Erziehung: Das Kind im Bett der Eltern?

Aus praktischen Gründen oder aus Gewohnheit teilen Eltern oft ihr Bett mit ihren Kindern: «Co-Sleeping» wird viel diskutiert. Das meinen Psychologen und Familien.

Florian (auf diesem Bild 4 Monate alt) verbringt seine Nächte neben seinen Eltern, Jennifer und Michaël.

Florian (auf diesem Bild 4 Monate alt) verbringt seine Nächte neben seinen Eltern, Jennifer und Michaël.
Florian (auf diesem Bild 4 Monate alt) verbringt seine Nächte neben seinen Eltern, Jennifer und Michaël.

Wenn Kinder nicht durchschlafen, ist das ermüdend für die Eltern. Manche verlegen sich dann aufs «Co-Sleeping»: Das Elternpaar – oder nur die Mama – schläft bei den Kindern. So wie Mélanie*. Sie hat zwei Töchter im Alter von zweieinhalb Jahren und vier Monaten und alle drei schlafen in einem extra dafür eingerichteten Bett mit Sicherheitsgitter. «Ich bringe die Mädchen ins Bett, verbringe den Abend noch mit ihrem Papa und dann lege ich mich zu ihnen», erklärt die junge Mutter. Ihre ältere Tochter musste sechs Tage auf der Neugeborenenstation verbringen. Diese Trennung war ein Schock für Mélanie, die bald da-rauf bei ihrer Tochter zu schlafen begann. Ihrem Mann fiel es anfangs schwer, das zu verstehen. Doch seine Frau erklärte ihm, warum das so wichtig für sie ist: «Ich schlafe gut und bin am nächsten Tag fit. Das ist besser, als fast die ganze Nacht durchzuwachen und am nächsten Morgen schlecht gelaunt zu sein. Diese Lösung trägt zum Wohlbefinden der Familie bei. Sobald die Grosse einmal allein schlafen will, legen wir sie in ihr eigenes Zimmer.»
Für die Psychologin und Psychotherapeutin Nathalie Cherpillod, die im Bereich der Neonatologie gearbeitet hat, ist der Schlaf eng mit der Kultur jedes Elternteils verbunden, sowohl auf individueller als auch auf familiärer und gesellschaftlicher Ebene. Solange niemand der Eltern oder der Kinder darunter leidet, betrachtet sie das Co-Sleeping als unproblematisch, zumindest während der ersten Lebensmonate eines Kleinkinds: «Jede Familie muss selbst darüber nachdenken, wie sie es mit dem Schlafen handhabt.» Sie erinnert daran, dass man ein Kind nicht zum Schlafen zwingen, sondern nur sein Einschlafen mit Kuscheleinheiten, Wiegenliedern und Gutenachtgeschichten erleichtern kann. Babys brauchen Fürsorge und Geborgenheit in ihrem Bettchen. «Wenn sie oft nachts aufwachen, können die Eltern darüber ein Tagebuch führen, feststellen, wie häufig das wirklich vorkommt. Nathalie Cherpillod betont auch, dass das Zubettgehen auf keinen Fall als Bestrafung für das Kind benutzt werden darf.

Allein schlafen – muss man das lernen? «Kinder müssen sich nicht nur Wissen und praktische Kompetenzen aneignen. Sie müssen auch lernen, ihr emotionales Befinden zu regulieren und auf ihre körperlichen Bedürfnisse zu achten, das ist ein wesentlicher Aspekt der Entwicklung», antwortet die Psychologin und Psychotherapeutin Pernette Steffen. Die Bindung zwischen dem Kind und den Personen, die es umsorgen, diene als Rückhalt beim Erkunden der Aussenwelt, ähnlich wie eine Seilschaft beim Bezwingen eines steilen Berges: «In dieser Nuance liegt der Unterschied zwischen dem Normalen und dem ins Krankhafte Gehenden beim gemeinsamen Schlafen.»
In den Augen von Pernette Steffen besteht die Gefahr darin, dass die Eltern mehr nach ihren eigenen Bedürfnissen handeln als nach denen der Kinder. Das Thema Co-Sleeping komme nicht selten bei Konsultationen mit Schulkindern zur Sprache: «Meistens wirft der Vater das Problem auf – zu Recht. Wenn ein Vater entschlossen ist, das Kind in sein Zimmer zu bringen, funktioniert das im Allgemeinen auch, sofern die Mutter mitspielt.» Doch diese Trennung könne schwerfallen: «Eine Veränderung durchzusetzen, ist erst einmal schwierig. Aber langfristig kostet es mehr Mühe, wenn man den Dingen ihren Lauf lässt.» Die Psychologin rät allen Eltern dazu, ganz in Ruhe zu besprechen, wie das Schlafen gehandhabt werden soll, dem Kind die Entscheidung zu erklären und sich dann auch daran zu halten.

