Emil Steinberger: «Ich habe kein Milchbubigesicht mehr»

Persönlich: Emil Steinberger über das Älterwerden und warum er mit dem Fernsehen nicht immer warm wird.

Coopzeitung: Herr Steinberger, dieses Jahr erscheinen Bücher und DVD’s von ihnen, Sie sind auf Tournee und einen Film gibt’s auch noch. Ist das nicht ein wenig viel? So ganz blutjung sind sie auch nicht mehr.
Ach, das ist eben schwierig zu steuern. Die ganzen Dinge kommen tröpfchenweise rein. Das merkt man gar nicht, bis das Glas plötzlich voll ist. Dann muss man es eben trinken.

Aber könnten Sie es nicht auch ein wenig lockerer angehen?
Nein, im Moment ist das kein Thema. Ich sehe keinen Grund, alle Tätigkeiten zu beenden. Die Leute kommen auch immer noch zu meinen Aufführungen, lachen und haben Freude.

Gibt es denn ein Genug?
Es gab schon einmal ein Genug. 1987 habe ich mit dem Programm „Füürabig“ meine Bühnenkarriere abgeschlossen. Ich wollte nicht mehr auftreten, aber dann bin ich 1999 durch mein Buch wieder reingeschlittelt. Eins hat das Andere ergeben und plötzlich war ich wieder auf den Bühnen. Sie machen sehr viele verschiedene Dinge.

Ist Emil heute weiser als zu Zeiten des grossen Durchbruchs in den 70er Jahren?
Man hat vielleicht mehr Erfahrung. Als ich zum ersten Mal nach Zürich kommen sollte, war ich sehr skeptisch, ob mein Programm dort funktioniert. Ich war ganz selten überzeugt von meinem Tun . Aber es hat funktioniert. Dann gründete ich das Kleintheater, programmierte ein Kino, baute ein zweites...zur grossen Überraschung der Kinobranche. „Da kommt so ein Ehemaliger Pöstler und meint er verstehe etwas davon!“ Aber der Erfolg war da!

Ist denn der klassische Emil heute nicht auch ein Klotz am Bein?
Klar, als ich „Drei Engel“ machte, war es fraglich, ob die Leute auch etwas total anderes von mir mögen. Doch es hat geklappt, es wurde zum erfolgreichsten aller Emil-Programme.

Sie feierten schon früh Erfolge in Deutschland und haben dort sprachlich ein Schweizerbild geprägt, das bis heute nachwirkt. Wirklich Ernst werden wir in Deutschland doch nicht mehr genommen. Ihre Schuld?
Umgekehrt. Beim letzten Mal in Deutschland hat mir ein Herr in einem Restaurant das Essen bezahlt. Ich habe mich dann bei ihm bedankt und wir unterhielten uns kurz. Er sagte mir, dass wenn er mit Schweizer Geschäftsleuten zu tun habe, sie mit Emil immer ein gemeinsames Thema hätten. Und dass sie in Deutschland die Schweizer lieben, weil sie Emil lieben. Offensichtlich bin ich ein guter Botschafter. Einzig, was mich manchmal irritiert, ist dass die Deutschen meinen, so wie ich auf Deutschen Bühnen spreche, sei unser Dialekt, kommen in die Schweiz und verstehen nichts.

Aber blicken wir doch in die Zukunft: In der Verfilmung des Kinderbuchklassikers „Das kleine Gespenst“ verleihen sie in der Schweizer Version dem Uhu Schuhu ihre Stimme. Wie fühlt es sich an in die Rolle eines Tiers zu schlüpfen?
Das war mehr eine technische, stimmgestalterische Sache, Präzision und Modulation waren wichtig. Der Uhu ist ja keine so grosse Rolle, aber sein starker Einfluss muss mit dem richtigen Ton noch unterstrichen werden. Als nicht ausgebildeter Schauspieler musste ich mir grosse Mühe geben. Es war ein kleiner Liebesdienst an die Filmemacher. Aber es ist ein toller Film geworden, ich bin beeindruckt. Wenn Sie im nächsten Leben als Tier wiedergeboren werden.

«

Gopfridstutz, Emil, weisst du, du wirst achtzig!»

Was für eines wären Sie am Liebsten und warum?
Wenn es geht, würde ich lieber nicht als Tier wiedergeboren werden. Auch nicht als weiser Uhu. Steckt in Emil auch ein Märchenonkel? Immerhin erscheint dieses Jahr die DVD: Emil für Kids.
Das Comedy-Gewerbe nimmt heute ja irgendwie Überhand. Und das auf teilweise merkwürdigem Niveau. Kinder finden da ja nicht so viel Tolles. Mit der DVD will ich Kindern meinen Humor näherbringen. Es gibt Leute, die sagen Emil sei ein guter Babysitter.

Erleben wir mit Emil also noch eine neue Trudi Gerster?
Nein, behüte. Sie ist absolut unschlagbar. Aber wahrscheinlich wären Sie auch als Märchenonkel erfolgreich.

Kennen Sie überhaupt Misserfolge?
Eine brand-neue Nummer fürs Fernsehen aufzeichnen, die vorher nie gespielt wurde, ist eine Glückssache. Es fehlt das Publikum, und In den 80er Jahren gestaltete ich mit anderen kreativen Kollegen ein Programm, das zwischen den Resultaten der Nationalratswahlen ausgestrahlt wurde. Das ging voll in die Hosen. Fernsehen kann sowieso ein Stimmungskiller sein. Da habe ich mir letzthin ein wunderbares Programm mit Massimo Rocchi angesehen. Am Schluss kein Abspann, nein, direkt Werbung für Appenzeller Käse. Das ist furchtbar!

