Sinnesfreuden: Weine werden zuerst mit Auge und Nase entdeckt.

Entdeckungen

Weine degustieren ist eine Welt für sich. Mit ein paar einfachen Tricks finden sich aber auch Neulinge schnell in der Welt der edlen Tropfen zurecht.

Ein Blick ins Degustationsglossar von Wein kann für Laien bisweilen befremdlich wirken. Denn kann sich ein Laie unter Begriffen wie «ausgewogen», «fruchtig» und «nuancenreich» durchaus etwas vorstellen, stehen beim erweiterten Degustationsvokabular selbst gestandene Weinliebhaber schnell einmal im Wald. Oder könnten Sie eben mal erklären, was mit «Bienenflügeln» (Ablagerungen in altem Portwein), «Böckser» (fehlerhafter Geruch nach faulen Eiern und Ziegenbock aufgrund von schwefelhaltigen Verbindungen) oder «Schmelz» (hoher Extrakt- und Alkoholgehalt aus gut gereiften Trauben) gemeint ist?

Ist der Wein so? Oder ganz anders?

Für Önologe und Coop-Weinexperte Jan Schwarzenbach sind solche Fachbegriffe natürlich Alltag. Sie helfen den Weinspezialisten, die Weine klar zu charakterisieren. Allerdings ist es nicht so, dass sich Profis in ihrem Urteil immer einig sind, wie der Önologe weiss. «Robert Parker beispielsweise vergibt dem Château Figeac 2008 nur 81 von 100 Punkten. Er begründet das damit, dass der Wein dünn, streng und mit vegetaler Aromatik daherkomme und in den nächsten sieben bis acht Jahren getrunken werden sollte», erklärt er und führt weiter aus: «Der bekannteste Bordeaux-Kritiker der Schweiz, René Gabriel, sieht es jedoch ganz anders. Er gibt dem gleichen Wein 19 von 20 Punkten, lobt ihn über den grünen Klee und deklariert seine Trinkreife von 2019 bis 2035.»

«

Das eigene Urteil ist immer noch das Wichtigste.»

Jan Schwarzenbach (39, Önologe und Coop-Weinexperte

Und was bedeutet das nun für den Laien? Schwarzenbach schmunzelt: «Dass bei allem Fachwissen das eigene Urteil immer noch das Wichtigste ist.» Denn auch für den Weinfreund ohne önologisches Studium ist richtiges Degustieren möglich. Schliesslich macht es Freude, seine «Schätze» aus dem Keller richtig zu verkosten, zu vergleichen und sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Zudem ist es schlichtweg befriedigend, wenn man unter Freunden oder im Res-taurant seine Präferenzen in Sachen Wein auch benennen kann. 
«Mit ein wenig Übung können sich hier auch ‹Weinneulinge› schnell ein eigenes Grundwissen aneignen», sagt Schwarzenbach und ergänzt: «Im Wesentlichen besteht das Degustieren ja nur aus dem Betrachten, dem Riechen und dem Schmecken des Weins.» Und das geht so:

Auf den ersten Blick  

Füllen Sie den Wein höchstens bis zum breitesten Durchmesser des Glases und halten Sie es immer am Stiel oder am Fuss. Neigen Sie das Glas und betrachten Sie den Wein vor einem hellen, idealerweise weissen Hintergrund. Durch seine Farbe gibt er schon viele Informationen von sich. So werden Weissweine im Alter dunkler, bei Rotweinen verhält es sich umgekehrt. Zwischen der Farbe im Kern des Glases und dem äusseren Rand bilden sich Farbabstufungen. Je älter der Wein, desto grösser sind dabei die Farbunterschiede. Wenn Sie jetzt noch ein wenig glänzen wollen, schwärmen Sie beim Rotwein von seiner «Tiefe», der Beschreibung der Farbe von Weinen, die längere Zeit zusammen mit den Schalen extrahiert wurden.

Ein Fall für die Nase  

Schwenken Sie den Wein im Glas und riechen Sie daran. Wiederholen Sie diesen Vorgang mehrmals. So nehmen Sie die Aromenvielfalt auf, aber auch allfällige Fehlgerüche, etwa Korken. Erschnuppern Sie die Typizität des Weins. Vielleicht riechen Sie Eiche, was darauf hinweist, dass der Wein im Barrique – im Eichenfass – ausgebaut wurde. Mit ein wenig Übung können Sie mit der Zeit auch die typischen Aromen der verschiedenen Rebsorten erriechen. Ebenso lässt sich die Intensität und Ausprägung gut feststellen. Etwa, ob der Wein verschlossen und flach, oder ob er aromatisch und intensiv duftet. Und haben Sie einen hochklassigen Bordeaux im Glas, können Sie Ihr Gegenüber ja durchaus mit den errochenen Zedernholznoten beeindrucken. 

Im Mund gehts rund

Nehmen Sie nun einen ersten Schluck. Schlürfen Sie dabei ungeniert. Ziehen Sie ein wenig Luft in den Mund ein und kauen Sie den Wein. Dabei setzen Sie Aromastoffe frei, die durch den Rachen an die Geruchsrezeptoren in die Nasenhöhlen gelangen. Auf der Zunge und im hinteren Rachenraum nehmen Sie Empfindungen wie etwa salzig, süss, sauer und bitter auf. Damit beurteilen Sie, ob der Wein etwa trocken, wässrig oder gar pelzig wahrgenommen wird, was typisch für tanninreiche Weine ist. Definitiv als Spezialist outen Sie sich übrigens, wenn Sie einen Wein im Glas haben, der nach Harzen und nach Nüssen schmeckt, und Sie andachtsvoll von balsamisch reden.
Wenn Sie den Wein schlucken, kommt dem sogenannten Abgang eine wichtige Bedeutung zu. Ist er lang oder verschwindet der vermeintlich edle Tropfen ganz schnell? Ist er süss oder eher undefiniert? Spätestens hier ergibt sich im Zusammenspiel vom Betrachten, Riechen und Schmecken ein Bild vom Wein, der Ihnen ein entsprechendes Urteil und auch einen Vergleich erlaubt.

Für Mondovino-Mitglieder

Coop führt regelmässig in der ganzen Schweiz Weinmessen durch. Als Mondovino-Mitglied profitieren Sie nicht nur von vielen Vorteilen rund um den Wein, sondern können auch, nach Anmeldung, an einer Coop-Weinmesse an einem Wine Walking teilnehmen.
Während rund 30 Minuten nimmt Sie ein Weinexperte mit auf eine Reise durch die Coop-Weinmesse-Welt.

Sie degustieren dabei spannende Weine und diskutieren mit Weinliebhabern, solchen die es werden wollen und Spezialisten über die grosse Welt der Weine. Die Teilnahme ist jeweils auf zehn Personen beschränkt und für Club-Mitglieder gratis.

Mehr zu den Wine Walkings, aber auch über die Welt des Weines bei Mondovino unter: www.mondovino.ch/winewalking

 
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Wie orientieren Sie sich in der Welt des Weins?»

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Alamy, zVg
Veröffentlicht:
Montag 29.02.2016, 14:30 Uhr

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