Wer keine hat, sehnt sich nach ihr. Wer eine hat, fühlt sich gefordert und manchmal überfordert. Das ist Familie.

Familie: Eine Herkulesaufgabe

Die Familie ist ein tragendes Element unserer Gesellschaft und erster Ort der Sozialisierung. Damit dies so bleibt, sind Staat und Wirtschaft gefordert, bessere Anreize zu schaffen.

Von Geburt an lernen die Kinder von den Eltern, welche Werte im Leben wichtig sind und wie sie sich in der Gemeinschaft verhalten sollen. Die Familie ist quasi eine «Trimm-Dich-Stube» für die zukünftige Generation. In ihr werden die Kinder für «Aufgaben, die das Leben stellt» fit gemacht. Das ist auch nötig. So ist es der Nachwuchs, der unsere AHV sichern soll. Angesichts der anhaltenden Überalterung der Gesellschaft eine Herkulesaufgabe, die nicht nur Man-, sondern auch Frauenpower benötigt. Heisst: Wirtschaft und Politik müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit wir Familie und Arbeit unter einen Hut bringen.

Auswertungen des Bundesamtes für Statistik (BfS) zeigen, dass dies zum Teil gelungen ist: Betreuten 1992 noch 47,1 Prozent der Frauen ihre Kinder hauptsächlich zu Hause, tat dies 2013 nur noch knapp ein Viertel. Während die Vollzeit-Papis eine Randerscheinung blieben: Nur knapp 3 Prozent der Väter kümmerten sich ausschliesslich um die Kinder.

Positiv: Die Zahl der berufstätigen Mütter steigt. 2013 gingen 72 Prozent einem regelmässigen Erwerb nach. Vollzeit jedoch nur 14,1 Prozent. Wohingegen in Paar-Haushalten ohne Kinder 44,7 Prozent der Frauen voll arbeiteten. Es gibt viele Gründe, warum eine Frau nach der Geburt eines Kindes ganz oder teilweise aus dem Erwerbsleben aussteigt. Fakt ist aber, dass in Ländern mit engmaschigem Netz an Betreuungsangeboten Mütter öfters am Arbeitsleben teilnehmen.

Zwar ist auch in der Schweiz die Zahl der Krippenplätze in den letzten Jahren angestiegen, dennoch ist die Situation für viele Paare unbefriedigend. Denn in der Schweiz sind Kitas teuer und einkommensabhängig. Es lohnt sich für viele Elternpaare finanziell nicht, dass beide so viel arbeiten, wie sie möchten. Eine Studie des Beratungsbüros Infras von 2012 zeigt, dass in den Städten Zürich und Basel teilweise der gesamte Lohn des Zweitverdieners verloren geht. Staat und Wirtschaft werden also in Zukunft noch mehr gefordert sein, hier Anreize zu schaffen – in welcher Form auch immer.

Dass es trotzdem schon heute machbar ist, zeigen die Beispiele von Familienkonstellationen auf den nachfolgenden Reitern.

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Bei der Familie Raho waren vor allem die ersten Monate nach der Geburt des kleinen Diego problematisch. Besserung erreichten sie mit Regeln und fester Aufgabenteilung.

Revolution

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Petra und Emanuele Raho, ein Paar in den Dreissigern, das seit mehr als sieben Jahren zusammen und seit drei Jahren verheiratet ist, führte ein glückliches Leben mit Reisen, Ausgehen und Ausschlafen. Diese Phase ihres Lebens gehört seit sechs Monaten der Vergangenheit an. «Schuld» daran ist der kleine Diego, der alles komplizierter und die Nächte kürzer macht. «Eine existenzielle Revolution», so Emanuele. Es habe gedauert, wieder eine Balance in der Beziehung zu finden.

«Am Anfang hatte ich ständig Angst und das Gefühl, alles falsch zu machen, weil Diego viel geweint hat», vertraut uns der Vater an. Er habe sich eingeredet, dass  sein Sohn ihn nicht möge. «Ich war aus Frust schon beinahe sauer auf meine Frau.» Wobei diese mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hatte: Der Schlafmangel, das Stillen, die Erschöpfung nach einem Kaiserschnitt und Diego, der alle zwei Stunden wach wurde ... «Zum Glück arbeite ich im Kosmetikbereich und weiss, wie man Augenringe überschminkt», erklärt Petra. Sie arbeitet heute im 60-Prozent-Pensum, vorwiegend in Zürich. Ihr Ehemann dagegen ist Lehrer mit einem Vollzeitpensum in Moutier. Im letzten Februar hat das Paar sich ein Haus in Lyss BE gekauft, ein Kompromiss für die beiden Pendler. Allerdings fand der Umzug natürlich zum Zeitpunkt von Diegos Geburt statt. «Wenn ich daran zurückdenke, ziehen vor meinem geistigen Auge dunkle Wolken auf», scherzt der junge Vater.

