Frauen frieren in der Regel schneller als Männer.

Eiszeit – der Frust mit dem Frost

Frierst du noch oder wärmst du dich schon? Kalte Hände und Füsse können einem im Winter das Leben ganz schön schwer machen. Erste Hilfe für «Gfrörli».

Wenn einen manche Leute mit Handschlag begrüssen, bekommt man einen regelrechten Kälteschock. Und nicht nur deren Hände sind eiskalt. Der medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» zufolge soll die Haut von Frauen durchschnittlich 2,8 Grad Celsius kälter sein als jene von Männern.

Kein Wunder also, dass Frauen auch öfter kalte Hände und Füsse haben als Männer. In der kalten Jahreszeit verstärkt sich das Problem noch. «Dabei handelt sich aber nicht um Durch-
blutungsstörungen, sondern um eine natürliche Reaktion des Körpers auf winterliche Temperaturen», erklärt Regina Tremp, eidgenössisch diplomierte Apothekerin und Geschäftsführerin der Coop-Vitality-Apotheke in Thalwil ZH. «Das Nervensystem erkennt die kalten Temperaturen und leitet ein Signal ans Gehirn weiter, welches verschiedene Mechanismen aktiviert, um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.» Eine dieser Schutzmassnahmen besteht in der Gefässverengung in den Extremitäten. Der Sinn der Sache: In Armen und Beinen wird so weniger wärmendes Blut gebraucht und der Körper kann sich auf die Funktion und den Schutz lebenswichtiger Organe wie Herz, Hirn oder Lunge konzentrieren.

«

Ältere Menschen leiden öfter unter Kälte.»

Regina Tremp, Apothekerin

Alkohol ist übrigens kein gutes Mittel gegen Eishände und -füsse. Zwar erweitert er die Blutgefässe und sorgt darum kurzzeitig tatsächlich für einen Wärmeschub. Gleichzeitig wird aber so den Organen die Wärme entzogen, die dann nicht mehr ausreichend versorgt sind. Langfristig droht eine Unterkühlung.

Schwerarbeiter Herz

Die Durchblutung des Körpers gewährleisten muss das Herz. Das faustgrosse Organ eines erwachsenen Menschen pumpt pro Schlag ungefähr 70 Milliliter Blut in den Kreislauf. Innerhalb einer
Minute muss es den gesamten Körper mit Blut versorgen, damit dieser reibungslos funktionieren kann. Eine gewaltige Leistung, denn alle Blutgefässe zusammengenommen sind rund 100 000 Kilometer lang! Die vollständige Blutmenge des Menschen – bei einem Erwachsenen sind das fünf bis sechs Liter – zirkuliert jeden Tag 1440 Mal durch den Organismus. Das Herz befördert also innert 24 Stunden 7000 bis 8000 Liter Blut durch den Körper.

Wenn es kalt ist, schaltet der Körper sozusagen auf Notstrom um, damit die Organe keinen Schaden nehmen. Der Preis für dieses Notfallprogramm sind kalte Hände, Füsse, Ohren und Nase. Frauen trifft es öfter als Männer, weil sie über weniger Muskelmasse verfügen. Muskeln verbrennen nämlich auch im Ruhezustand Energie und produzieren dabei Wärme.

Weitere Gründe, warum es mehr weibliche «Gfrörli» gibt als männliche, sind der weibliche Hormonhaushalt, das Verhältnis der Körperoberfläche zum Körpervolumen sowie die Tendenz zu niedrigem Blutdruck. Regina Tremp: «Auch ältere Menschen leiden öfter unter Kälte. Mögliche Ursachen dafür liegen im geringeren Muskelanteil, in der schlechteren Durchblutung der kleinsten Gefässe und dem altersbedingten Nachlassen der natürlichen Regulation der Körpertemperatur.»

Ein «Gfrörli» zu sein ist zwar nicht gefährlich, aber dennoch ziemlich unangenehm. Daher stellt sich die Frage, wie sich die Betroffenen aufheizen können. Als Apothekerin kennt Regina Tremp natürlich eine Vielzahl von Anti-Schlotter-Mitteln. Zum Beispiel fettende Hand- und Fusscremes, Fettcremes für Nase und Ohren, Fussbäder oder Handwärmer für die Jackentaschen. «Weil sie durchblutungsfördernde Wirkung haben sollen, werden zudem Pflanzen wie Mariendistel, Ginkgo, Kastanie oder Scharfgarbe in verschiedenen Darreichungsformen eingesetzt», erklärt die Fachfrau. «Eine weitere Variante ist das tibetische Arzneimittel Padma 28 mit zahlreichen Inhaltsstoffen, welche positive Effekte auf die Durchblutung haben sollen.»

Nicht nur warme Socken erleichtern «Gfrörli» das Leben.

Nicht nur warme Socken erleichtern «Gfrörli» das Leben.
http://www.coopzeitung.ch/Eiszeit+_+der+Frust+mit+dem+Frost Nicht nur warme Socken erleichtern «Gfrörli» das Leben.

Viele «Frostschutzmittel»

Hand- und Fussbäder, Hand- und Fussmassagen, Sauna- und Dampfbäder sowie Wechselduschen und Kneippen kurbeln die Durchblutung ebenfalls kräftig an. Und natürlich genügend Bewegung, die ganz allgemein zu einem gesunden Lebensstil gehört. Ebenso eine ausgewogene Ernährung, welche Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfettwerten vorbeugt und damit auch das Risiko für Durchblutungsstörungen senkt. Hierzu ein wichtiger Tipp von Regina Tremp: «Viele Apotheken bieten den Herzcheck der Schweizerischen Herzstiftung an. Dieser ermittelt ein persönliches Risiko-profil für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beinhaltet unter anderem die Messung der Blutfettwerte. Auch wer sich gesund fühlt, profitiert von einem Check. Oft verursachen Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte lange keine spürbaren Beschwerden.»

Und dann gibt es da noch Handschuhe, Winterschuhe, Kappen und warme Kleider, die ebenfalls für wohlige Wärme sorgen. Denn, wie heisst es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

  

Wann zum Arzt gehen?

In manchen Fällen können kalte Hände und Füsse auch die Folge einer ernsthaften Erkrankung sein. Wer eines oder mehrere der folgenden Symptome an sich immer wieder beobachtet, sollte einen Arzt aufsuchen: Schwellungen in Beinen oder Füssen, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Gefühlsstörungen, Hautverfärbungen, Schmerzen, Krämpfe. Hinter anhaltenden Durchblutungsstörungen können zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts, arteriosklerotische Gefässverengungen, Herzkrankheiten, Blutarmut oder Diabetes stecken.

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Susanne Stettler

Freie Autorin

Foto:
Getty Images, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 09.01.2017, 16:00 Uhr

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