Keiner zu klein, Fasnächtler zu sein.

Fasnacht: Vor dem Fasten wird gefestet

Die Fasnachtstraditionen in der Schweiz unterscheiden sich von Ort zu Ort. Das ausgelassene Volksfest hat seinen festen Platz im Jahresprogramm. Doch das war nicht immer selbstverständlich.

Dominik Styger (29), Tambour bei der Basler J.B.-Clique Santihans

Dominik Styger (29), Tambour bei der Basler J.B.-Clique Santihans
http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Dominik Styger (29), Tambour bei der Basler J.B.-Clique Santihans

Am Schmutzigen Donnerstag  beginnt die Luzerner Fasnacht mit der Tagwache. Für Stefan Dillier (33, Titelbild links) von der Guggenmusik Glatzesträhler ist dieser lang ersehnte Moment der Höhepunkt der Fasnacht:  «Ich bin immer gespannt, welche Sujets die anderen Fasnachtsgruppen haben und wie unser eigenes Sujet wirkt.» Für Dominik Styger (29), Tambour bei der Basler J.B.-Clique Santihans, ist der schönste Moment, «wenn ich am Montagnachmittag das erste Mal die neue Larve in Kombination mit der Trommel anhabe. Das klingt immer ganz speziell.» Ob man das Trommeln durch die eigene Larve hört oder als Zuschauer am Strassenrand – Fasnacht erlebt jeder anders. Dessen, woher der Brauch kommt und dass es nicht immer selbstverständlich war, ihn zu feiern, sind sich wohl viele nicht mehr bewusst.  

Schmutz und Güdel
Wie der Name bereits andeutet, hat die Fas(t)nacht mit Fasten zu tun. Im Fasnachtsbrauchtum ein wichtiges Datum ist der 11.11., wo vielerorts, etwa in den deutschen Fasnachtshochburgen entlang des Rheins oder auch in Bern (vgl. S. 17), Fasnachtsanlässe stattfinden. An diesem Tag, dem Martinstag, beginnt die Fastenzeit vor Weihnachten. Wie vor der Fastenzeit vor Ostern mussten noch alle Lebensmittel vertilgt werden, die während der Fastenzeit verboten waren und nicht darüber hinaus gelagert werden konnten. Der Fasnachtstermin Anfang Jahr richtet sich nach dem Osterdatum. Dieses ist abhängig vom Mond: Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also der erste Vollmond nach dem 21. März. Dies legte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 fest. Davor galt eine 40-tägige Fastenzeit. Auf deren Bevorstehen weisen Begrifflichkeiten wie der Schmutzige Donnerstag, im Volksmund auch «SchmuDo» genannt, hin. Doch obschon die Strassen an der Fasnacht nicht sauber bleiben: Schmutz bedeutet nicht Dreck, sondern Schmalz oder Fett. Am Donnerstag vor Aschermittwoch wurde zum letzten Mal vor dem Beginn der Fastenzeit geschlachtet. Das anfallende Fett verwendete man. Deswegen werden viele Fasnachtsspezialitäten wie Berliner, Schenkeli oder Fasnachtschüechli in Fett ausgebacken. Auch der Güdismontag und -dienstag in Luzern verweisen auf die vorfastenzeitliche Völlerei: «Güdel» bedeutet Magen – den man sich nochmals richtig füllte

«

Die Tagwache am Schmutzigen Donnerstag ist für mich der Höhepunkt der Fasnacht.»

Stefan Dillier (33), Guggenmusik Glatzesträhler

Zwei Fasnachtstermine
Der Aschermittwoch markierte aber nicht immer den Auftakt der Fastenzeit, sie begann ursprünglich eine Woche später. 1091 wurde auf der Synode von Benevent IT beschlossen, dass die Sonntage von der Fastenzeit ausgenommen werden. Damit diese gleich lang blieb, musste man deren Beginn entsprechend vorziehen, auf den heutigen Aschermittwoch.
Die Basler Fasnacht richtet sich seit jeher nach dem ursprünglichen Fastentermin und wird daher auch als «Alte Fasnacht» bezeichnet. Daher kommt die noch immer gebräuchliche Redensart, dass jemand «wie die Alte Fasnacht hinterherkommt», also sehr verspätet ist. Doch besser spät als nie. Im Gegensatz zu den Baslern mussten andere Städte mit der Reformation die Fasnacht aufgeben, so auch Bern. Erst vor etwa 30 Jahren erweckten die Berner die Fasnacht wieder zum Leben: 1982 wurde der Verein Berner Fasnacht gegründet. Doch das wiederentdeckte Brauchtum hat es nicht leicht, sich durchzusetzen. «Es gibt noch immer Leute, die finden, dass die Fasnacht nicht nach Bern gehört», sagt Hans Flury (83), der den Verein mitgegründet hat. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis es wieder eine breite Akzeptanz gibt. «Irgendwann leben nur noch Generationen, die mit der Fasnacht aufgewachsen sind», sagt Daniel Graf (52), Präsident des Vereins Berner Fasnacht.