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In ihrer Beziehung machten sich in den ersten Monaten nach der Geburt des Babys Spannungen bemerkbar. «Wenn Emanuele von der Arbeit nach Hause kam, wollte ich ihm Diego gleich in die Arme drücken, weil ich von dem Tag mit ihm erschöpft war», sagt Petra. Sie habe nicht verstanden, dass auch er müde war und Zeit für sich brauchte. «Wir haben aber eine Regel aufgestellt: Niemals vor Diego streiten, etwas, das wir zu 97 Prozent einhalten», ergänzt der Papa und lächelt seiner Frau verschmitzt zu.

Aufgabenteilung ist das A und O

Unter der Woche bleibt Petra zwei Tage bei Diego zu Hause. An den anderen drei Tagen ist das Baby bei den Grosseltern mütterlicherseits oder väterlicherseits (in Biel bzw. Lyss). Eine gute Aufgabenteilung ist das Allerwichtigste. Mama bügelt die Wäsche, Papa mäht den Rasen, der Rest wird aufgeteilt. «Das Wichtigste ist, und das haben wir erst mit der Zeit verstanden, dass keiner zusieht, wie der andere etwas tut, ohne selbst etwas zu tun», erklärt Petra. Und ihr Mann ergänzt: «Wenn man vor der Geburt des Babys keine Ahnung von Zeitmanagement hat, wäre es schon sinnvoll, entsprechende Kurse zu besuchen.» «Wir haben unterschätzt, wie viel Energie ein Baby einem abverlangt, und waren nicht auf diese heftige Müdigkeit vorbereitet. Doch Diego muss uns nur ansehen und lächeln, und alles ist vergessen», schliesst das glückliche Paar, das sogar schon ein zweites Kind plant.

Bei der fünfköpfigen Familie Gaille war es Vater Lionel, der nach der Geburt des ersten Kindes Overall gegen Kochschürze tauschte.   Sylvain Bolt Lionel und Angela Gaille sind mit der Rollenverteilung zufrieden. Ebenso ihre Kinder Adrien, William und Diane (v. l.) – nur das Umfeld hat noch Mühe damit.

Rollentausch

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Als Angela (42) vor zwei Jahren die Chance bekam, beruflich nach Basel zu wechseln, haben sich die Waadtländer Hypothekarberaterin und ihr Mann Lionel (42) innerhalb von nur zwei Monaten entschieden, sich mit ihren drei Kindern Adrien (12), Diane (8) und William (4) «ins Abenteuer zu stürzen». Es war dann Lionel, der in der Familie Gaille nach der Geburt des ersten Kindes den Metallbauer-Overall gegen die Kluft des Familienvaters und Hausmanns eintauschte. Dies aus wirtschaftlichen Gründen – aber auch, weil seine Arbeitsbedingungen (Flexibilität, Entfernung zum Arbeitsplatz) schlechter waren als die seiner Frau.

Skepsis im Umfeld

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Zu Beginn war das Umfeld der Waadtländer Familie überrascht von diesem Entschluss. «Vor allem die Frauen waren skeptisch und der Meinung, dass Kinder ihre Mutter brauchen», berichtet Angela. Mit der Zeit haben die Verwandten zwar eingesehen, dass das Modell funktioniert, doch Lionel sieht sich immer noch mit gesellschaftlichen Reaktionen und Vorurteilen konfrontiert. «Manche sind eifersüchtig, andere finden es merkwürdig und manchmal werde ich schief angesehen», vertraut der Vater und Hausmann uns an. Er widerspricht dabei allen Statistiken, denn mehrheitlich sind es die Frauen, die zu Hause bleiben (siehe Infografik auf Seite 18).
«Für mich ist die Aufgabenteilung gut so», erklärt der Familienvater. «Ich bin handwerklich begabter und Angela kümmert sich um den Papierkram. Und dazu ist sie noch Bankerin ...» Auch seine Frau ist mit der Rollenverteilung zufrieden. Probleme liegen für den Vater und Hausmann vor allem in «den Unvorhersehbarkeiten des Alltags», wie dem Chaos in den Kinderzimmern, Minuten, nachdem alles aufgeräumt worden ist, oder darin, wie schwer es ist, die Kinder nach einem Nachmittag im Park zum Gehen zu bewegen. Oder auch die Zeit um 18 Uhr herum, wenn alles gleichzeitig passiert: Die Kinder kommen von der Schule, das Abendessen muss gemacht werden und Angela kommt von der Arbeit nach Hause. Am Wochenende würden dann zwei komplett unterschiedliche Welten aufeinanderprallen. «Wir müssen uns umstellen, denn unter der Woche unternehmen wir Dinge ohne Angela, wenn die Kinder frei haben», erklärt Lionel und führt weiter aus: «Der Samstag ist ein Übergangstag, da ist es nicht immer einfach, aber am Sonntag fühlt sich schon alles ganz natürlich an.»

