Zimmer in Rot, Blau oder Grün

Jeder Farbton kann Einfluss haben auf die Gefühle. Expertin Marina Pellegrini wählt Farben darum nach psychologischen Grundsätzen aus.

Farbexpertin Marina Pellegrini geht bei ihren Farbkonzepten auf psycholgische Bedürfnisse ein.

Farbexpertin Marina Pellegrini geht bei ihren Farbkonzepten auf psycholgische Bedürfnisse ein.
Farbexpertin Marina Pellegrini geht bei ihren Farbkonzepten auf psycholgische Bedürfnisse ein.

Für ihre Seminare wählt sie oft extra farbige Kleidung. Ein leuchtend grünes Jäckchen zum Beispiel. Aber nicht etwa, um zu zeigen, dass sie etwas mit Farben zu tun hat. Oder um aufzufallen. Im Gegenteil: «Ich mache das, um nicht aufzufallen. Damit mich keiner fragt, warum ich nicht farbig angezogen bin als Farbfachfrau», sagt Marina Pellegrini lachend. Die Expertin für die farbliche Gestaltung von Räumen und Gebäuden trägt heute gedämpfte, dunkle Farben. «Ich beschäftige mich jeden Tag mit Farben. Dann muss ich mich nicht auch noch immer farbig anziehen.»

Farben für Kinder

Das türkis-grüne Kinderzimmer wirkt beruhigend.

Das türkis-grüne Kinderzimmer wirkt beruhigend.
Das türkis-grüne Kinderzimmer wirkt beruhigend.

Das Wichtigste bei Kleidern wie auch beim Farbdesign eines Zimmers ist ja, dass man sich darin wohlfühlt. Das ist für Marina Pellegrini ein spezielles Anliegen: «Die Farben, die ich vorschlage und verwende, sollen Harmonie schaffen und nicht einfach nur gefällig sein oder einem Trend entsprechen.» Sie hat sich unter anderem auf die Farbwahrnehmung spezialisiert, das heisst, wie Farben die Stimmung eines Raumes und damit seiner Bewohner beeinflussen.
«Gerade bei Kindern können Farben sehr viel auslösen», so die Expertin. «Viel Positives, aber auch Negatives.» Eines ihrer aktuellen Projekte ist die Kindertagesstätte Stockerstrasse der Gemeinde in Horgen ZH. Die Räume sind eine spezielle Herausforderung, die Kita befindet sich in einer ehemaligen kleinen Kirche, zum Teil sind die Decken sehr hoch, es gibt aber auch sehr dunkle Zimmer. Und alles ist sehr verwinkelt. «Als wir hier eingezogen sind, waren die Wände weiss», erzählt die Kita-Leiterin Ina Signer (52). «Wir haben gedacht, das ist perfekt, Weiss lässt Raum für Kreativität. Dann dekorieren wir die Wände mit Kinderzeichnungen.» Doch die Ausstrahlung der Zimmer blieb kühl. «Es sah aus wie eine Zettelwirtschaft an den Wänden, eine unordentliche Pinnwand», erzählt die Leiterin. «Es war überhaupt nicht wohlig, nicht heimelig.» Ina Signer selbst strahlt hingegen sehr viel Ruhe aus. Mit dieser herzlichen, fröhlichen Frau und ihren Mitarbeiterinnen haben sich die Kinder, die hier betreut werden und wurden, natürlich schon wohlgefühlt. Aber eben, es fehlte das richtige Ambiente.

Mehr Wärme und Ruhe

Die Gelbtöne in der Kita sollen mehr Wärme und Licht in die Gänge bringen. Orange und Rot setzen Akzente.

Die Gelbtöne in der Kita sollen mehr Wärme und Licht in die Gänge bringen. Orange und Rot setzen Akzente.
Die Gelbtöne in der Kita sollen mehr Wärme und Licht in die Gänge bringen. Orange und Rot setzen Akzente.