Vogel Gryff sei Dank
Anders in Basel: Obwohl auch die Stadt am Rhein protestantisch wurde und Verbote galten, überdauerte die Fasnachtstradition die Zeit. Mitverantwortlich dafür waren wohl die Zünfte und Gesellschaften. Sie spielten bis ins 19. Jahrhundert eine Rolle bei den militärischen Musterungen. Insbesondere in deren Zusammenhang fanden fasnächtliche Umzüge statt. Auch der «Vogel Gryff», Festtag der Kleinbasler Ehrengesellschaften, dürfte zum Erhalt der Fasnacht beigetragen haben.
Die Luzerner Fasnacht musste nicht gegen die Reformation bestehen: Die Stadt blieb katholisch. «Als Fasnachtstage gelten laut kantonalem Gesetz der Schmutzige Donnerstag, der Güdismontag und der Güdisdienstag», erklärt Roland Barmet (44), der 2016 das Lozärner Fasnachts-Komitee LFK präsidiert. Eine wichtige Figur an der Luzerner Fasnacht ist Bruder Fritschi. Der Ursprung des Brauchs wird zurückgeführt auf das Aufeinandertreffen der Eidgenossen mit den Habsburgern im Alten Zürichkrieg: In der Schlacht von Ragaz siegten die Eidgenossen am 6. März 1446, dem Fridolinstag, den man ausgelassen feierte. Da er bisweilen in die Fastenzeit fiel, legte man den Anlass auf den Schmutzigen
Donnerstag. Am kommenden Donnerstag, 4. Februar, ist es wieder so weit.



Frage der Woche!

«

Welche Fasnacht ist Ihre liebste?»

Verraten Sie uns, welche Fasnachtsbräuche besonders sehenswert sind.

Fasnacht in Basel: «Die drey scheenschte Dääg»

http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Fasnacht: Vor dem Fasten wird gefestet

Datum: Montag bis Mittwoch nach Aschermittwoch 15.–17. Februar 2016

Startschuss:
Morgestraich, Montag, 04.00 Uhr
Die Strassenbeleuchtung und die Schaufensterlichter der Geschäfte werden punkt 04.00 Uhr ausgeschaltet.

Geschichte:
Die erste noch erhaltene Erwähnung der Basler Fasnacht datiert vom Jahr 1376. Am Tag nach Aschermittwoch veranstaltete Herzog Leopold III. von Habsburg auf dem Münsterplatz ein Turnier. Daraus entstand ein Tumult.

Besonderheiten (Auswahl):
Am Morgestraich werden bunt bemalte Laternen von innen beleuchtet und erzeugen so eine besondere Stimmung. Sie sind am Fasnachtsdienstag an der Laternenausstellung auf dem Münsterplatz zu bewundern.
Der Fasnachtsdienstag ist der Tag der Guggenmusiken. Abends finden auf grossen Bühnen auf dem Barfüsser- und dem Marktplatz Guggenkonzerte statt.
Nicht wegzudenken sind die Schnitzelbänke: In Versen werden Geschehnisse pointiert aufgegriffen.

Organisation:
Basler Fasnachtscomité (gegründet 1910). Es führt am Fasnachtsmontag und am Fasnachtsmittwoch den Fasnachtsumzug (Cortège) durch und organisiert die Laternenausstellung sowie die Wagen- und Requisitenausstellung.

Verkleidung:
Kostüm mit Larve (Maske), die Zuschauer kommen in der Regel nicht verkleidet an die Fasnacht.

Der Schein der grossen Laternen und Kopflatärnli erzeugt eine besondere Stimmung am Morgestraich.

Der Schein der grossen Laternen und Kopflatärnli erzeugt eine besondere Stimmung am Morgestraich.
http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Der Schein der grossen Laternen und Kopflatärnli erzeugt eine besondere Stimmung am Morgestraich.

Kinderfasnacht:
In Basel ist der Fasnachtsdienstag der Tag der Kinder. Einen offiziellen grossen Kinderumzug gibt des jedoch nicht.