* Name der Redaktion bekannt.

«

Es ist sehr praktisch und ausserdem schön»

Jennifer Greber (26) aus Senèdes FR ist Mutter von drei Kindern. 

Aus einer früheren Beziehung hat sie eine siebenjährige Tochter und einen Sohn, der bald vier wird. Mit ihrem Lebensgefährten Michaël Thomet (31) bekam sie Florian (6 Monate, auf dem Bild 4 Monate alt). Das Baby schläft in ihrem Bett. «Es ist sehr praktisch, zusammen zu schlafen. Wenn der Kleine aufwacht, stille ich ihn und wir schlafen alle drei wieder ein. Die beiden Grossen haben so die ganze Nacht ihre Ruhe und hören das Baby nicht schreien.» Ausserdem wacht sie gern neben ihrem Kind auf. «Ich muss das jetzt geniessen. Die Kleinkindphase ist so schnell vorüber. Er hat noch genug Zeit, um selbstständig zu werden.» Sobald Florian durchschläft, wird er in seinem Zimmer schlafen. Der Vater kommt mit dieser Situation gut zurecht: «Wir können alle gut schlafen und das ist wichtig. Meine Freundin hat ihn neun Monate lang in sich getragen, natürlich fällt es da nicht leicht, ihn von heute auf morgen in ein anderes Zimmer abzuschieben.» Die beiden sagen auch, dass ihr Liebesleben weitergeht: «Es gibt für alles Zeitpunkte und Räume! Eine Mutter ist Frau und Liebhaberin. Kurz nach einer Geburt gewinnt die mütterliche Seite erst einmal die Oberhand, doch bald lernt man, eine gute Balance zu finden», meint Jennifer lächelnd.

«

Wir legen Wert auf unsere Intimsphäre»

Myriam (31) und Bruno Filipe Veloso (28)

Melissa wurde Mitte November ein Jahr alt. Sie schläft im Kinderzimmer, ihre Eltern Myriam (31) und Bruno Filipe Veloso (28) haben ihr Bett im Elternschlafzimmer: «Wir haben schon beschlossen, dass das so sein soll, als wir noch gar kein Kind hatten. Wir sind selbst auch so erzogen worden und für uns war das sofort klar. Wir legen Wert auf unsere Intimsphäre», erklärt das Paar aus Apples VD. Und ihre Tochter schläft gut: «Die Nacht war nie ein Problem. Schwieriger war es, mit dem Weinen abends fertig zu werden. Zum Glück hatte ich eine geniale Hebamme, die mir sehr geholfen hat. Ich bin ein ängstlicher Mensch und befürchtete immer, irgendetwas falsch zu machen», erinnert sich Myriam. Da es mit Melissa dahingehend nie Schwierigkeiten gab, ist sie nie versucht gewesen, sie nachts bei sich zu behalten. Frühmorgens ist die Familie wieder vereint. Mama oder Papa holt Melissa und spielt mit ihr, bis das Fläschchen fertig ist. Und am Sonntagmorgen wird zu dritt im Elternbett gefaulenzt. 

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Text: Joëlle Challandes

Foto:
Charly Rappo / Arkive.chs
Veröffentlicht:
Montag 10.03.2014, 18:10 Uhr

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