut!», meinte der Besitzer. Ich zögerte. Dana war ein sehr alter Hund und bekanntlich half solch eine Operation nicht. Er streichelte Dana, zog aber bei deren Knurren schnell die Hand zurück.

Also operierte ich die Hündin. Vorsichtig versuchte ich, den wunden Knoten zu entfernen. Inzwischen war die gesamte Milchleiste von verschieden gros-sen Knoten überzogen. Kurz nachdem sie erwacht war, trabte Dana schon ihrem Herrchen nach. Ihr Bauchverband leuchtete weiss in ihrem roten Fell und die geschorene Fläche glänzte rosarot. Später, beim Fädenziehen, war Dana knurrig wie immer. Doch sie hatte jetzt keine offene Wunde mehr.
Nach weiteren zwei Jahren sah ich Dana zufälligerweise in der Stadt. Die Hundedame war inzwischen sehr alt und trottete ihrem Herrchen nach, wollte aber immer wieder die Enten jagen. Er lachte: «Da sehen Sie, was die Statistiken über Lebenserwartung und Tumorverlauf aussagen. Dana hat beide bereits überlebt und ist immer noch rüstig!» Tatsächlich, wenn man genau hinsah, erkannte man im langen, roten Fell die Tumoren.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 22.07.2013, 12:29 Uhr

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