Die Extrem-Triathletin Daniela Ryf (30) siegt und siegt und siegt. Das genügt ihr nicht: Sie will über ihre Grenzen hinauswachsen.

Eiserne Lady

Die Extrem-Triathletin Daniela Ryf (30) siegt und siegt und siegt. Das genügt ihr nicht: Sie will über ihre Grenzen hinauswachsen.

«Nach dem Ironman verzichte ich beim Essen auf nichts.»

«Nach dem Ironman verzichte ich beim Essen auf nichts.»
http://www.coopzeitung.ch/Eiserne+Lady «Nach dem Ironman verzichte ich beim Essen auf nichts.»

Daniela Ryf, wir treffen Sie an Ihrem Wohnort in Solothurn an der Aare. Sind Sie zu unserem Gespräch mit dem Velo gekommen, gelaufen oder geschwommen?
Ich muss Sie leider enttäuschen, ich bin in meinem Mercedes hierhergefahren. (Lacht.) Heute Morgen habe ich schon zwei intensive Trainingsstunden auf dem Laufband verbracht, deshalb war ich etwas spät dran. In solchen Fällen nehme ich ehrlich gesagt lieber das Auto. Ich gehöre nicht zu denen, die überallhin in Laufschuhen hinspurten.

Und doch tragen Sie heute Laufschuhe!
Da ging es mehr um den Casual Style, das sind keine richtigen Laufschuhe.

Was macht die Faszination der drei Triathlon-Disziplinen aus?
Ich möchte stets dazulernen, wie ich meinen Köper in seine optimale Form bringen kann, damit ich in der Lage bin, in allen drei Disziplinen das Beste aus mir herauszuholen. Jeder von uns kann mit seinem Körper tun und lassen, was er will. Der eine sitzt lieber den ganzen Tag herum, der andere trainiert lieber. Mich fasziniert es, meinen Körper im Training leistungsmässig auf ein hohes Niveau zu heben, ihn gewissermassen zu «tunen». Das Training ist sicher der schwierigste und wichtigste Teil meines Jobs. Das Rennen selber ist dann so etwas wie das Dessert, das Freude bereitet.

Das ist für einen Aussenstehenden schwer vorstellbar, angesichts der  happigen Distanzen mit 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Velo fahren und 42,195 Kilometer rennen.
Um ehrlich zu sein, es ist tatsächlich nicht immer ein Spass. Die Distanzen sind halt schon sehr lang. Da muss man sich ziemlich überwinden, um bis am Schluss durchzuhalten und alles aus sich herauszuholen. Es ist mein Glück, dass ich immer stärker werde, je länger die Strecken sind. Denn beim Ironman hängt alles davon ab, ob man die letzten zwei Stunden durchzuhalten vermag oder nicht. Also gebe ich Vollgas. Ich sage mir: Je früher ich ins Ziel komme und meinen Arbeitstag beenden kann, desto besser.

So ein Ironman dauert neun Stunden. Ist man während des ganzen Rennens gedanklich immer voll bei der Sache?
Man hat genug zu tun auf der Strecke. Es gibt viele kleine Details, an die man denken muss. Da du unterwegs mit niemandem sprichst, ist es wichtig, dass du deinen Geist beschäftigst. Diese Einsamkeit kann gerade bei intensiver Belastung schwierig sein. Dann musst du dich halt selber motivieren, zum Beispiel mit der nächsten Verpflegungsstation.

«

Mein Training ist kein Kaffeekränzchen.»

Ganz schön anspruchsvoll, so ein Ironman.
Genau. Der Ironman ist nicht nur Wettkampf, er ist auch Lebensschule. Er zeigt dir, wie du in Extremsituationen reagierst und sie positiv sehen kannst. Ich verstehe allerdings, dass er für die Zuschauer langweilig wirken kann. (Lacht.)

Im Dokumentarfilm «Two Fast», der im Mai erschien, sieht man, wie Sie an Ihre Grenzen gehen.
«Train hard, win easy», sagte mein früherer Coach. Für mich galt das damals allerdings nicht: Die Siege fielen mir nie leicht. Dafür trainierte ich schon immer hart. Ich weiss, dass es das braucht, um besser zu sein als die Konkurrenten. Mein Coach muss mich manchmal sogar eher bremsen. Aber indem ich im Training leide, muss ich weniger im Wettkampf untendurch.