Nach Lust und Laune

Unter der Woche weckt Angela die Kinder morgens und bringt sie abends ins Bett. Ihre Mittagspause verbringt sie mal im Büro, mal zu Hause. «Wir machen das ganz wie wir Lust haben, wir zwingen uns zu nichts», meint Angela. Die psychische Belastung, das Bild der «Frau, die sich um die Familie kümmert», gilt all das für die Familie Gaille etwa nicht oder nicht in diesem Masse? «Wenn es um das Organisatorische geht und etwas wirklich klappen muss, wie wichtige Termine oder Ferien, dann kümmere ich mich darum und treffe die Entscheidungen», antwortet die Familienmutter. Ihr Mann Lionel stimmt zu. «Ich bin mehr der Spontane, ich plane tatsächlich nicht sechs Monate im Voraus.»

Die drei Kinder wiederum sind von Geburt an mit dieser Situation vertraut. «Anfangs wollte William oft von seiner Mama in die Krippe gebracht werden», erzählt Angela, die auch am Abend dafür da ist, den Kindern Geschichten zu erzählen oder ihren Geschichten zuzuhören und allfällige Konflikte zu lösen. Lionel hingegen weiss besser über die aktuellen Geschehnisse Bescheid und hat viele unterschiedliche Hobbys, die er mit den Kindern teilt. Dass sie sich so gut ergänzen, macht laut dem Paar, das seit 25 Jahren zusammen lebt, seine Stärke aus. «Wir kennen uns in- und auswendig», sagt Lionel, der das Privileg, Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können, zu schätzen weiss. «Ich bin froh, dass ich für sie da sein darf.» Vater und Hausmann zu sein, sei psychisch fordernder als sein früherer Beruf, der «dafür körperlich anstrengend war.»

Fast zu schön, um wahr zu sein: Bei den Brugheras helfen auch die beiden Teenies Tobia und Anaïs im Haushalt mit.

Heile Welt

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Es ist Montagmorgen sieben Uhr  und Bruno (54) macht das Frühstück für seine beiden Kinder: Tobia (16) geht aufs Gymnasium und Anaïs (14) aufs Collège. Anna (52), die Mutter, ist bereits seit einer guten Stunde im Büro und im Geiste noch ganz damit beschäftigt, das Wochenende aufzuarbeiten. Es war viel los an den vergangenen zwei Tagen. Diese Woche wird sie zwischen einem Meeting und anderen Verpflichtungen wieder etwas Zeit zu Hause verbringen können, was dank ihrer Teilzeitstelle möglich ist. Bruno dagegen, der ehrenamtlich tätig ist, hat keine festen Arbeitszeiten und übernimmt gerne die täglichen Pflichten wie Kochen oder Hausputz.

Am Wochenende kocht Anna üblicherweise, während Bruno sich um Arbeiten am Haus oder im Garten kümmert. Jeder hat seinen Aufgabenbereich. Auch die Kinder machen mit und decken zum Beispiel den Tisch, räumen die Spülmaschine aus oder machen ihr Bett. Und sie putzen auch das Bad oder saugen Staub. Und auch die kleine Hündin Muna will sich in das Familienidyll einbringen –  sie wartet ungeduldig darauf, dass die Kinder mit ihr Gassi gehen.

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Im Allgemeinen ist es Anna, die die täglichen Aktivitäten der Kinder, auch die ausserschulischen, organisiert oder die Einkäufe erledigt. «Das übernehme ich gerne, auch wenn dies noch zu den beruflichen Pflichten obendrauf kommt.» Es komme allerdings auch mal vor, dass ich vergesse, etwas für das Abendessen mitzubringen. Dann rufe ich Bruno an, der sich dann ausnahmsweise darum kümmert.»

Neues ausprobieren

Bei Anna sind manche Zeiten stressiger als andere und dann fällt ihr das Organisieren schwerer als das Ausführen der Pflichten. Im Moment versuchen die Eltern beispielsweise schon am Vorabend das Essen vorzubereiten, das die Kinder am nächsten Tag mit zur Schule nehmen. Eine Aufgabe mehr, aber eine, der sie gerne nachkommen. «Wir kochen lieber abends ein Nudelgericht und wissen, dass die Kinder das dann am nächsten Tag essen, statt der ewigen Sandwiches.»

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Andreas Eugster

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt, Nicolas de Neve, Sandro Mahler, Alamy
Veröffentlicht:
Montag 09.10.2017, 10:01 Uhr

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