Marina Pellegrini hat sich bei ihrem Farbkonzept der Kita im Eingangsbereich für warme Gelbtöne entschieden. Das bringt sonnige Stimmung in eher dunkle Räume. Gelb regt auch den Geist an und die Kreativität. Gut für die Kids. «Aber als Bodenfarbe sollte man es nicht benutzen. Auf Gelb rutscht man eher aus», gibt die Fachfrau zu bedenken. «Die Kinder in einer städtischen Umgebung sind ausserdem tendenziell eher überreizt», so Marina Pellegrini. «Darum habe ich wenige und warme Rottöne eingesetzt. Denn leuchtendes Rot wirkt sehr aktivierend.» Das Farbkonzept für die Kita wird schrittweise lll umgesetzt. Nach dem Eingangsbereich folgt in den nächsten zwei Jahren die Neugestaltung der Gruppenräume. Die Schlafräume werden in Türkis (wirkt beruhigend) und Grün (harmonisierend) gestrichen. Für Wärme sorgen Akzente mit Orange. 

Ordnung und Struktur

Auch im Kinderzimmer von Giulia (11) dominieren diese Farben. Und so ordentlich, wie das Reich der Schülerin jetzt aussieht, war es nicht immer. «Giulia ist sehr kreativ, sie hat viele Ideen und ist sehr aktiv», erzählt ihre Mutter. Doch dadurch hat sich das Mädchen auch immer wieder verzettelt. «Mein Pult war immer voll. Ich hatte eigentlich nirgends richtig Platz, um etwas zu machen», erzählt sie. Mit Türkis und Grün hat Marina Pellegrini mehr Ruhe in das Zimmer gebracht. Die Farben sind nicht zu grell, Pellegrini hat die Wände in Lasur-Technik streichen lassen. Eine ihrer Spezialitäten. Entspannend ist auch die Einrichtung: «Wir haben Möbel gewählt, die man schliessen kann, so wirkt alles ruhiger», erklärt sie. Und Giulia ist dadurch weniger abgelenkt: «Wenn ich alle meine Sachen gesehen habe in den Regalen, wollte ich immer etwas damit machen.»
Mit der Neugestaltung kann sie sich viel besser konzentrieren. Und sie ist auch viel öfter in ihrem Zimmer. «Ordnung und Struktur ist in vielen Kinderzimmern ein Thema», weiss die Expertin. «Architekten oder Designer setzen Farben oft nach ästhetischen Grundsätzen ein. Ich konzentriere mich auf die psychologische Wirkung.»

So wirken die Farben

Grundsätzliches: Die Böden sollten immer die dunkelste Nuance haben, die Wände im mittleren Bereich sein und die Decken am hellsten. Marina Pellegrini empfiehlt Lasuren für einen sanfteren Effekt, der aber trotzdem stimmungsvoller ist als mit Weiss gemischte Pastellfarben.

Weiss: wird häufig benutzt. Vermittelt Reinheit und Frische. Doch es kann auch steril und ungemütlich sein. Vor allem als Bodenfarbe. Marina Pellegrini: «Durch zu viel Weiss wird man auf sich selbst zurückgeworfen. Das ist nicht immer gut.»

Schwarz: düster, wird auch mit Trauer assoziiert. Als einzelner Akzent kann es sehr elegant sein. Für Kinderzimmer ist es aber denkbar ungeeignet.

Rottöne: sind aktivierend – je leuchtender, desto mehr. Das kann für tendenziell eher ruhige Charaktere ein Vorteil sein. Für aktive und lebhafte Kinder ist das jedoch zu viel. Marina Pellegrini rät, es vor allem als Akzent einzusetzen.

Blautöne und Türkis: Wenn ein Kind Beruhigung braucht, sind solche Farben ideal. Sie sind entspannend, das Abschalten fällt leichter.

Gelb: Diese Farbe regt geistige Prozesse an und die Kreativität. Für Arbeitszimmer passt sie darum besonders gut. Gelb strahlt auch Wärme aus und wird mit der Sonne assoziiert. Im Schlafzimmer kann es aber wie ein grelles Rot zu aktivierend sein.

Grün: bringt Harmonie in die Räume. Es eignet sich auch als verbindendes Element zwischen verschiedenen Farbakzenten. Grün wirkt ebenfalls beruhigend durch seinen Anteil an Blau und die Assoziation mit friedlicher Natur.

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Daviode Caenaro
Veröffentlicht:
Montag 18.01.2016, 00:00 Uhr

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