Wie finden Sie den Film?
Es ist hochinteressant, das alles einmal von aussen zu betrachten. Ich wirke im Film viel härter, als ich im täglichen Leben wirklich bin. Mein Training ist kein Kaffeekränzchen. Gleichzeitig kann ich Ihnen aber versichern, dass es auch die Daniela gibt, die gerne mal einen Kaffee trinken geht. Spannend im Film war auch der Austausch mit Natascha Badmann, die mich inspiriert. Ich kenne niemanden, der den Sport so liebt wie sie. Ich glaube allerdings nicht, dass ich mit fast 50 Jahren noch fähig sein werde, an einem Ironman teilzunehmen, wie sie das getan hat. Ich bewundere auch all die Teilnehmer, die einen Ironman in zwölf oder vielleicht gar nach sechzehn Stunden beenden. Ich könnte mir nie vorstellen, einen Effort so lange durchzuziehen. Nach meiner Profi-Karriere ist definitiv Schluss mit den Wettkämpfen.

Sie haben auch den Spitznamen «Angry Bird». Weshalb?
«Angry Bird» kommt von dem Gesichtsausdruck, den ich habe, wenn ich trainiere und auf ein Ziel konzentriert bin. Ich gucke dann immer richtig böse in die Welt. Aber keine Angst, ich bin nicht ständig wütend!

Wo sind Ihre Grenzen?
Du kannst es immer besser machen. Wenn du es nicht versuchst, wirst du sofort bestraft und schlechter. Deshalb gilt für mich die Devise: Ich möchte nicht zu schnell zufrieden mit mir sein. Es war Anfang Saison nicht unbedingt zu erwarten, dass Roger Federer noch zwei weitere Grand-Slam-Titel holen würde. Viele sagten, er sei an seine Grenzen gestossen. Er aber hat das Gegenteil bewiesen! Wie ein «Angry Bird» muss man sich frei machen und losfliegen – frei auch im Kopf, ohne zu sehr an seine Grenzen zu denken.

Woher rührt diese eiserne Disziplin, die Sie auszeichnet?
Habe ich wirklich so eine eiserne Disziplin? Ich bin nicht so stark, wie ich wirke. Es gibt auch viele Tage, an denen ich zu meinem Coach sage, dass ich nicht mehr kann. Dann ist er es, der mich antreibt. Der Sport wurde mir praktisch in die Wiege gelegt: Mein Vater ist Bergführer, meine Mutter Marathonläuferin. Mit ihnen habe ich mich immer gerne bewegt. Und auch meine Freunde sind sportlich.

Sie sagten vorhin, der Wettkampf sei das Dessert. Was kommt danach?
Danach muss die ganze Anstrengung erst einmal ver-daut werden! (Lacht.) Im Training bist du manchmal sehr isoliert, niemand sieht dich und niemand applaudiert. Aber auch das mag ich – wenn ich etwas ganz alleine für mich tue. Im Wettkampf zu zeigen, was ich im Stillen vorbereitet habe, ist etwas Schönes – eben wie ein feines
Dessert, das Sie Ihren Gästen servieren.

Man merkt, dass Sie Lebensmitteltechnologie studiert haben.
Verstehen, wie Lebensmittel entstehen und von der Produktion über die Verpackung bis ins Supermarktregal gelangen, finde ich sehr spannend. Wenn ich im Ausland bin, stöbere ich gerne in den Läden nach den Produkten und Spezialitäten des jeweiligen Landes. Ich habe immer ganz viele Ideen, was man mit ihnen machen könnte. Gerade in der frischen, gesunden Sportlernahrung steckt so viel Potenzial. Es müssen nicht immer Riegel sein. Ja, ich könnte mir gut vorstellen, als Produktmanagerin zu arbeiten.

Was essen Sie nach einem Ironman?
Ich verzichte auf nichts. Beim Sport schwitze ich so viel, dass ich danach etwas Salziges brauche: einen Burger oder Trockenfleisch, einen Salat, Pommes frites, Chips, einfach alles. Vor dem Rennen gibt es Glace, Bonbons oder auch eine Tafel Schokolade. Dann muss ich Energie tanken!

Kochen Sie gerne?
Ja, aber es muss schnell gehen. Wenn ich nach dem Training nach Hause komme, muss innerhalb von 15 Minuten etwas auf dem Tisch stehen. Ich käme nie auf die Idee, drei Stunden lang in der Küche zu stehen. Lieber bereite ich etwas im Wok zu.

  

Dok-Film: Two Fast

«Two Fast», der Mitte Mai 2017 erschienen ist, reflektiert die unglaublichen Triathlonkarrieren von Daniela Ryf (30) und ihrer Vorgängerin Natascha Badmann (50). Während Ryf seit zwei Jahren die Ironman-Distanz fast nach Belieben dominiert und am 14. Oktober in Hawaii das Triple holen will, gewann Badmann diesen sechs Mal

Zur Homepage von Daniela Ryf

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