Sujets:
Die meisten grösseren Fasnachtsgruppierungen greifen an der Fasnacht ein Sujet auf. Dieses kann einen lokalen Bezug haben, aber auch Themen aus dem globalen Geschehen
aufgreifen.

Plakette:
Er gibt jedes Jahr eine neue Fasnachtsplakette in den Ausführungen Kupfer, Silber, Gold und Bijou (Anstecknadel). «Eine Plakette zu tragen ist Ehrensache auch für die Zuschauer, denn Plakette ist eine Art Eintrittsbillet für die Fasnacht» sagt Christoph Bürgin, Obmann des Basler Fasnachts-Comités.

Fasnacht in Bärn: «Die füfti Jahreszyt»

http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Fasnacht: Vor dem Fasten wird gefestet

Datum: Donnerstag bis Samstag nach Aschermittwoch 11.–13. Februar 2016

Startschuss:
Bären-Befreiung aus dem Käfigturm,
Donnerstag, 20.00 Uhr.
Der Bär ist ein Mann im Kostüm.

Geschichte:
Die Fasnacht in Bern wurde mit der Reformation verboten. Daher gab es jahrelang keine offizielle Fasnacht mehr. 1982 wurde der Verein Berner Fasnacht gegründet und der Brauch wiederbelebt.

Besonderheiten (Auswahl):
Der Fasnachtsbär geht am 11.11. um 11.11 Uhr im Käfigturm in den Winterschlaf. Dann beginnen die Fasnachtsvorbereitungen offiziell.
Wilhelm Tell spielt an der Berner Fasnacht eine grosse Rolle. Jedes Jahr spielt das Fasnachts-gasse-Theater «Jä Täll so geits» eine Parodie der Tell-Geschichte. Dieses Jahr gibts einen Tatort: «Mord bei Küssnacht».

Organisation:
Verein Berner Fasnacht (gegründet 1982)
Er führt die Fasnachtsumzüge durch und organisiert und koordiniert alles, was zu den offiziellen Programmpunkten gehört.

Verkleidung:
Kostüm, geschminkte Gesichter.

Der Berner Fasnachtsbär begleitet die Fasnächtler durch die ganze Fasnacht.

Der Berner Fasnachtsbär begleitet die Fasnächtler durch die ganze Fasnacht.
http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Der Berner Fasnachtsbär begleitet die Fasnächtler durch die ganze Fasnacht.

Kinderfasnacht:
Die Berner Kinderfasnacht ist auf den Freitagnachmittag angesetzt. Es nehmen jeweils ca. 4000 Personen teil.

Sujets:
Viele gehen so auf die Gasse, wie es ihnen gefällt. Es gibt aber auch Gruppierungen, die ein Thema aufgreifen.

Plakette:
Er gibt jedes Jahr eine neue Fasnachtsplakette in den Ausführungen Kupfer, Silber, Gold. Der Verkauf läuft aber noch harzig. Die Berner seien halt «Laueri», sagt Fasnachts-Urgestein Hans Flury.

Fasnacht in Lozärn: «rüüdig verreckt»

http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Fasnacht: Vor dem Fasten wird gefestet

Datum: Schmutziger Donnerstag bis Güdisdienstag 4.–9. Februar 2016

Startschuss:
Tagwache: Urknall und Fötzeliräge,
Donnerstag, 05.00 Uhr.
Der Urknall ist eine Detonation auf dem Nauen, einem Kahn, mit dem die Fritschifamilie über den See kommt und am Schweizerhofquai landet. Er gibt den Guggenmusiken das Zeichen, dass nun die Fasnacht beginnt. Beim Fötzeliräge explodieren Säcke mit Zeitungsschnipseln. Anschliessend findet das Orangenwerfen statt.
Hintergründe:
Die Luzerner Fasnacht richtet sich nach dem katholischen Fastenkalender. Vor der Fastenzeit (Aschermittwoch bis Ostern) geben die Leute also nochmals richtig Gas.

Besonderheiten (Auswahl):
Die vier grossen Zünfte Safran, Wey, Fidelitas Lucernensis und Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern (MLG) stellen die Vertreter für das Lozärner Fasnachts-Komitee (LFK).
Der Fritschi-Brauch spielt eine wichtige Rolle an der Luzerner Fasnacht und wird seit Jahrhunderten von der ehemaligen Krämergesellschaft und heutigen Safranzunft gepflegt (vergleiche auch Haupttext).

Organisation:
Luzerner Fasnachts-Komitee (LFK) und Dachverband Vereinigte Guuggenmusigen Luzern («Vereinigte»), «Kult-Ur-Fasnächtler».