Man hat den Eindruck, Sie werden mit dem Fernsehen nicht uneingeschränkt warm?
Beim Fernsehen vermisse ich ein bisschen ein familiäres Verhältnis mit aktiven Künstlern. Programm werden einfach programmiert, ohne vorher den Künstler zu benachrichtigen. Man gibt dem Programm einen Titel ohne zu fragen, ob man damit einverstanden ist. Das stört mich. Der Volksmund sagt; hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau.

Ist das so bei Ihnen?
Immer die Cliché Bemerkung: „Ja Du, mit Deiner jungen Frau“. Das Schöne bei uns ist aber, dass wir beide kreativ sind. Das ergänzt sich einfach sehr gut. Wir müssen nicht lange um den Brei reden; jeder versteht den Anderen auf Anhieb und wir können auch unsere beruflichen Gefühle gut miteinander teilen.

Was sehen wir noch von Emil?
Einiges, hoffe ich. Jetzt gibt’s erst Mal vier Abende im KKL-Luzern, wo ich dem Luzerner Publikum danke sagen will. Wir haben auch noch ein Drehbuch für einen Film geschrieben. Aber das wird wohl nichts. Bis so ein Film steht, geht’s fünf Jahre. Da fragt man sich, ob man diese Zeit noch hat. Zudem muss man für einen Film um Geld fragen und das mache ich nicht gern. Das ganze Sponsoring Getue widerstrebt mir.

Haben Sie keine Angst, den Schlusspunkt zu verpassen?
Nein. Wären nicht die ganzen Medien letzten Herbst auf mich zugekommen, ich hätte sogar meinen achtzigsten verschwitzt. Erst dann ist mir bewusst geworden: „Gopfridstutz, Emil weisst Du, Du wirst achtzig!!“ Schade, ich hätt’s eigentlich lieber nicht gewusst.

«

Es gibt Leute, die sagen, Emil sei ein guter Babysitter.»

Man wird Sie also nicht von der Bühne tragen müssen?
Ich hoffe es nicht. Es ist ja auch nicht so, dass ich alles endlos wiederholen muss. Den „Telegrafenbeamten“ gebe ich nicht mehr. Der passt einfach nicht mehr zu mir. Ich habe kein Milchbubigesicht mehr.

Emil Steinberger

Beruf: Kabarettist, Grafiker, Schriftsteller, Schauspieler
Geburtsdatum: 6. Januar 1933
Zivilstand: verheiratet mit Niccel Steinberger
Wohnort: Montreux
Laufbahn: seit seinem Durchbruch als Solokünstler in den siebziger Jahren, feierte Emil, der ehemalige Postbeamte und Grafiker unzählige Erfolge, sei es als Gaststar im Zirkus Knie, als Schauspieler in „Die Schweizermacher“ oder also Autor von verschiedenen Büchern. Dazu kamen diverse Engagements im Fernsehen und vieles mehr.
Aktuell: „Merci vielmol“ im ausverkauften Luzerner KKL, Die Schweizer Sprechrolle des Uhu Schuhu in „das kleine Gespenst“ und sein aktuellstes Buch „Lachtzig“ mit vielen persönlichen Gedanken zu seinem achtzigsten Geburtstag, erschienen im Knapp-Verlag.

www.emilshop.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
„Weggeschwemmt“ von Reto Stampfli. Ein Urner Ehepaar verlässt die Heimat, will nach Amerika und geht mit der „Titanic“ unter. (Knapp Verlag)

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
In den Jugendjahren war es „Trotzli der Lausbub“. Geschrieben von Konrad Scheuber, Vikar.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Keine

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Peter Bichsels Fahrt nach Paris.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
„Scharf beobachtete Züge“ (1970)vom tschechischen Filmer Jiri Menzel


Ihr Lieblings-Filmheld?
Robert de Niro

Was für Musik hören Sie gerade?
Stelle gerne den Sender „Swiss Jazz“ ein.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Eine CD über das Kochen mit auf der Insel gefundenen Beeren, Knollen und Kräutern. Vermutlich fehlt mir der Strom!

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Trinken ist nicht interessant, diskutieren.

Was kochen Sie selbst?
Alles was einfach ist und nicht ungesund.

Ihre Lieblingsspeise?
Gegrillter Fisch mit Salat.

Ihr Lieblingsgetränk?
Das kommt auf die Speise drauf an.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Bestimmt mit meiner Frau und interessanten Leuten.

Und wo essen Sie am liebsten?
Überall wo es eine heimelige, saubere Appetit anregende Atmosphäre hat.

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Beides

Wein oder Bier?
Wasser.

Pasta oder Fondue?
Fondue ab und zu, Pasta öfters

Joggen oder Walken?
Keines von beiden.

Berge oder Meer?
Bewundere beides

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Aus Freude eher, als aus Traurigkeit


Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit guter (evtl.ungewollter) Komik

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Fliege, schnell, wendig, alles im Blickfeld

Wovon träumen Sie?
Meistens, dass ich in einer unausweichlichen Situation mich befinde.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Dass der Fragebogen zu ende ist.

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.09.2013, 16:58 Uhr

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