Essen wir alle zu viel Süsses?

Er:

Natürlich essen wir zu viel Süsses! Jetzt vor Weihnachten sowieso mit all diesen Stollen und Guetsli und Schokoladenkugeln. Und zwischen den Jahren geht’s gleich weiter. Und danach? Danach nimmts nicht wirklich ab. Bei uns wird es einfach nicht besser. Zucker ist unsere Droge. Zumindest für den weiblichen Teil der Familie, was bei uns die Mehrheit bedeutet. Ich bin von Frauen umgeben, die ganz nervös werden, wenn nicht irgendwo Süsses verfügbar ist und hektisch einem bestimmt nicht gesunden Beschaffungsstress erliegen. Mässigung wäre angebracht!

Sie:

Schneider hat natürlich keine Ahnung, warum Menschen gern Süsses essen. Aber das steckt in unserer Vorgeschichte und hat überhaupt dazu geführt, dass unsere Vorfahren überlebt haben: Süsse Lebensmittel sind nämlich nahrhaft und ungefährlich. Das nehmen wir buchstäblich schon mit der Muttermilch auf und es war ein überlebenswichtiger Hinweis zu Zeiten, als es noch keine Lebensmittelüberwachung gab. Süsses spendet Energie. Und das Gehirn braucht Glukose, das kann nicht einfach auf andere Energiequellen umschalten. Fazit: Wir müssen Süsses essen!

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Er:

Aha! Prähistorische Präferenzen. Ist mal wieder typisch. Schreiber haut die Schokolade nicht rein, weil sie gierig danach ist, sondern weil sie evolutionsbiologisch bedingt gar nicht anders kann. Und ohne Schokolade arbeitet ihr Hirn auch nicht auf Höchstleistung. Tja. Das sind natürlich hammerharte Argumente, die kaum zu kontern sind. Aber unsere Vorfahren assen Beeren und Früchte und Honig, kein Fondant, kein Russisch Brot, keine Spitzbuben mit Konfifüllung und Puderzucker. Unsere Vorfahren haben überlebt, weil sie Selbstdisziplin hatten. Eine Eigenschaft, für die ich vermehrt plädiere.

Sie:

Achtung, Achtung: Mein Schneider lebt zwischen Abhängigen, die nur danach trachten, ihre Sucht zu stillen. In Form eines Schokoladenstückleins, eines Kekses, eines Gummibärchens. Aber er macht aus jedem Marshmallow ein Monster und mit jeder Zimtschnecke macht er uns zur Schnecke. Beschaffungsstress haben wir übrigens nicht, dafür sind im und ums Haus genügend Depots eingerichtet. Und eine Süssigkeit hier und da, als Belohnung, als kleiner Genuss, als Stimmungsaufheller oder was auch immer: harmloser geht’s wohl nicht. Und wenn ich sehe, wie schnell Schneider manchmal schlechte Laune kriegt, kann ich ihm nur eins empfehlen: öfter mal zu naschen!

Wer konnte Sie überzeugen?

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