Verkleidung:
Kleid mit Grind (Kostüm und Maske). Immer mehr wird auch geschminkt. Dieser Tendenz wirken das LFK und die «Vereinigten» jedoch entgegen.

Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Güdisdienstag ziehen die Guggenmusiken durch das fasnächtliche Lozärn.

Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Güdisdienstag ziehen die Guggenmusiken durch das fasnächtliche Lozärn.
http://www.coopzeitung.ch/Fasnacht_+Vor+dem+Fasten+wird+gefestet Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Güdisdienstag ziehen die Guggenmusiken durch das fasnächtliche Lozärn.

Kinderfasnacht:
Der «Chendermonschter», organisiert von den «Vereinigten», findet am Nachmittag des Güdis-Dienstag statt.

Sujets:
Die Sujet-Fasnacht wird in Luzern gepflegt. Die Fasnachtsgruppierungen nehmen Bezug auf Themen und Geschehnisse aus der Umgebung oder dem Weltgeschehen (Kultur, Sport, Politik etc.).

Plakette:
Er gibt jedes Jahr eine neue Fasnachtsplakette in den Ausführungen Kupfer, Silber, Gold. Die Fasnachtsplakette gilt wie in Basel als eine Art Eintrittsbillet für die Fasnacht. Eine zu tragen ist daher auch für die Zuschauer Ehrensache.

Fasnacht in der Westschweiz – ein Überblick

Konfettischlacht
Fasnacht in Monthey (VS), 4. bis 9. Februar

In Anspielung auf die Notrufnummer und den diesjährigen frühen Veranstaltungszeitraum steht die 144. Ausgabe der Fasnacht in Monthey unter dem Motto «De toute urgence» (in etwa «Tatütata!»). Nach dem grossen Umzug am Sonntagnachmittag versammeln sich Gross und Klein auf der Place Centrale zu einer riesigen Konfettischlacht, zu der Teilnehmer des Umzugs und ambitionierte Zuschauer eingeladen sind. 


Kostümierte Pferde
Fasnacht in Sitten, 4. bis 9. Februar

Das Motto der 41. Ausgabe der Fasnacht in Sitten lautet «De cape et d’épée» (mit Mantel und Degen). Eines der Highlights erwartet die Besucher am Donnerstagabend, wenn die Kinder den Fasnachtshexenmeister am Hexenturm wecken. Am darauffolgenden Abend steht ein nächtlicher Umzug durch das Stadtzentrum auf dem Programm. Am Sonntagnachmittag ziehen schliesslich rund 70 Reiter hoch zu Ross begleitet von Guggenmusiken durch die Stadt. Wie es die seit 1995 bestehende Tradition vorsieht, werden abschliessend die schönsten Kostüme von Reiter und Pferd ausgezeichnet.

Freinacht
Fasnacht im Jura, Bassecourt, 5. bis 9. Februar

Um die 60. Auflage der Fasnacht im Jura gebührend zu feiern, legen die Organisatoren mit besonders schön geschmückten Umzügen in diesem Jahr noch einmal einen drauf. Erstmals wird die ganze Nacht von Sonntag auf Montag durchgefeiert! Am Montag findet der traditionelle «Altweibertanz» statt, bei dem die Männer ihre verkleideten Frauen zum Tanz auffordern. Ob sie ihre bessere Hälfte wohl wiedererkennen?

Neustart in Freiburg
Bolzenfasnacht, 7. bis 9. Februar

«Wir ziehen alle am gleichen Strang!» Nachdem die Bolzenfasnacht dieses Jahr infolge finanzieller Schwierigkeiten beinahe abgesagt werden musste, läutet die 48. Ausgabe mit diesem Slogan und neuem Vorstand, der sich der Unterstützung der Freiburger Bevölkerung sicher sein kann, einen Neustart ein. In Freiburg wird es gleich zwei Umzüge geben: Den grossen Umzug am Sonntag und den Kinderumzug am Dienstag. Der Rababou – das Symbol des Winters – wird zum Abschluss auf der Oberen Matte verurteilt und verbrannt.

«Tumulus» mit Spitzhut
Die Brandons von Payerne (VD), 12. bis 15. Februar

Die Brandons von Payerne, die sich in der Broye-Region als feste Grösse etabliert haben, werden dieses Jahr bereits zum 121. Mal ausgerichtet. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet der Umzug am Sonntagnachmittag mit imposanten Fasnachtswagen. Die «Tumulus» mit Spitzhut, die Erdnüsse und Süssigkeiten an die Kinder verteilen, begleiten das bunte Treiben als historische Gruppe. Die Wurzeln dieser Gestalten sind ebenso lustig und farbenfroh wie sie selbst. Alles begann, als in der Gemeinde 1898 ein Grabhügel aus der Eisenzeit entdeckt wurde. Ein Gemeinderat begab sich sofort an den Fundort, kletterte auf den Hügel und suchte den Grabhügel – ohne zu merken, dass er bereits darauf stand! Fortan maskierte sich an der Fasnacht eine lustige Truppe, die sich «Tumulus» nannte, um diese Geschichte weiterzuerzählen.

Bellinzona (4. bis 9. Februar 2016)

Ennet dem Gotthard ist Bellinzona die Karnevals-Hochburg. Das bunte Treiben heisst Rabadan, was im Piemonteser Dialekt «Lärm» bedeutet.
Der Tessiner Fasnachtsbrauch dauert vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasnachtsdienstag. 2016 ist die 153. Auflage des Rabadan. Startschuss ist am Schmutzigen Donnerstag: Der Stadtpräsident übergibt dem von der lokalen Karnevalsgesellschaft gewählten König den Schlüssel für die Stadttore. Er ist Anführer des Rabadan. Am Freitag findet der Kinderumzug statt, am Samstag spielen bis spät in die Nacht die Guggenmusiken. Der grosse Umzug am Sonntag (Corteo) ist der Höhepunkt des Rabadan. Maskenwettbewerbe, Seilziehturniere und Strassentheater gehören ebenso dazu wie das traditionelle Risotto-Essen.


Lötschental

Die sogenannten Tschäggättä sind die für das Lötschental typischen, maskierten Fasnachtsgestalten. Unterwegs sind sie zwischen «Maria Lichtmess» (jeweils am 2. Februar) und dem „Gigiszischtag“ (d.h. dem Dienstag vor dem Aschermittwoch). Abend für Abend streifen diese wilden Gestalten durchs Tal und jagen jedem, dem sie auf der Strasse begegnen, einen Schrecken ein. Den Ursprung dieser Figuren und des Brauchtums vermutet man in den vielen Sagen und Mythen des Lötschentals. Es gibt zwei organisierte Tschäggättä-Umzüge: Der traditionelle Tschäggättu-Umzug (4. Februar 2016) und der grosse Lötschentaler Fasnachtsumzug (6. Februar 2016).

Solothurn (4. bis 10. Februar 2016)

Der Held der Solothurner Fasnacht heisst Hilari, darum beginnt diese traditionsgemäss an dessen Namenstag, dem 13. Januar: Der Stadtpräsident übergibt dem Ober der Narrenzunft Honolulu symbolisch die Macht über die Stadt, die Rathausgasse wird umgetauft zur Eselsgasse. So richtig los geht es dann am Schmutzigen Donnerstag. Schlag 5 Uhr beginnt die Chesslete: Tausende mit Nachthemd, Zipfelmütze und rotem Halstuch gekleidete Teilnehmer ziehen dann mit viel Getöse durch die Gassen der Altstadt. Weitere Höhepunkte sind die grossen Umzüge am Sonntag und Dienstag; das Höflisingen der Schnitzelbänkler; der Zapfenstreich, bei dem die versammelte Narrenschar einmal rund um die Stadt hüpft sowie das Bööggverbrennen am Aschermittwoch. Ausserhalb dieser Fixpunkte herrscht abends ein reges Treiben in der Stadt: die Fasnächtler ziehen von Beiz zu Beiz, während Schnitzelbänkler und Guggenmusiken ihr Bestes geben.


Altstätten (4. bis 9. Februar 2016)

Altstätten gilt als Fasnachtshochburg im Rheintal. Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasnachtsdienstag sorgen in Altstätten die Fasnachtsvereine und Guggenmusiken für farbenfrohe Umzüge und Polonaisen, Maskenbälle, Unterhaltungsabende - und für einmalige Stimmung in der ganzen Stadt. Legendär ist der Tschätteriumzug (Samstag), durch die nächtliche Altstadt. Aber auch der grosse Umzug am Sonntag ist ein Publikumsmagnet. Daneben finden Unterhaltungsabende, Maskenbälle und Fasnachtskonzerte statt. Eine Besonderheit der Altstätter Fasnacht sind die Röllelibutzen. Ihr Markenzeichen sind die prächtigen Hüte, ihre Wasserspritzen und das Geröll (kleine runde Schellen) um den Bauch. Der Röllelibutzen-Umzug findet am Fasnachtdienstag statt.

Das könnte Sie auch noch interessieren:

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Keystone, Beatrice Thommen-Stöckli
Veröffentlicht:
Montag 01.02.2016, 17:01 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:




Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?